Atomstreit Teheran düpiert Paris

Bei den Gesprächen in Wien lässt die iranische Delegation die Vertreter Frankreichs abblitzen - und gefährdet damit den gesamten Verhandlungsprozess.

Von Paul-Anton Krüger

Bei den Gesprächen zwischen Iran, den USA, Russland und Frankreich und der Internationalen Atomenergiebehörde in Wien über die mögliche Lieferung von Brennstäben für einen Forschungsreaktor in Teheran ist es am Montag offenbar zu ernsten Problemen gekommen.

Der halbstaatliche iranische Sender PressTV meldete, Iran habe Frankreich als mögliches Lieferland für die Brennelemente gestrichen, laut der Internetseite von Le Monde weigerten sich die Vertreter Irans mit der französischen Delegation direkt zu verhandeln. Iran nannte als Grund demnach, Frankreich habe sich in der Vergangenheit geweigert, nukleares Material zu liefern.

Nach einer Grundsatzvereinbarung vom Anfang des Monats, der Teheran zugestimmt hat, soll Iran 1.200 Kilogramm Uran exportieren, damit Russland es weiter anreichert und Frankreich daraus Brennstäbe herstellt. Iran will das Material nun offenbar einkaufen. Laut dem Außenministerium in Paris können nur Frankreich und Argentinien die Brennelemente fertigen. Sollte eine Einigung in Wien scheitern, wäre der Verhandlungsprozess mit Iran gefährdet, der Ende Oktober mit einer weiteren Gesprächsrunde fortgesetzt werden soll. Allerdings zeigte sich IAEA-Chef Mohamed el-Baradei am Abend zufrieden mit dem Verlauf der Verhandlungen, die mindestens noch an diesem Dienstag fortgesetzt werden sollten.

Iran machte keine weiteren Angaben hinsichtlich seiner Vorwürfe gegen Frankreich. Offenbar geht es dabei um Irans zehnprozentige Beteiligung an Frankreichs Anreicherungsgesellschaft Eurodif aus dem Jahr 1974. Iran hatte trotz seines Anteils nie angereichertes Uran von Eurodif erhalten.