Der "Krieg gegen den Terror" ist teuer. Nach einem Bericht des Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI sind die Rüstungsausgaben in den letzten Jahren weltweit kräftig angestiegen. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 erhöhten etwa die USA ihre Investitionen in Rüstung um zehn Prozent. Deutschland hatte 2002 den weltweit sechsthöchsten Militärhaushalt.

Wie das Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI (Stockholm International Peace Research Institute) am Dienstag mitteilte, wurden die Militärhaushalte im vergangenen Jahr um durchschnittlich sechs Prozent auf insgesamt 794 Milliarden Dollar (674 Milliarden Euro) erhöht.

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Mit einem Anstieg um zehn Prozent trugen dabei die USA nach den Anschlägen vom 11. September 2001 entscheidend zum neuen Rüstungsboom bei. Washington stand für drei Viertel des Gesamtanstiegs und bestritt im vergangenen Jahr den SIPRI-Angaben zufolge 43 Prozent aller Ausgaben für militärische Zwecke auf der Welt.

"Die Beschleunigung beim Anstieg der Militärausgaben ist fast ausschließlich dem gewaltigen Zuwachs des Rüstungshaushalts unter der Regierung Bush zuzuschreiben", erklärte die neue britische SIPRI-Direktorin Alyson Bailes in Stockholm.

Mit den massiven Zuwächsen in den USA bewegen sich die nach dem Ende des Kalten Krieges auf der ganzen Welt kräftig gesunkenen Militärausgaben auch längerfristig wieder deutlich nach oben. Sie lagen im vergangenen Jahr um 14 Prozent über dem Stand von 1998, allerdings immer noch um 16 Prozent unter dem von 1988 kurz vor dem Zusammenbruch des von der damaligen Sowjetunion geführten Ostblockes. Noch nicht eingerechnet in die Zahlen für 2002 sind im "SIPRI-Jahrbuch zu Rüstung und Abrüstung" zusätzliche Ausgaben zur Vorbereitung des Irak-Krieges.

Rüstungsausgaben in Westeuropa halten ihr Niveau

Während die westeuropäischen Länder ihre Rüstungsausgaben im vergangenen Jahr auf einem unverändertem Niveau hielten, erhöhte Russland diese um 12 Prozent und China um 18 Prozent. Deutschland hatte 2002 hinter den USA, Japan, Großbritannien, Frankreich und China den sechsthöchsten Militärhaushalt.

Die gegenüber Europa immer massivere militärische Dominanz der Vereinigten Staaten spiegelte sich nach Angaben von SIPRI auch in den gegenüber Westeuropa vier mal so hohen Ausgaben für militärische Forschung und Entwicklung wieder.

Beim internationalen Waffenhandel haben die USA zwischen 1998 und 2002 41 Prozent aller Geschäfte auf der Welt als Lieferant getätigt. Allerdings konnte Russland mit einem Gesamtanteil von 22 Prozent den USA in den vergangenen beiden Jahren den Platz als größter Rüstungsexporteur abnehmen.

Etwas weniger Kriege

Die Zahl von Kriegen verminderte sich im vergangenen Jahr auf 21 gegenüber 24 im Jahr 2001. Bis auf den gewaltsamen Kaschmir-Konflikt zwischen Pakistan und Indien wurden alle Kriege innerhalb eines Staates ausgetragen. SIPRI zu Folge waren auch hier Konsequenzen aus den Terroranschlägen vom 11. September zu beobachten.

So hätten die USA in Afrika Druck zur Beendigung kriegerischer Konflikte im Sudan und in Somalia ausgeübt. "Noch können keine endgültigen Schlussfolgerungen dazu gezogen werden. Aber es ist offensichtlich, dass die Terroranschläge Auswirkungen auf die meisten Konflikte hatten", heißt es im Jahrbuch.

USA verstört ihre Verbündeten

Das Streben der USA nach einer Vormachtstellung in der Welt verstört nach Ansicht des Internationalen Friedensforschungsinstituts (SIPRI) nicht nur Washingtons Gegner, sondern auch seine Verbündeten.

Die Debatte, ob die USA als "absolutistische und unilaterale Führungsmacht oder als gesetzliche und kooperative Führungsmacht" handeln werden, beschäftige Washingtons Freunde weit mehr als seine potenziellen Feinde, heißt es in dem am Dienstag in Stockholm vorgestellten SIPRI-Jahresbericht für 2002.

Europa fehle sowohl eine "gemeinsame, schlüssige Antwort" auf die von den USA ausgemachten "neuen Bedrohungen" als auch ein "Gefühl für die eigene globale Mission".

Nach dem Ende des Kalten Krieges versuchten die Vereinigten Staaten die einzige Supermacht zu bleiben. Dazu spüre Washington diejenigen auf, die versuchten, die neue Weltordnung in Frage zu stellen, und gehe - notfalls auch präventiv - gegen sie vor.

Die Europäische Union reagiere widersprüchlich auf diese Politik. Auf Seiten der europäischen Staaten sei folgende "Mischung" zu beobachten: "Trittbrettfahrerei, Rollenteilung, Anstrengungen zur Bildung eines Gegenpols und Hoffnungen, dass sich der US-Sturm in Wohlgefallen auflösen werde".

Das in US-Strategiepapieren des vergangenen Jahres bekräftigte Pochen auf Washingtons Vormachtstellung führte laut SIPRI zum Krieg in Afghanistan, ferner zur Einrichtung von US-Armeestützpunkten und zum Aufbau von Militärbündnissen in neuen Regionen einschließlich ehemaliger Sowjetrepubliken. Dazu komme ein ehrgeiziges Programm zum Anti-Terror-Kampf im eigenen Land nach den Anschlägen vom 11. September 2001.

(sueddeutsche.de/dpa/AFP)

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