Atomkraft Gorleben soll kleiner werden

Manche Gebäude sollen verschwinden, andere alternativ genutzt werden: Das Gelände um das Lager in Gorleben soll deutlich schrumpfen. Der Betriebsrat des Bergwerks wehrt sich gegen die Pläne.

Von Michael Bauchmüller, Berlin

Das Gelände rund um das umstrittene Endlagerprojekt in Gorleben soll massiv schrumpfen - und sogar jene Zäune und Mauern verlieren, die das Bergwerk bislang gegen Demonstranten abriegelten. Entsprechende Pläne stellte der Chef des zuständigen Bundesamts für Strahlenschutz, Wolfram König, am Freitag der Endlagerkommission von Bund und Ländern vor. Demnach soll ein großer Teil der Gebäude abgerissen werden. Andere sollen anderweitig genutzt werden. Für Verwaltung und Betrieb des Schachtes sollen nur einige wenige Gebäude übrig bleiben, darunter die Schachtanlagen.

Die Gegend rund um das Bergwerk war über Jahrzehnte Schauplatz heftiger Auseinandersetzungen um die Atomkraft. Es liegt in einem Wald nahe der Elbe, im niedersächsischen Wendland. Mit dem Start einer neuen Endlagersuche waren die Erkundungsarbeiten unter Tage 2013 eingestellt worden. Ein Jahr später einigten sich Bund und Länder darauf, nur noch einen kleinen Bereich des Bergwerks zu erhalten. Die tunnelgroßen Strecken, die unter Tage errichtet worden waren, sollen dagegen sich selbst überlassen bleiben. Salz neigt dazu, mit der Zeit zuzuwachsen. Es gehe nun darum, die Anlage auf einen üblichen industriellen Standard zu bringen und bürgernäher zu gestalten, sagte König. "Diese Mauern passen nicht mehr in unsere Zeit." Auch einen großen Teil der Salzrechte hat der Bund nicht mehr verlängert. Nach niedersächsischem Bergrecht sind solche Rechte nötig, um ein Bergwerk zu errichten. Sie gehören Eigentümern entsprechender Grundstücke an der Erdoberfläche.

In der Gorleben-Belegschaft allerdings sorgen die Pläne des Bundesamtes für Aufruhr. "Dieses Bergwerk wird kaputtgehen", sagte Betriebsratschef Peter Ward der SZ. "Wir wissen nicht, was aus uns wird." Zudem sei der Betriebsrat in die Planungen nicht einbezogen gewesen, ungeachtet aller Beteiligungsrechte.

Ob das Bergwerk jemals zu einem Endlager werden kann, wird sich erst im Zuge der Endlagersuche erweisen. Seit Jahren hegen Geologen Zweifel an der Tauglichkeit des Salzstocks. In den Ausbau flossen über die Jahre insgesamt 1,6 Milliarden Euro, finanziert vor allem von den Atomkonzernen.