Sie haben sich an die Gleise gekettet, und die Fahrt verzögert. Doch die Blockade der Atomkraftgegner bröckelt. Indes warten in Gorleben Tausende Demonstranten auf den Castor-Transport.

Der Castor-Transport aus Frankreich hat am Samstag die Grenze zu Deutschland erreicht. Dabei kam es zu einem Zwischenfall: AKW-Gegner blockierten nahe Wörth am Rhein die Strecke, während dieser im wenige Kilometer entfernten elsässischen Lauterbourg stand, teilte die Bundespolizei mit.

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Festgekettet an den Gleisen: Atomkraftgegner haben am Samstag den Castor-Transport vorerst gestoppt. (© Foto: AP)

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Drei Frauen und Männer ketteten nach Angaben von AKW-Gegnern bei Wörth ihre Arme an einen unter den Gleisen versteckten Betonblock. Rund neun Stunden nach Beginn der Protestaktion ist es der Polizei gelungen, zwei der drei Demonstranten loszulösen.

Nun könnten sich die Beamten ein besseres Bild davon machen, wie sich die Atomkraftgegner festgekettet hätten. Davon werde es auch abhängen, wie schnell die Blockade beendet werden könne.

Wegen der Blockade hat sich die Ankunft des Atommüll-Zuges in Deutschland bereits um mehrere Stunden verzögert. Der Zug, der nach Angaben der Demonstranten weiterhin in der elsässischen Grenzstadt Lauterbourg steht, wird seit etwa 14.00 Uhr in Wörth erwartet. Dort werden normalerweise die französischen Lokomotiven gegen deutsche getauscht.

"Renaissance der Anti-Atombewegung"

Unterdessen demonstrierten am Zielort Gorleben laut Polizei fast 15.000 Menschen für den Atomausstieg und gegen den Transport von Atommüll in das dortige Zwischenlager. Das waren deutlich mehr als beim bislang letzten Transport vor zwei Jahren, als sich 6000 Teilnehmer an der zentralen Protestkundgebung beteiligt hatten. Am Zwischenlager, das außerhalb der Gemeinde liegt, protestierten laut Polizei außerdem etwa 300 Landwirte mit ihren Traktoren gegen die Atommüllieferung.

"Das ist die stärkste Mobilisierung seit Jahren", erklärte Julian Bank von der Initiative X-tausendmalquer. Die Initiative fordert die umgehende Abschaltung aller deutschen Atomkraftwerke. Ihr Sprecher, Jochen Stay, wertete die Kundgebung als "ein starkes Zeichen" für eine "Renaissance der Anti-Atombewegung". Er bekannte sich zugleich zu einem gewaltlosen Protest.

Grüne blockieren mit

Auffällig an den Demonstranten: die Präsenz von Bundes-Grünen und Mitgliedern der Basis. Bereits im Vorfeld hatte die Partei zu einer bundesweiten Demonstration in Gorleben aufgerufen. Bei der Demonstration am Lager von Gorleben war nahezu der gesamte Bundesvorstand der Partei vertreten.

Die Grünen-Fraktionsvorsitzenden Renate Künast und Fritz Kuhn etwa protestierten mit einem Transparent mit der Aufschrift: "Sicher ist nur das Risiko." Auch die Basis ist gekommen: Insgesamt sind nach Angaben der Partei 45 Busse mit Mitgliedern angereist.

Auffällig an dem Zug war vor allem die Präsenz von Bundes-Grünen und Mitgliedern der Basis. Bereits im Vorfeld hatte die Partei zu einer bundesweiten Demonstration in Gorleben aufgerufen.

Laut Grünen-Chefin Claudia Roth will die Partei damit auch ein Zeichen setzen gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel, die für die Zeit nach der Bundestagswahl 2009 den Ausstieg aus dem Atomausstieg angekündigt hatte. "Für viele Grüne ist das etwas, was uns bereits das ganze politische Leben lang begleitet hat", sagte die Grünen-Chefin der Süddeutschen Zeitung.

Roth kündigte außerdem an: "Ich werde auch an den Blockaden teilnehmen." Und das tat sie auch. Am Samstagnachmittag startete die Blockade aus Demonstranten, darunter Mitglieder der Grünen Jugend, von Attac und von verschiedenen Bürgerinitiativen. Auch die Landwirte beteiligten sich mit ihren Traktoren.

Die Atomkraftgegner verteilten gelbe Zettel mit der Aufschrift: "Deshalb gehen wir hier nicht weg." Claudia Roth sagte, sie wolle bis Montag bleiben. Zu diesem Zweck habe sie extra ihren Skianzug mitgebracht.

Anschläge auf Bahn-AG

Unterdessen wurde bekannt, dass militante Atomkraftgegner nach Einschätzung der Polizei in mindestens fünf Fällen am Samstag Brandanschläge auf Betriebseinrichtungen der Bahn AG verübt haben. Durch Brandstiftungen mit Hilfe von Brandbeschleunigern sind im Bereich Karlsruhe, Hamburg, Hamm, Berlin und Wiesbaden Kabel von Signal-, Funk- und Telefonanlagen zum Teil erheblich beschädigt worden, teilte die Polizeileitstelle für den laufenden Atomtransport ins Zwischenlager Gorleben mit.

Aufgrund der Vorgehensweise werde ein Bezug zu früheren Atomtransporten angenommen, im Falle Wiesbaden habe es zudem einen Schriftzug "Gegen Castor" auf einem Feldweg am Tatort gegeben. Wie die Polizei weiter mitteilte, gab es durch die Anschläge Beeinträchtigungen im Bahnverkehr, aber keine Auswirkungen auf den Atommülltransport.

Brennende Strohballen

Der am Freitagabend nahe der Wiederaufarbeitungsanlage La Hague gestartete Zug mit elf Atommüllbehältern des Typs "TN 85" hatte in der Nacht ohne größere Zwischenfälle Nordostfrankreich durchquert. In Dannenberg wird der Zug am Sonntag erwartet. Nach dem Umsetzen der Behälter auf Straßentieflader sollen diese voraussichtlich Montag früh ins Gorlebener Zwischenlager gebracht werden.

Bei Protesten gegen den Transport kam es bereits am Freitagabend zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten. Nach Angaben der Polizei blockierten in Metzingen im Kreis Lüchow-Dannenberg im Anschluss an einen "Laternenumzug" 300 AKW-Gegner eine Bundesstraße. Dabei wurden auf der Straße Strohballen in Brand gesetzt. An der Blockade beteiligten sich auch ein Dutzend Bauern mit Traktoren.

Die Polizei löschte nach eigenen Angaben mit Wasserwerfern brennende Strohballen. Beamte seien beim Räumen der Straße mit Eiern und Flaschen beworfen worden, erklärte sie. Eine Polizistin sei leicht verletzt worden. Ein Sprecher der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg sprach von den "üblichen Scharmützeln und Reibereien mit der Polizei".

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(sueddeutsche.de/AP/AFP/Reuters/Jens Schneider/hai/mmk)