Der Europäische Druckwasserreaktor in Flamanville am Ärmelkanal gilt als Vorzeigeprojekt: Doch in der Mauer des künftigen Abklingbeckens klafft ein Loch - und der Beton ist laut einem Zeitungsbericht durchlässig wie "Käse". Frankreichs Atomaufsicht sagt, die Mängel könnten die Sicherheit des Kraftwerks erheblich beeinträchtigen - solche Konstruktionsfehler kämen aber häufiger vor.
Diesmal sind es keine Umweltschützer, die die Sicherheit von Frankreichs neuem Vorzeige-Reaktor anzweifeln, sondern staatliche Inspektoren der französischen Atomaufsichtsbehörde (ASN). Sie haben gleich eine ganze Reihe von Mängeln beim Bau des Europäischen Druckwasserreaktors (EPR) am Ärmelkanal festgestellt, wie die Wochenzeitung Le Canard Enchaîné am Mittwoch enthüllte. Es handelt sich dabei im Wesentlichen um "Fabrikationsfehler" des französischen Bauunternehmens Bouygues, das den Beton für das 1600 Megawatt starke Kernkraftwerk liefert.
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Baustelle Flamanville: Die Inbetriebnahme des Druckwasserreaktors wird sich weiter verzögern, zudem verdoppeln sich die Baukosten auf sechs Milliarden Euro. (© AFP)
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Loch in der Mauer des künftigen Abklingbeckens
Das Blatt, das in der Regel nur Karikaturen abbildet, zeigte diesmal zur Veranschaulichung ein Foto. Darauf zu sehen ist ein großes Loch in der Mauer des künftigen Abklingbeckens, in dem abgebrannte, radioaktiv strahlende Brennstäbe zwischengelagert werden sollen. Zudem sei der Beton in den Pfeilern des Reaktors durchlässig wie ein "Gruyère-Käse". Die Behörde habe dem Atomstromkonzern EDF, der das Atomkraftwerk 2016 in Betrieb nehmen will, angesichts der Mängel in den vergangenen Monaten vier "geharnischte" Briefe geschrieben.
Der Chef der ASN-Vertretung im nordfranzösischen Caen, Simon Huffeteau, bestätigte die Informationen in weiten Teilen. Die Konstruktionsfehler könnten die Sicherheit des Kraftwerks erheblich beeinträchtigen. Bis Mitte September erwarte die Behörde von EDF eine Antwort darauf, wie der Konzern die Mängel zu reparieren gedenke. Huffeteau widersprach den Anspielungen in dem Zeitungsbericht allerdings, wonach EDF die Probleme ignoriere. Bislang habe der Konzern jedes Mal umgehend geantwortet. Huffeteau räumte zudem ein, dass solche Konstruktionsmängel häufiger auftreten würden und das Anforderungsniveau der Behörde hoch sei.
Baukosten verdoppeln sich auf sechs Milliarden Euro
Der Energiekonzern, der fast alle französischen Haushalte mit Atomstrom versorgt, reagierte zunächst nicht auf die Kritik. Er hatte allerdings vor kurzem bekannt geben, dass sich die Inbetriebnahme des EPR weiter verzögern werde. Zudem verdoppelten sich die Baukosten auf etwa sechs Milliarden Euro. Dem EPR in Flamanville ergeht es demnach nicht besser als seinem Pendant in Finnland, das ursprünglich zum Exportschlager werden sollte. Weil den Superreaktor niemand kaufte, baute Frankreich einen weiteren Prototypen, der jedoch, wie sich nun herausstellt, ähnliche Probleme aufweist wie der in Finnland.
Martin Bouygues, der Chef des familiengeführten Baukonzerns, wies die Schuld an den Pannen von sich. Er sprach von "beschämenden und skandalösen Manipulationen". "Ja, es ist wahr, es gibt Fabrikationsfehler, weil dies ein Prototyp ist und es technische Probleme gibt, aber diese werden behoben", sagte Bouygues.
Sozialisten rücken kurz vor der Wahl vorsichtig von der Atomkraft ab
Das Industrieministerium teilte mit, die fraglichen Betonarbeiten seien vom Staatskonzern EDF noch nicht abgenommen worden. Den Anmerkungen der Atomaufsicht werde aber "bei den Bauarbeiten natürlich Rechnung getragen". Frankreich, die nach den USA zweitgrößte zivile Atommacht der Welt, hatte den EPR auch nach der Katastrophe im japanischen Fukushima als sichersten Reaktor der Welt bezeichnet. Umfragen zufolge wünscht sich eine Mehrheit der Franzosen zwar eine Abkehr von der Atomkraft, die Regierung entschied jedoch, daran festzuhalten. Wenige Monate vor der Präsidentschaftswahl beginnen die oppositionellen Sozialisten vorsichtig von der Atomkraft abzurücken.
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(SZ vom 01.09.2011/moe/lala)
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Zum Wind. Sie zitieren: "Daraus ergibt sich eine installierte Leistung von 189 GW bei 62.839 WEA. Der Ertrag kann mit 390 TWh/Jahr abgeschätzt werden. Dies entspricht ca. 65% des deutschen Bruttostromverbrauchs von 603 TWh im Jahr 2010 [BMWI 2011]."
So kann man mit Strom nur argumentieren wenn man annimmt, dass die Rezipienten keine Ahnung von den Bedürfnissen einer Stromversorgung haben: Sekundengleich zur Last muss der Strom bereitgestellt werden, nicht im Jahresdurchschnitt!
189 GW zu installieren: Was das kostet!
189 GW, was machen wir, wenn die die volle Leistung bringen und wir zum Beispiel einen Lastgang von 40 GW haben. Und die Sonne scheint auch noch?
Schalten wir dann alle anderen Kraftwerke ab? Kohle, Solar, Wasserkraft, Geothermie ?! Ach so, da liefern wir eben mal schnell 150GW in ein norwegisches Fjordpumpspeicherwerk..:), zeitgleich mit den Dänen etc.
Und wenn Flaute herrscht, und die Sonne nicht scheint, was im Winter gerne mal vorkommt. Dann bringen die 189 GW installierter Leistung vielleicht 2% an gesicherter Leistung, wir können es ruhig auch 'gegen Null' nennen.
(Die Windlobby schreibt von 4% zu 99% der Zeit, als ob wir die gesicherte Leistung nur zu 99% der Zeit bräuchten!)
Also für einen winterlichen Lastgang von 80GW, und einer dazu notwendigen gesicherten Leistung von ca 90 GW brauchen wir zusätzlich einen extra Kraftwerkspark der dann einspringt. Volkswirtschaftlicher Irrsinn.
Machen kann man vieles, aber wer meint Deutschland sei eine grüne Insel und könne einen solchen ökonomischen und ökologischen Irrsinn durchziehen, den wird die Wirklichkeit früher oder später einholen.
Mit der Geothermie brauchen Sie sich nach derzeitigem Erkenntnisstand keine Hoffnungen machen. Zu riskant, zu aufwendig, da wird trotz Förderung nichts draus.
Wird ja hoch gefördert, mit ca 20cent die Kilowattstunde, und leistet kaum was. 2009 waren es gerade mal 19 (!) GWh (Vergleich Wind ca 39900 GWh, Solar 6500 GWh)
Ihr "das Potential in D ist eher positiv zu bewerten" ist, mit Verlaub, Wunschdenken. Die technische Problematik der Geothermie ist übrigens bei genauerem Hinsehn noch viel größer als es oberflächlich den Anschein hat.
Klar geht das und der Lastgradient ist gar nicht so schlecht, keine Frage. Mir ging es mehr um die erhöhte Materialbeanspruchung, die dabei zwangsläufig auftritt. (Beispeil: Eine Schweissnaht an einem Rohr hält tendenziell nicht so lange, wenn in dem Rohr ständig Druckwechsel stattfinden...)
"Wind hat dieselben Probleme; Geothermie gibt es in D. nicht in nennenswertem Ausmaß und es schaut auch nicht zukunftsträchtig aus damit. Biogas - juhu, wir 'verbrennen' jetzt Mais - "
Zum Wind (Zitat):
"Es lässt sich somit festhalten, dass die vom Auftraggeber angenommen Flächenszenarien von 2 % der Flächen von Deutschland realistisch sind.
Daraus ergibt sich eine installierte Leistung von 189 GW bei 62.839 WEA. Der Ertrag kann mit 390 TWh/Jahr abgeschätzt werden. Dies entspricht ca. 65% des deutschen Bruttostromverbrauchs von 603 TWh im Jahr 2010 [BMWI 2011]."
http://www.eeg-aktuell.de/wp-content/uploads/2011/04/IWES_Potenzial_onshore_2011.pdf
Zur Geothermie: Hmm es gibt in Rheinland-Pfalz ein GTKW und in Unterhaching auch, das Potential in D ist eher positiv zu bewerten. Das Teuerste sind die Injektionsbohrungen (und das Risiko dabei), aber wenn es passt hat man Grundlaststrom mit KWK, nicht die schlechteste Option ;-)
Biogas: Wird zweifelsohne eine Nische bleiben, denn es sollten tatsächlich nur Abfälle etc. verarbeitet werden. Maisanbau zur Gasherstellung ist Kokolores, da ist die Methanisierung um den Faktor 20 bis 80 effektiver.
"Wir schaun schon auf die gleiche Seite 3?"
Nein, ich schaue in Studie vom Oekoinstitut, Sie schauen in vom bdew. Aber wie gesagt, beide benutzen die Daten von ENTS-O ;-))
"Kudos zu ihrer Antwort zu den Rücklagen für Endlagerkosten! Ich wünsche mir auch so über den Rand meiner Brille schauen zu können. "
Danke für die Lorbeeren, aber als Ingenieur bin ich Pragmatiker, der weder die Physik noch die Mathematik "verbiegen" kann ;-) Ich bin zwar überzeugt, dass wir die Energiewende hinkriegen, aber damit das auch funktioniert, muß(!) jeder Einwand ernstgenommen werden.
Übrigens: Die prognostizierten Stromengpässe im Winter soll es nur die nächsten 2 Jahre geben, dann ist auch wieder Schluss mit den alten Kohlemeilern ;-))
@Ballldieb
Balldieb: " Die ständigen Lastwechsel sind übrigens nicht wirklich förderlich für die Lebensdauer.. "
Keineswegs, ein schalttechnisch dafür ausgelegtes KKW macht das ohne Probleme bei einer Regelung im oberen 50 Prozentbereich der Nennleistung - und schnell dazu: 10 Minuten von Volllast auf halbe Last und umgekehrt. (Seite 67 http://www.dpg-physik.de/veroeffentlichung/broschueren/studien/energie_2010.pdf)
Das schaut z.B. bei Gasturbinen, die ja zur Ausregelung der 'Stochastiker' Wind und PV immer mehr zum Einsatz kommen müssen (Fischer und Schröder und Putin und Mr. Fracking kümmern sich in weiser Voraussicht schon um die Brennstoff-Lieferung) ganz anders aus. Da gibt es enormen Belastungsverschleiß = Kosten.
Balldieb: "Das PV hier eher suboptimal ist, hatte ich Ihnen ja im Prinzip schon zugestanden. Aber es gibt ja auch noch Wind, Geothermie und Biogas ;-))"
Wind hat dieselben Probleme; Geothermie gibt es in D. nicht in nennenswertem Ausmaß und es schaut auch nicht zukunftsträchtig aus damit. Biogas - juhu, wir 'verbrennen' jetzt Mais - wird nach der derzeitigen Förderstruktur auch einfach permanent verstromt; die Lagerung würde ja nochmal extra Kosten machen, aber grundsätzlich wäre das regelbar.
Wenn sich mit steigendem Ausbau erst mal Wind und PV mit Überangebot in die Haare kommen, dann gibt's ein zünftiges Hauen und Stechen. :)
Balldieb: "Wobei wir nicht mehr importiert sondern weniger exportiert haben..." Wir schaun schon auf die gleiche Seite 3? Ich sehe darin: Deutschland ist von einem Exporteur von elektrischem Strom von bis zu 150 GW-Stunden pro Tag zu einem Importeur bis zur selben Größe geworden seit Mitte März dieses Jahres.
Dazu kommt noch die gesteigerte Kohlenstromproduktion und die Pläne für das Weiterlaufenlassen alter Kohlekraftwerke und Neubau. War da mal was mit C02 Einsparung? Was ist mit Quecksilber und Strahlung aus den Kohlekraftwerken?
Kudos zu ihrer Antwort zu den Rücklagen für Endlagerkosten! Ich wünsche mir auch so über den Rand meiner Brille schauen zu können.
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