Nach der Fukushima-Katastrophe verspricht die Kanzlerin, deutsche Atomkraftwerke überprüfen und gegebenenfalls abschalten zu lassen. Wenn das mehr als Wahltaktik sein soll, muss die Regierung schnell handeln.
Probleme in Atomkraftwerken waren meist weit weg oder lange her - oder beides gleichzeitig. Sie waren Ergebnis des eigentlich völlig Unmöglichen; und je nach Sichtweise waren sie entweder Gegenstand übertriebener Panikmache oder unverantwortlicher Verharmlosung. Fukushima verändert das alles. Fukushima ist der GAU im Wohnzimmer, mit Gebäudeteilen, die auf dem Fernsehschirm in Zeitlupe durch die Luft fliegen. Mit "Livetickern" im Internet, die jede Neuigkeit, jede weitere Zuspitzung in Echtzeit in die Welt tragen. Was der 11.September 2001 für die Verletzlichkeit der westlichen Welt bedeutet, wird der 11. März 2011 für die Idee der "Beherrschbarkeit" der Atomkraft sein. Dieser Vorstellung fehlt nun jede Basis.
Atomdiskussion: Kritik an Merkels Vorschlägen
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Der Fallout hat Deutschland schon erreicht. Er wertet alles um, was die schwarz-gelbe Koalition in der Energiepolitik auf die Beine gestellt hat. Ohne "Tabus" würden die deutschen Kernkraftwerke überprüft, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel nun in Aussicht gestellt, endlich müsse "ehrlich" über die Energieversorgung diskutiert werden. Für drei Monate wird sogar die Laufzeitverlängerung für die Atomkraftwerke ausgesetzt. Und damit ausgerechnet eines der wenigen Projekte, das diese Koalition bislang auf der Habenseite verbuchen konnte.
Deutlicher hat sich schon lange keine Regierung mehr von einem Projekt verabschiedet, für das sie erst wenige Monate zuvor gekämpft hatte. Die Lage nach diesem Moratorium, so hat die Kanzlerin angekündigt, werde nicht dieselbe sein wie davor. Das kann man nur hoffen.
Denn die Betriebsamkeit der Regierenden verschleiert den Grad jahrelanger Untätigkeit. Zum Beispiel, dass für das älteste Kernkraftwerk, Biblis A, seit 1991 schon eine umfängliche, höchstamtliche Liste nötiger Nachrüstungen vorliegt. Bis heute aber ist sie nicht abgearbeitet, und das ohne irgendwelche Konsequenzen für den Betreiber RWE. Oder dass der Bund die längeren Laufzeiten zwar mit einem Katalog nötiger Nachrüstungen verband, dabei aber ausgerechnet die ältesten Kernkraftwerke verschonte: Die Auflagen sind hinreichend gestreckt. Oder dass Notfälle in einigen deutschen Atomkraftwerken immer noch aus dem Innern der Anlage beherrscht werden müssen, gleichsam aus dem Herzen der Havarie. All das war hierzulande möglich, ungeachtet angeblich so hoher Sicherheitsstandards.
Wenn das Manöver der Bundesregierung mehr ist als nur Taktik, wenn es nicht allein dazu dienen soll, Zeit zu gewinnen vor schwierigen Landtagswahlen, dann dürfte dieses Land bald sieben Kernkraftwerke weniger haben. Es sind jene Kraftwerke, die schon ihrer Konstruktion wegen besonders störanfällig sind. Und die obendrein mit ihren dünnen Hüllen einem Terrorangriff aus der Luft nahezu schutzlos ausgesetzt wären. Die Katastrophe in Fukushima könnte damit für Deutschland exakt jene Konsequenzen haben, die Schwarz-Gelb noch im Herbst umgangen hatte. Damals fand sich der Schutz vor Terrorangriffen in Entwürfen für ein neues Atomgesetz, verschwand dann aber wieder. Dabei ist dieser Schutz das Mindeste, was eine Regierung für die Sicherheit von Atomanlagen tun kann. Er ist schon längst überfällig.
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bei all den Diskussion, man wolle die "Sicherheit" der Kernkraftwerke (erneut) überprüfen, wird doch eines ausser Acht gelassen.
Heute wird Sicherheit an ausschließlich Kriterien gemessen, die von (hoffentlich) Fachleuten aufgestellt wurden. Werden diese erfüllt, ist der Reaktor sicher, andernfalls halt nicht.
Völlig unbeachtet und unbewertet bleibt der Faktor Mensch. Wie man den Berichten zu Tschernobyl entnehmen kann, war diese Katastrophe bedingt durch menschliches Versagen.
Auch in Japan war dies, wenn man die Berichterstattung verfolgt, - zumindest teilweise - gegeben.
Insofern bleibt nur die Konsequenz, aussteigen aus der Kenkraft - so schnell wie möglich und weltweit.
Lieber Herr Rausch,
ich finde manches an Ihrem Beitrag durchaus nachdenkenswert. Auch mir ist mancher Kommentar zur Zeit arg revanchistisch und nicht dazu angetan, eine wirklich objektive Diskussion über die zukünftige Energieversorgung unseres Landes zu führen.
Möchte auf einen Punkt eingehen und Sie dazu etwas fragen: Wenn Sie schreiben
"Das von unserer Regierung beschlossene Moratorium zur Überprüfung aller in der BRD aktiven Kernkraftwerke ist durchaus sinnvoll und sollte eines dieser Kraftwerke als "unsicher" eingestuft werden, wird DIESE Rehierung auch handeln, machen Sie sich da 'mal keine Sorgen."
dann klingt das in der Tat erstmal ganz vernünftig. Aber auch Ihnen müssen doch angesichts der noch bis vor einer Woche von der gesamten Bundesregierung (nebst Länderchefs) beteuerten Aussagen, unsere Atomkraftwerke seien zweifelsfrei sicher, ein paar Zweifel kommen (hoffe ich jedenfalls). Denn entweder waren die AKWs nie sicher, dann müsste man hier fragen, warum derartige Aussagen gegenüber der Öffentlichkeit getätigt werden. Oder aber sie waren "sicher", warum sollten sie dann erneut überprüft werden? Falls Sie nun einwenden, es gäbe nach der Katastophe in Japan neue Erkenntnisse und diese müssten jetzt bei der Prüfung berücksichtigt werden, dann frage ich mich (Sie), wie man denn ernsthaft in den geplanten drei Monaten Moratorium plötzlich ein neues Risikoszenario entwerfen und komplett durchprüfen möchte, um eine dann verlässliche Einklassifizierung in "sicher" oder "unsicher" zu machen. Denn wir sind leider auch nicht klüger als die Japaner, denen bisher auch aus Deutschland höchste Sicherheitsstandards bescheinigt wurden.
Kurzum, ich persönlich bin mittlerweile davon überzeugt, dass "DIESE Regierung" sich komplett verannt hat und nun einen Ausweg sucht und suchen muss. Es wäre nur schön, dies würde dann auch so klar kommuniziert.
Eines noch: Sehr schade, dass Sie in Ihrem Beitrag zwar Stammtischparolen anprangern, selber aber eine nach der anderen derselben abfeuern, Ihre einleitenden Sätze sind, verzeihen Sie, sogar eindeutig dämlich. So wirkt man nur beleidigt und wird nicht gehört. Falls Sie überhaupt gehört werden möchten...
...das sich morgens hauptsächlich die Linken und Ökos im Netz herum treiben. Aber o.K., daß ist natürlich auch eher dann möglich, wenn man keiner geregelten Arbeit nachgeht... .
Natürlich, meine werten Damen und Herren, ist daß Umdenken der Regierung ein rein taktisches Wahlkalkül. Das hat natürlich rein gar nichts mit der aktuellen Katastrophe in Japan zu tun. Natürlich... .
Ach nein, Moment, jetzt erkenne ich den Zusammenhang: Die schwarz-gelbe Regierungskoalition hat natürlich in Wirklichkeit die Katastrophe in Japan verursacht, nur damit sie bei den anstehenden Landtagswahlen ein neues Wahlkampfthema hat. Genau, so wird 's gewesen sein!
Jetzt 'mal ernsthaft:
Ist Ihnen allen schon 'mal in den Sinn gekommen, daß manche Menschen es auch schaffen, Ihre Meinungen zu ändern, wenn Sie eines besseren belehrt wurden. Wie z.B. bei einem derart schweren Störfall, wie er jetzt in Japan vorgekomnmen ist?
Aber ich vergaß, Anhänger von SPD und Grünen müssen Ihre Meinungen natürlich nie überdenken, weil Sie mit Ihren Ansicht natürlich IMMER richtig liegen.
Das von unserer Regierung beschlossene Moratorium zur Überprüfung aller in der BRD aktiven Kernkraftwerke ist durchaus sinnvoll und sollte eines dieser Kraftwerke als "unsicher" eingestuft werden, wird DIESE Rehierung auch handeln, machen Sie sich da 'mal keine Sorgen.
Uns allen wäre es natürlich lieber, wenn wir alle Atommeiler auf einmal vom Netz nehmen könnten.
Das geht aber leider doch nicht von heute auf morgen, da wir mit den "alternativen Energiegewinnungsmethoden" eben leider NOCH nicht den kompletten Energiebedarf dieses Landes decken können.
23% müssen eben immer noch durch "Atomstrom" abgedeckt werden.
Was die Demonstrationen angeht: O.K., 100.000 Bürger unseres Landes haben demonstriert.
Was ist mit den restlichen 82,9 Millionen?
Alle keine Zeit gehabt?
Nein, vermutlich ist es eher so, daß diese - genau wie ich auch - wissen, daß man nicht von heute auf morgen KOMPLETT auf Atomenerhie verzichten kann, sondern daß das noch ein paar Jahre dauert.
Manche von uns denken eben einfach nach, bevor sie irgendwelche Stammtischparolen auf der Straße heraus blöken oder im Internet posten... .
Ach, und nochwas: Wer von Ihnen, die sich hier beschweren tut denn selber AKTIV etwas dafür?
Wer von Ihnen hat denn selbst eine Solaranlage auf dem Dach? Oder eine Wärmepumpe? Oder tankt den neuen E10-Sprit? Handelt selbst, anstatt nur zu fordern?
Da
Mit "Wenn das mehr als Wahltaktik sein soll, muss die Regierung schnell handeln" hat die Süddeutsche Kanzlerin und Entourage ja einen dicken Tipps gegeben. Jetzt wollen sie abschalten, was sie noch vor wenigen Tagen als "sicher und in keinster Weise mit japanischen Atomkraftwerken" verkauft haben. Und plötzlich wollen sie die alten Meiler abschalten, ein Moratorium einberufen und sich anschließend neu orientieren. Aber natürlich: es stehen ja Landtagswahlen vor der Tür und die CDU/FDP-Regierung im atomfreudigen Baden-Württemberg auf der Kippe, zumal auch Mappus bis vor wenigen Tagen noch klar und deutlich pro Atomstrom geredet hat!
Und nach den Wahlen 2011? Glaubt irgendjemand wirklich, dass die Atomlobby zulässt, dass ihre Geldquellen versiegen? Dass sie zulässt, dass sich Deutschland tatsächlich vom Atomstrom befreit? Wohl kaum. Sie werden argumentieren, dass man jetzt den Atomstrom aus Tschechien, Frankreich etc. stärker wird importieren müssen, um unser aller Wohlstand aufrecht erhalten zu können.
Nun denn, ich bin nicht schon längst zu Ökostrom gewechselt, ich versuche soweit wie möglich auch, so wenig Energie wie möglich zu verbrauchen. Tipps, wie man das machen kann, gibt es genug. Und ich empfehle allen Franzosen, Engländern, Tschechen - und vor allem den Amis - , sich ebenfalls umzuorientieren. Es geht nicht nur, es vermittelt einem auch ein gutes Gefühl.
Moratoium
bis nach der Wahl -
einfach genial!
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