US-Präsident Bush will neue Atomkraftwerke. Viele neue AKW - der Umwelt zuliebe. Und er will, dass Deutschland das auch will. Kanzlerin Merkel allerdings hält am Ausstieg fest - der großen Koalition zuliebe.
Die USA gehen in der Klimadebatte auf Konfrontationskurs zum deutschen Atomausstieg. Angesichts der enormen Wirksamkeit nuklearer Kraftwerke, die keine Treibhausgase produzierten, seien "Atomkraftwerke der Lackmustest für die Ernsthaftigkeit" der Staaten beim Klimaschutz, sagte Jim Connaughton, Umweltberater von US-Präsident George W. Bush, beim G-8-Gipfel im japanischen Toyako.
Bundeskanzlerin Angela Merkel und der amerikanische Präsident George W. Bush streiten um die Atomkraft. (© Foto: Reuters)
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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) stellte umgehend klar, dass sie die Nutzung der Kernenergie für keinen entscheidenden Faktor im Kampf gegen den Klimawandel hält. Sie hob dennoch den Wissensvorsprung der G-8-Staaten in Sachen Sicherheit bei der Nutzung der Kernenergie hervor.
Deutschland ist mit dem - noch unter der rot-grünen Bundesregierung beschlossenen - Atomausstieg in der Gruppe der acht wichtigsten Industrienationen inzwischen völlig isoliert. Bis zum Regierungswechsel Mitte Mai war Italien noch auf Seite der Deutschen. Der neue italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi will den vor 21 Jahren nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl beschlossenen Atomausstieg aber wieder rückgängig machen und bis 2013 mit dem Bau des ersten neuen Atomkraftwerks beginnen.
Klare Wort der Kanzlerin
Merkel ist als CDU-Chefin ebenfalls gegen den geltenden Atomausstieg, muss als Bundeskanzlerin aber mit Rücksicht auf den Koalitionspartner SPD daran festhalten. "Die Entscheidung, dass viele Länder auch auf Kernkraft setzen, die ist okay", sagte Merkel. "Aber zu sagen, die Zukunft für den Klimaschutz und den sorgsamen Umgang mit Energie lässt sich dadurch alleine lösen, das sehe ich nicht so."
Inzwischen ruderte der Bush-Berater wieder zurück: Er habe keineswegs Deutschland ansprechen wollen, betonte Connaughton später in einem Interview der ARD. Deutschland leiste in seiner Umweltpolitik "ausgezeichnete Arbeit"; Tatsache aber sei, dass auch der Weltklimarat der Vereinten Nationen die nukleare Energiegewinnung als eine Option bezeichne, Treibhausgase zu vermeiden.
Wer wirklich den Ausstoß von Treibhausgasen einschränken wolle, komme an einer intensiven Nutzung der Atomkraft nicht vorbei, sagte der Bush-Berater. Der verantwortungsbewusste Bau neuer Atommeiler habe einen großen Stellenwert, sagte er. "Ein Land, das die Fähigkeiten hat, Atomkraft verantwortlich zu nutzen, hat aus meiner Sicht die Pflicht, das zu tun, ... nicht nur, um die Treibhausgase zu beschränken, sondern auch um mit verminderter Luftverschmutzung die öffentliche Gesundheit zu verbessern."
Die USA seien grundsätzlich bereit, auch international verbindliche Abkommen über die Begrenzung der Treibhausgase zu unterzeichnen, wenn tatsächlich alle wichtigen Industrieländer mitmachten. In Toyako erwartet die US-Führung eine Reihe von konkreten Beschlüssen, um auch kurzfristig die Gefahr der Treibhausgase zu reduzieren, sagte Connaughton.
Bedeutung komme dabei der Steuerbefreiung für moderne, umweltschützende Technologien zu. Es sei absurd, dass ausgerechnet diese Technologie für Entwicklungsländer besonders teuer sei. Zudem müssten die Anstrengungen, neue Techniken zu entwickeln, verstärkt werden. Der G-8-Gipfel werde einen Technologie-Fonds für saubere Energie beschließen.
SPD-Generalsekretär warnt vor neuer Atomdebatte
Am beschlossenen Atomausstieg darf aus Sicht der SPD nicht gerüttelt werden. "Es gibt keine sichere Atomkraft", betonte Generalsekretär Hubertus Heil in Berlin. Die Kernenergie sei als Risikotechnologie nach wie vor nicht beherrschbar und daher auch nicht verantwortbar, sagte der Bundestagsabgeordnete und verwies auf neue terroristische Bedrohungen sowie immer wiederkehrende Störfälle in Deutschland und weltweit. Auch die Frage der Endlagerung des strahlenden Atommülls sei nach wie vor ungeklärt.
Heil wies Behauptungen seitens der Union zurück, wonach Atomkraft klimafreundlich und billig sei. Ein längerer Betrieb der Atommeiler in Deutschland würde höchstens die Profite der Energiekonzerne vergrößern, nicht aber die Strompreise für Verbraucher drücken, sagte er nach einer Telefonschaltkonferenz des SPD-Präsidiums.
An Autofahrern und Mietern, die besonders belastet seien, gehe die Diskussion ohnehin völlig vorbei: "Ich kenne kein Auto, das mit Uran fährt, und keine Wohnung, die mit Kernkraft geheizt wird." Die richtige Strategie sei, auf mehr Energieeffizienz und den Ausbau erneuerbarer Energien zu setzen.
Heil warnte die Union eindringlich davor, die Atomdebatte, "die die Gesellschaft 30 Jahre lang gespalten hat", wieder aufzureißen. Er verlangte zudem ein konkretes Bekenntnis von CDU und CSU, ob diese tatsächlich den Neubau von Atomkraftwerken anstrebten - und wenn ja, an welchen Standorten und mit welchem Geld. Heil begrüßte die Idee, den Atomausstieg über eine Verankerung im Grundgesetz langfristig festzuschreiben. Dies wäre "intelligent", sei aber nicht aktuell.
Gabriel unterstützt Eppler-Vorschlag
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel hat sich unterdessen hinter den Vorschlag gestellt, den Atomausstieg im Grundgesetz festzuschreiben und dafür die neuesten Kernkraftwerke etwas länger laufen zu lassen als bisher geplant. Das sei ein "interessanter Vorschlag", sagte der SPD-Politiker in Berlin.
Zuerst habe ihn vor zwei Jahren der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder gemacht, nun der SPD-Vordenker Erhard Eppler. Gabriel betonte, er habe schon damals gesagt, darüber könne man reden. Doch sei das Ansinnen von der Union brüsk abgelehnt worden. Jetzt "muss die Union nur sagen, wir machen das mit der Verfassungsänderung, dann beginnen wir die Gespräche", sagte Gabriel. Gleichwohl bekräftigte der SPD-Politiker seine Ablehnung der Atomkraft.
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(dpa/AP/vw/mati)
ICE-Strecke
GromII schrieb:
"Bush will deutsches "Ja" zur Atomkraft"
Bush will deutsches "Ja" zum Afghanistankrieg
Bush will deutsches "Ja" zum Irakkrieg
Bush will deutsches "Ja" zum Irankrieg "
- Und Bush will deutsches "Nein" zur ursprünglich geplanten Obama-Rede vor dem Brandenburger Tor. Und Angela Merkel steht stramm
07.07.2008 16:09:02
uthome:
Jeder AKW-Betreiber sollte eine Haftpflichtversicherung mit unbegrenzter Deckungssumme nachweisen um im Falle eines GAU´s Schäden zu erstatten. Selbst die Befürworter der Kernenergie können nicht abstreiten das es sich um eine Risikotechnologie handelt und sollten dann doch wenigstens für dieses Versicherungsystem stimmen.
Wenn man dann die Kosten für die Versicherung und die tatsächlichen Kosten für die Endlagerung für ca. 500.000 Jahre hinzurechnet, na dann kann keiner mehr von billigem Atomstrom reden.
Der allerdings bei der dafür zuständigen Politik mit Sicherheit NICHT auf fruchtbaren Boden fallen wird!
Aber, kein Zweifel: Müssten
- die Politiker in der Nähe von Endlagern wohnen, und
- die Atomstromer die davon ausgehenden Risiken versichern,
es wäre mit Sicherheit sofort Schluss mit diesem Energie-Wahnsinn!
Wenn Deutschland auf diesem Gebiet, statt endlich Energie einzusparen, den Gang in die Vergangenheit einschlagen will, dann bitte zum einzigen sinnvollen Zweck, nämlich Atom-WAFFEN herstellen oder wenigstens einkaufen und besitzen zu dürfen!
Der vor Jahrzehnten feierlich beschworene Verzicht auf Atom-WAFFEN macht Deutschland zum wehrlosen Spielball ALLER Atomwaffen-Besitzer bzw. zwingt dazu, in Treue fest zum längst missbrauchten NATO-Bündnis zu stehen und auch die unsinnigsten militärischen Einsätze wie z.B. in Afghanistan mitmachen zu müssen.
Hätte Deutschland zumindest dieselbe Art und Anzahl an Atomwaffen wie das bis an die Zähne bewaffnete kleine Israel oder meinetwegen auch nur Nordkorea, wir könnten der verlogenen NATO-Doktrin adé sagen und uns selbst und ganz alleine schützen, falls uns irgend ein Verrückter angreifen wollte.
Also, wenn schon ATOM..., dann bitte A-WAFFEN statt Kraftwerke!
Sehr guter und sehr richtiger Kommentar.
Ich habe vor einigen Jahren einmal in Amerika gelebt. De Fakto fast alle Häuser dort haben in Punkto Wärmedämmung Standards, bei denen es einem nur graust: So kann unter den so Amerika- typischen kellerlosen Bungalows oft unten der Wind durchziehen, was die Wärme im Winter geradezu mit sich reisst.
Die Wände selbst sind oft ÜBERHAUPT NICHT gedämmt, und jeder kennt aus Hollywoodfilmen die billigen, scheppernden Eingans"türen", die lediglich aus einer dünnen Plexiglasscheibe mit Alurahmen bestehen. So etwas wie Doppelverglasung ist auf dem Land weitestgehend unbekannt, lediglich vielleicht moderne Gebäude in Großstädten haben soetwas.
Ich habe es selbst gesehen, wie in einem typisch amerikanischen Haus im Winter in jedem Zimmer ein rußiger, freistehender Petroleumofen vor sich hin werkelte, während dort im Sommer jeder Raum nonstop mittels einer im Vollastbetrieb operierenden elektrisch Klimaanlage gekiühlt wurde.
Die Mengen an Energie, die da wegen der fehlenden Isolierung verpulvert werden sind infernalisch, 30 % Einsparpotential reichen da nach meiner Einschätzung BEI WEITEM nicht mehr, ich gehe von ca. 40 bis 70 Prozent aus (für den Fall USA).
Mein Wunsch wäre hier eine gute Zusammenarbeit, und ein Erfahrungsaustausch zwischen Europa und den Vereinigten Staaten.
Falsche "Lobbymafiosi" wie Bush stören da nur. Da freuen sich höchstens die großen Energiekonzerne, die ja auch in Deutschland auf Bürgerausbeutung spezialisiert sind und BEREITS JETZT im Ausland SELBER KERNKRAFTWERKE BAUEN (Eon und RWE bauen neue Kernkraftwerke in Großbritannien, Finnland und in Osteuropa).
Die USA, die weltweit grössten UMWELTVERSCHMU`TZER, sollten erst einmal Zeichen für vorhandenes Umweltbewusstsein setzen, bevor sie es wagen, die deutsche Anti-Atompolitik zu kritisieren.
Jedenfalls sollte sich unsere Kanzlerin Vorhaltungen der Amerikaner ausdrücklich und öffentlich verbitten, selbst wenn sie pro Atomkraftwerke ist!
Der deutsche Weg OHNE Atomenergie ist grundsätzlich RICHTIG. Es fehlt allerdings auch in Deutschland, DANK der Rechten, die es leider auch hier zuhauf gibt, an der konsequenten Umsetzung, bestehend in energischen Massnahmen zur Energie-Einsparung!
Nach Meinung seriöser Experten existiert -nicht nur in Deutschland- besonders beim Stromverbrauch ein Einsparungspotential von zumindest 30%. Würde auch nur die Hälfte davon umgesetzt, wir wüssten nicht mehr, wohin mit dem Überschuss an elektrischem Strom!
Und noch zwei Hinweise für unverbesserliche Atom-Stromer:
- Unsere Kraftfahrzeuge laufen noch auf Jahrzehnte hinaus NICHT mit elektrischem Strom, sondern mit Erdöl-Produkten!
- Endlager vor deren Haustüren würden gewiss für Einsicht sorgen!
Wer einen derartigen UNSINN verzapft, dem sollte der Zugang zu seriösen Foren in seriösen Medien versperrt sein!
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