Asylsuchende in Österreich "Freiheit für Laila"

Protest für Laila: Ihre Freunde und Unterstützer hoffen auf ein Wunder.

Einer jungen Afghanin droht in Österreich die Abschiebung. Ihre Unterstützer erleben ein kleines Wunder am Flughafen - dank des Kapitäns der Maschine.

Von Karin Janker

Um 7.15 Uhr sollte ihr Flug starten. Die Maschine, die Laila aus Österreich nach Bulgarien bringen sollte, stand am Flughafen Wien-Schwechat bereit. Die junge Frau war kurz davor, an Bord zu gehen. Weg aus Österreich, wo ihre Freunde, Verwandten und ihr Verlobter leben, in ein Land, in dem sie niemanden kennt. Laila stammt aus Afghanistan, die 36-Jährige lebt seit einem Jahr in Österreich. Hier hat sie Asyl beantragt, hier habe sie ein neues Zuhause gefunden, sagt sie selbst.

Am vergangenen Freitag jedoch verkündete Österreichs Innenministerin Johanna Mikl-Leitner, dass neue Asylverfahren bis auf Weiteres ausgesetzt werden, um Rückschiebungen in andere EU-Staaten laut Dublin-Verordnung zu forcieren. Deshalb soll Laila nun zurück nach Bulgarien. In ein Land, in dem sie nach eigenen Aussagen Schreckliches erlebt hat. Doch der Flieger, der sie dorthin bringen sollte, flog ohne sie ab.

Pro Asyl dokumentiert Misshandlungen von Flüchtlingen in Bulgarien

Laila floh bereits als Kind aus Afghanistan nach Iran, von dort kam sie später nach Europa. Ihr Weg führte sie über die Türkei zuerst in eines jener Länder, die am Rand der EU liegen. Durch das Dubliner Übereinkommen können Flüchtlinge dorthin abgeschoben werden, wo sie zum ersten Mal EU-Boden betreten haben. Dort müssen sie Asyl beantragen. Laila gab ihre Fingerabdrücke in Bulgarien ab. Eine Zeitlang versuchte sie, sich dort einzuleben. Doch in Bulgarien erlebte sie Dinge, von denen sie heute auch ihren Freunden nur selten erzählt. Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl dokumentiert in einem aktuellen Bericht schwere Misshandlungen von Flüchtlingen in Bulgarien.

Welche Unterstützung brauchen Flüchtlinge?

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Also begab sich Laila wieder auf die Flucht, bis sie nach Österreich kam. Sie fand Freunde in Wien und besuchte einen Deutschkurs. Sie hoffte, bleiben zu dürfen. Vor zwei Monaten kam die gute Nachricht: Ihr Asylverfahren sollte neu aufgerollt werden. Im Zuge des neuen Verfahrens musste Laila alle drei Tage bei der Polizei vorstellig werden. Auch das tat sie. Dann der Rückschlag: Am vergangenen Samstag lag ein Haftbefehl gegen sie vor. Sie wurde direkt auf der Polizeiwache verhaftet, kam in den Hochsicherheitstrakt der Schubhaft in der Rossauer Lände in Wien. Die Begründung der Behörden für diese Form der Unterbringung: Die junge Frau sei suizidgefährdet.

Eine absurde Begründung nennt das Lailas Freund und Unterstützer Valere Schramm. Schramm ist Sozialpädagoge in Wien und kennt Laila von den Deutschkursen, die sie bei ihm besucht hat. "Laila einerseits als suizidgefährdet zu bezeichnen und sie andererseits trotzdem abschieben zu wollen in ein Land, in dem sie traumatische Dinge erlebt hat - das ist doch unfassbar", sagt Schramm. Er hat die vergangene Nacht zusammen mit etwa 50 anderen Demonstranten vor dem Schubhaftgefängnis in der Wiener Innenstadt verbracht. Mit Kerzen und Transparenten forderten sie "Freiheit für Laila" und kritisierten die Asylpolitik der österreichischen Regierung.

Laila soll zum Symbol werden

Sie glauben daran, dass ihr Protest Erfolg haben könnte. Erste Anzeichen gibt es: Zumindest habe Lailas Verlobter sie gestern erstmals seit ihrer Verhaftung besuchen dürfen, berichtet Schramm. Ihr Verlobter stammt ebenfalls aus Afghanistan, hat aber bereits einen positiven Asylbescheid und darf deshalb in Österreich bleiben. Laila in Bulgarien besuchen, falls sie tatsächlich abgeschoben würde, darf er allerdings nicht.

Lailas Unterstützer setzen nun auf ein Gutachten, das ihr bescheinigt, dass sie aufgrund ihrer traumatischen Erfahrungen nicht abschiebefähig ist. Ein solches Gutachten müsste allerdings binnen kurzer Zeit erstellt werden. Denn der Termin für die Abschiebung war ursprünglich auf den heutigen Mittwoch angesetzt.

Dass Laila heute morgen um 7.15 Uhr das Flugzeug nicht besteigen musste, verdankt sie auch der Besatzung der Austrian-Airlines-Maschine. Der Kapitän habe sich "aufgrund des verbalen Protestes" der jungen Frau geweigert, sie zu befördern, heißt es dazu aus dem österreichischen Innenministerium. Und dass die endgültige Entscheidung der Behörde noch nicht getroffen sei. Die Austrian Airlines teilt mit, dass sie Abschiebungen gegen den Widerstand der Betroffenen grundsätzlich ablehne. Lailas Unterstützer feiern die Flugzeugbesatzung dafür auf Twitter.

Doch selbst wenn der Protest für Laila Erfolg haben sollte (die Facebook-Seite ihrer Unterstützer finden Sie hier). Sie ist ein Fall unter vielen, das weiß auch Valere Schramm. "Ich habe jetzt 72 Stunden nicht geschlafen und bin emotional sehr berührt von Lailas Geschichte. Aber zugleich bin ich beschämt: Ich agiere nur, weil ich diese Person kenne, der eine Abschiebung droht", sagt er. Er will nicht, dass es dabei bleibt. Laila solle zum Symbol werden für all die anderen. Insgesamt werden derzeit nach Auskunft des Innenministeriums in Wien 1200 Dublin-Verfahren prioritär behandelt.

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