"Atomknopf"-Tweet gegen Nordkorea Trump hat sein enorm tiefliegendes Niveau unterboten

Das Gehabe des US-Präsidenten im Konflikt mit Nordkorea erinnert an "Eis-am-Stiel"-Filme. Aber es ist nicht witzig.

Kommentar von Kurt Kister

Donald Trump ist ein Hohlkopf, politisch gesehen. Er benimmt sich im Weißen Haus so, als sei er immer noch der Star-Rüpel einer Fernsehshow. Seine Sympathisanten halten dies für großartig; sehr viele andere sehen dagegen in Trump eine ebenso beschämende wie gefährliche Inkarnation jenes Teils von Amerika, über den es in den USA selbst, aber auch im Rest der Welt, zu Recht scharfe Urteile und Vorurteile gibt.

Man weiß dies alles seit langem, und eigentlich müsste man sich nicht über jeden dummen Tweet des Bleichgeblondeten aufregen. Dennoch wäre es besser, wenn Trump nicht stets die Vorurteile über sich bestätigte. Die nämlich schlagen auch auf "die" Amerikaner zurück, was mindestens gegenüber der Mehrheit jener, die ihn nicht gewählt haben, ungerecht ist.

Mit seiner jüngsten Kurzmitteilung hat Trump sein enorm tiefliegendes Niveau noch unterboten. Sein "Atomknopf", ließ der Präsident den nordkoreanischen Diktator und die Welt wissen, sei "much bigger & more powerful", viel größer und wirkmächtiger als der von Kim.

Das erinnert in der Denkweise und in der Diktion an jene "Eis-am-Stiel"-Filme aus den späten siebziger und achtziger Jahren, in denen junge Männer jene Dinge miteinander verglichen, die junge Männer manchmal miteinander vergleichen. (Dass Trump phänotypisch eine gewisse Ähnlichkeit mit Zachi Noy, einem der Eis-am-Stiel-Darsteller hat, ist sicher der reine Zufall, wenn auch möglicherweise eine Beleidigung für Noy.)

Wer so etwas tut, ist ein Hohlkopf

Leider ist das alles nicht so witzig, wie es in vielen Tweets und Memes kommentiert wird. Tatsächlich gebietet Trump über ein Atomarsenal, mit dem sich die Welt vernichten lässt. Jedes Geschwätz darüber verbietet sich eigentlich. Und eine leicht dahingetwitterte nukleare Drohung gegenüber einem Diktator, der in seinem eigenen Land von keinem Parlament, keiner Opposition, keiner Gerichtsbarkeit kontrolliert wird, ist brandgefährlich, weil sie Kims Verfolgungs- und Einkreisungswahn nur befördern kann.

Es gibt etliche Möglichkeiten, mit einem Diktator umzugehen, der sich in die Enge getrieben fühlt. Gute Möglichkeiten sind nicht darunter. Aber keine dieser Möglichkeiten ist so schlecht wie die Drohung mit einem vernichtenden Atomkrieg, die man mal schnell übers Mobiltelefon abschickt. Wer so etwas tut, ist ein Hohlkopf, politisch gesehen. Und auch sonst.

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