Atommüll im Salzbergwerk Asse Im Eiltempo gegen den Einsturz

Bis 2009 besichtigten Schulen und Betriebe das Atomlager Asse. Das ist jetzt anders, niemand kommt mehr zu den Kammern, ohne dass die Strahlenbelastung kontrolliert wird.

(Foto: dpa)

126.000 Atomfässer lagern dort, wo niemals radioaktiver Abfall hätte gelagert werden dürfen: im Salzbergwerk Asse II. Die Suche nach einer Lösung für das Desaster ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Dennoch kann die Bergung womöglich erst 2036 beginnen.

Von Jens Schneider, Remlingen

Das Zeichen des guten Willens ist mitten im Wald zu besichtigen, über dem alten Salzbergwerk Asse II: Zu Beginn des Winters haben dort die Vorbereitungen für einen neuen Bohrplatz begonnen. Gut 500 Meter geht man von diesem Platz im Wald zur Hauptanlage der Asse mit ihrem gut hundert Jahre alten Schacht. Er ist bisher der einzige Zugang zu dem maroden Bergwerk, in dem etwa 126.000 Atomfässer lagern.

Die Bauleute richten jetzt den Zufahrtsweg zum Bohrplatz her, ein festes Fundament mit einer Stahlarmierung muss im Wald gegossen werden. Dieses Fundament soll stark genug sein, um das gewaltige Bohrgerät zu tragen. Niemand kann genau sagen, wann die erste Erkundungsbohrung beginnen kann.

Aber irgendwann in den nächsten Monaten könnte dort ein 17 Meter hoher Bohrturm das sichtbare Zeichen sein, dass es vorangeht. Dass es vielleicht doch eine Lösung geben könnte für den größten Atomskandal der Bundesrepublik. Dass es etwas werden könnte mit der Bergung des Atommülls aus bis zu 750 Metern Tiefe. Denn an dieser Stelle im Wald sollen die Fässer wieder ans Tageslicht kommen, um sicher neu verpackt zu werden und später auf eine verantwortbare Art anderswo wieder unter der Erde gelagert zu werden.

Das ist noch immer die Idee, freilich ein Plan mit lauter Konjunktiven, die dazu führen, dass niemand weiß, wie es am Ende ausgehen wird mit dem alten Salzstock bei Remlingen in der Nähe von Wolfenbüttel. Mehr als dreißig Jahre liegt es zurück, dass dort unten die letzten Atomfässer eingelagert wurden. Offiziell galt das alte Salzbergwerk in Niedersachsen als Forschungsbergwerk, tatsächlich nutzten Behörden und Industrie die Kammern von 1967 bis 1978 als Endlager für schwach- und mittelradioaktiven Müll aus Krankenhäusern und Labors, aber auch aus Atomkraftwerken, für den sie keinen Platz hatten.

Jahrelang war den Bürgern Harmlosigkeit vorgegaukelt worden

Heute gilt längst als unstrittig, dass die Asse niemals als Atommülllager hätte genutzt werden dürfen. Im Landtag zu Hannover hat ein Untersuchungsausschuss zur Asse im November 2012, nach drei Jahren und kurz vor der Wahl, eine beklemmende Bilanz gezogen. Die Opposition warf dem Betreiber, der früheren Gesellschaft für Strahlenforschung GSF, die im Helmholtz-Zentrum aufgegangen ist, Desinteresse vor.