Aufklärungsdrohne Bundeswehr bekommt neue Drohne

Überführungsflug einer Euro-Hawk-Drohne von der amerikanischen Edwards Air Force Base zum Flughafen im bayerischen Manching.

(Foto: dpa)
  • Die Bundeswehr will drei Drohnen vom Typ Triton beschaffen, das erfuhr die Süddeutsche Zeitung.
  • Das Vorgängerprojekt Euro Hawk war wegen ausufernder Kosten im Mai 2013 gestoppt worden.
Von Christoph Hickmann, Berlin

Knapp vier Jahre nach dem Scheitern der Aufklärungsdrohne Euro Hawk will die Bundeswehr ein Nachfolgemodell beschaffen. Generalinspekteur Volker Wieker entschied nach Informationen der Süddeutschen Zeitung am Montag, die Aufklärungsdrohne Triton zu beschaffen. Insgesamt sollen drei der Drohnen beschafft werden. Die erste soll der Truppe nach bisherigen Planungen 2025 zur Verfügung stehen.

Der Euro Hawk sollte die Bundeswehr zur "signalerfassenden luftgestützten weiträumigen Überwachung und Aufklärung befähigen". Seit 2010 das letzte Flugzeug vom Typ Breguet Atlantic/BR 1150 M außer Dienst gestellt wurde, kann sie diese nicht leisten. Im Mai 2013 stoppte die Spitze des Verteidigungsministeriums unter dem damaligen Minister Thomas de Maizière (CDU) das Euro-Hawk-Projekt, weil die Kosten aus dem Ruder zu laufen drohten. Grund waren Schwierigkeiten mit der Zulassung der Drohne. Um sie zulassungsfähig zu machen, wäre nach damaliger Schätzung ein hoher dreistelliger Millionenbetrag notwendig gewesen, der sich zu den ohnehin bereits aufgelaufenen Kosten addiert hätte. Daraufhin stoppte das Ministerium das Rüstungsprojekt.

Übrig blieb das vom Fluggerät unabhängige Aufklärungssystem "Isis", das nicht fertig entwickelt werden und eingesetzt werden konnte. Durch den Abbruch des Projekts konnte die Leistungsfähigkeit des Systems nicht endgültig erwiesen werden. Zwischenzeitlich gab es im Ministerium daher Überlegungen, "Isis" in andere Trägerplattformen einzubauen, etwa in ein Flugzeug. Doch nun glauben die Planer unter Ministerin Ursula von der Leyen (CDU) offenbar, die Lösung gefunden zu haben: die Drohne Triton. Sie ist, ebenso wie der Euro Hawk, eine Variation der Drohne Global Hawk und sieht entsprechend aus wie der Euro Hawk. Allerdings heißt es in Ministeriumskreisen, das Gerät sei ansonsten nicht mit der Pannendrohne vergleichbar.

Die Planer sehen offenbar eine deutlich bessere Chance, die Drohne tatsächlich zuzulassen. So verfüge der Triton im Gegensatz zum Euro Hawk beispielsweise über eine Enteisungsanlage, einen Blitzschutz sowie Schutz vor Hagel und Vogelschlag. Entscheidend sei aber, heißt es im Ministerium, dass diesmal eine umfassende technische Dokumentation vorhanden sei - anders als einst beim Euro Hawk. Die US Navy, die diesmal der Ansprechpartner ist, sei hier, anders als vor Jahren das Unternehmen Northrop Grummam, sehr kooperativ. Das in der Zwischenzeit geschaffene Luftfahrtamt der Bundeswehr könne sich auf die Dokumente der US Navy stützen. Bereits Ende vergangenen Jahres gab es dementsprechend offenbar eine positive "Zulassbarkeits- und Nutzbarkeitsprognose" für Triton.

Aufklärungssystem "Isis" soll auch mit Triton funktionieren

Bleibt die Frage, woher das Ministerium plötzlich die Sicherheit nimmt, dass Isis, das Aufklärungssystem und damit Herzstück der künftigen Drohne, tatsächlich kann, was es können soll - schließlich war die Erprobung des Systems noch nicht abgeschlossen. Dazu heißt es in Ministeriumskreisen, im vergangenen Jahr habe es hier enorme Fortschritte gegeben. Zum einen habe man die zwischenzeitlich auf Eis gelegten Erprobungsdaten nach Verhandlungen mit der Euro Hawk GmbH wieder nutzen können. Zum anderen habe man es geschafft, unter Laborbedingungen das System nahezu komplett zu simulieren. Zudem habe man mit einer verfeinerten Methodik die Rohdaten der bisherigen Testflüge mit dem Euro Hawk ausgewertet. All dies ließ die Planer offensichtlich zu dem Schluss kommen, dass Isis nun doch nicht weiter getestet werden müsse, sondern in die Triton eingebaut werden könne. Das Restrisiko wird offenbar als überschaubar angesehen.

Damit wird auch das Demonstrationsexemplar des Euro Hawk nicht mehr gebraucht, mit dem das System ursprünglich zu Ende getestet werden sollte. Hier sind allerdings in der Zwischenzeit enorme Kosten angefallen. Allein um sich die Option weiterer Testflüge zu erhalten, wurden laut Ministeriumskreisen 23 Millionen Euro ausgegeben.

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