Attacke aus China Hacker griffen auch "Wall Street Journal" an

Auch das "Wall Street Journal" ist wohl Opfer von Hackerattacken aus China geworden. Ziel der Spionageangriffe war es, die China-Berichterstattung zu überwachen. Grund könnten kritische Berichte über den Reichtum der Familie von Regierungschef Wen Jiabao sein.

Nach der New York Times hat auch das Wall Street Journal China einen Hacker-Angriff auf seine Website vorgeworfen. Ziel sei es offensichtlich gewesen, die China-Berichterstattung der Zeitung zu überwachen, berichtete das Blatt. Um das Erlangen wirtschaftlicher Vorteile oder Zugang zu Kundendaten sei es den chinesischen Hackern nicht gegangen, erklärte das Mutterunternehmen Dow Jones.

Zuvor hatte die New York Times über einen Angriff durch Hacker berichtet, die möglicherweise Verbindungen zum chinesischen Militär hätten. Es seien klare Hinweise Richtung Peking entdeckt worden, erklärte die US-Zeitung und vermutete einen Zusammenhang mit ihrem Bericht über das immense Vermögen der Familie von Chinas Regierungschef Wen Jiabao. Die Volksrepublik wies die Vorwürfe zurück.

Die scheidende US-Außenministerin Hillary Clinton erklärte, die US-Regierung beobachte eine Zunahme von Hackerattacken sowohl auf staatliche Einrichtungen wie auf Privatunternehmen. Sie wünsche sich ein internationales Forum, das Antworten auf "diese Art illegalen Eindringens" suche.

Milliardenschwere Beteiligungen

Der New York Times zufolge konzentrierten sich die Hacker bei ihrem Angriff auf die Zeitung vor allem auf den Shanghaier NYT-Bürochef David Barboza und seinen E-Mail-Account. Dieser hatte in der Zeitung im Oktober über den immensen Reichtum der Familie von Wen Jiabao berichtet. Überhaupt hätten die Hacker offenbar nur nach Informationen im Zusammenhang mit dem Wen-Bericht gesucht, erklärte die Zeitung. Nutzerdaten beispielsweise seien nicht abgezogen worden.

Die NYT hatte Ende Oktober berichtet, die Familie von Wen habe während seiner Amtszeit riesige Vermögen angehäuft. Dem Bericht zufolge besitzt die Familie Beteiligungen in Höhe von 2,7 Milliarden Dollar (2,1 Milliarden Euro) an Firmen im Banken-, Tourismus- und Telekommunikationssektor. Die Zeitung berief sich auf eine Auswertung von Unternehmens- und Börsenmitteilungen zwischen 1992 und 2012. Dem Bericht zufolge verfügt Wen selbst über keine Beteiligungen, genannt wurden aber unter anderem seine Mutter, seine Frau, sein Sohn und seine Tochter.