Atomausstieg Stromnetz-Betreiber warnen vor Blackout

"Eine sichere Versorgung ist ernsthaft gefährdet": Die Stillegung älterer Kraftwerke versetzt die Betreiber der deutschen Stromnetze in Alarmbereitschaft - vor allem während der Wintermonate befürchten sie schwerwiegende Versorgungsengpässe.

Von Michael Bauchmüller und Mike Szymanski

Die Betreiber der deutschen Stromnetze haben vor großflächigen Blackouts infolge einer Abschaltung älterer Atomkraftwerke gewarnt. Vor allem im Winterhalbjahr seien die Mittel zur Erhaltung der Systemstabilität "weitgehend erschöpft", teilten die vier Betreiberfirmen 50Hertz, Tennet, EnBW Transportnetze und Amprion am Sonntag mit. Sie betreiben die deutschen Höchstspannungsleitungen. Neben der EnBW-Tochter gehört auch Amprion zu einem AKW-Betreiber, dem RWE-Konzern.

Zwar würden derzeit "alle Hebel zur Stabilisierung" eingesetzt. Dennoch seien "großflächige Versorgungsausfälle" wahrscheinlicher denn je, heißt es in der Mitteilung. Vor allem an sehr kalten Wintertagen mit wenig Windstrom könne es eng werden, und das insbesondere in Süddeutschland. "Eine sichere Versorgung der Kunden ist in diesen Fällen ernsthaft gefährdet." Dagegen sei die Lage derzeit beherrschbar, auch wegen der starken Einspeisung von Sonnenstrom. Seit am Samstag auch der niedersächsische RWE-Meiler Emsland für Wartungsarbeiten heruntergefahren wurde, sind nur noch vier der 17 AKWs in Betrieb.

Der Alarmruf der Netzbetreiber dürfte die Atomdebatte in Deutschland abermals anheizen. Erst am Wochenende hatte sich die CSU nach zähem Ringen bei ihrer Vorstandsklausur im oberbayerischen Kloster Andechs auf einen Ausstiegsfahrplan verständigt. Als erste Regierungspartei legte sich die Partei auf einen Atomausstieg bis 2022 fest. Spätestens zu diesem Zeitpunkt soll mit Isar2 bei Landshut das letzte bayerische Atomkraftwerk vom Netz gehen. CSU-Chef Seehofer sagte, Bayern wolle demonstrieren, dass sich auch ein stark von der Atomkraft abhängiges Bundesland die Energiewende zutraue.

Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßte das Votum der CSU bei einem Besuch in Andechs "ganz außerordentlich". Das sei der "richtige Zeitraum", sagte die CDU-Vorsitzende, ohne sich selbst auf einen Rahmen festzulegen. Die Koalitionsspitzen wollen am nächsten Wochenende über die Energiewende reden. Dann soll auch die Ethikkommission ihre Beratungen beendet haben.

Ungeachtet des schnelleren Atomausstiegs will Bayern auch an der Erkundung des Salzstocks Gorleben festhalten. "Ein Endlager wird es in Bayern nicht geben", sagte Generalsekretär Alexander Dobrindt der Süddeutschen Zeitung. Dies habe geologische Gründe. Er reagierte damit auf einen Vorstoß von SPD-Chef Sigmar Gabriel. Die SPD macht eine erneute Suche nach einem Atommüll-Endlager zur Bedingung für einen Konsens über die künftige Energiepolitik. Sie forderte auch Bayern auf, den Widerstand dagegen aufzugeben. "Einen echten Atomkonsens kann es nur geben, wenn es eine Lösung für das Endlager-Problem gibt", hatte SPD-Chef Sigmar Gabriel der Bild am Sonntag gesagt. Dazu müsse in ganz Deutschland nach einem Standort gesucht werden, "auch in Bayern". Solange CSU-Chef Horst Seehofer dies nicht zulasse, "kann man seine Energiewende nicht ernst nehmen".

Zuvor hatte sich die CSU darauf verständigt, zunächst den niedersächsischen Standort Gorleben weiter erkunden zu wollen. "Bis dahin gibt es in der Endlagerfrage keinen weiteren Entscheidungsbedarf", heißt es in dem Energiekonzept der Partei.