Aber das deutsche Asylrecht nimmt das nicht zur Kenntnis. Es schaut nicht in die Berichte des UN-Flüchtlingskommissars, nicht in die von Amnesty International, Pro Asyl oder Human Rights Watch. Es schaut nur in seine Listen, und dort steht: Griechenland gehört zu den sicheren Staaten.
Anzeige
"Normative Vergewisserung"
Die Juristen nennen diese Art von Recherche "normative Vergewisserung". Das bedeutet: die Realität ist egal, der Buchstabe des Gesetzes ist alles. Deshalb werden Flüchtlinge, die via Griechenland nach Deutschland gekommen sind, stante pede wieder nach dorthin verbracht - ohne dass es eine Möglichkeit gibt, die generelle Qualifizierung des Drittstaats als sicher zu widerlegen.
So will es das deutsche Asylgesetz. Es gibt keinen vorläufigen Rechtsschutz. Wenn das Recht ein Land als sicher definiert, dann - so die Logik des Gesetzgebers - braucht es dagegen keinen Rechtsschutz.
Immer mehr Verwaltungsgerichte machen nun dieses Spiel nicht mehr mit: das Verwaltungsgericht Gießen, das Verwaltungsgericht Schleswig-Holstein, auch das dortige Oberverwaltungsgericht, die Verwaltungsgerichte in Weimar, Karlsruhe, Ansbach, Oldenburg, Hamburg, Düsseldorf, Stuttgart, Münster, der Bayerische Verwaltungsgerichtshof, der in Baden-Württemberg und das Oberverwaltungsgericht für Nordrhein-Westfalen auch.
Die Juristin Ruth Weinzierl hat das soeben in einem Gutachten für das Deutsche Institut für Menschenrechte zusammengestellt. Die Rechtsprechung will nicht länger einem Gesetzgeber folgen, der sich verhält wie die drei Affen: Augen zuhalten, Ohren zuhalten, Mund zuhalten.
Die Rechtsprechung hat sich über den ausdrücklichen Wortlaut des deutschen Asylgesetzes hinweggesetzt, vorläufigen Rechtsschutz gewährt und die sofortige Abschiebung von Flüchtlingen nach Griechenland und andere angeblich sichere Drittstaaten gestoppt.
Das deutsche Asylrecht ist gescheitert
Die Rechtsprechung zwingt den Gesetzgeber auf diese Weise, die Realität zur Kenntnis zu nehmen. Diese Realität zeigt: Das deutsche Asylrecht hat sich entlarvt, es ist gescheitert. Das Kernelement des deutschen Asylrechts, die Drittstaatenregelung, verstößt gegen den Kernsatz des Grundgesetzes, der die Menschenwürde garantiert - und es verstößt gegen die Europäische Menschenrechtskonvention.
Es ist nicht Recht, sondern Hybris, wenn das deutsche Asylgesetz menschenunwürdige Zustände per Paragraph für menschenwürdig erklärt.
Daraus folgt: nicht nur der Lissaboner Vertrag, sondern auch die Flüchtlinge brauchen ein neues Begleitgesetz - ein Gesetz, das sie mit Schutz und Hilfe begleitet.
Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2
- Asylpolitik Frankfurt - Athen und zurück 26.11.2008
- Studie des UN-Flüchtlingswerks 42 Millionen Menschen heimatlos 16.06.2009
- Asyl in den USA Flucht vor der Schulpflicht 06.04.2009
- Flüchtlinge: Stress im Container "Psychisch kaputt vom Leben im Asyl" 08.05.2008
- Italien: Silvio Berlusconi "Flüchtlingslager ähneln KZ" 20.05.2009
(sueddeutsche.de/dmo/lala)
Kanzlerin Merkel und die Macht
bin ich voll einverstanden! Die haben es überall auf der Welt schwer...nicht nur in DE.Wollen Sie meinen Beitrag in Dollar oder in Euro?
dass es sich bei den anerkannten Asylbewerbern um eine kleine dreistellige! Zahl pro Jahr handelt. Dreistellig ist übrigens allles kleiner 1000....
wir haben ein Parteienproblem, ein Finanzproblem, ein Bankenproblem, ein Managerproblem, ein Wirtschaftsproblem und ein Riberyproblem (in München).
Aber in der gefühlten Problemskala sind Asylanten immer ganz oben, 350 läppische Milliarden Euro neue Staatsverschuldung ganz weit unten.
@Expat - Sammelbüchsen für notleidende Mittelständler wären viel wichtiger.
Und Sie halten es für unmöglich, daß mit dem Asylrecht Schindluder getrieben wird? Siehe Beitrag von johnsonville über "Asylsuchende" aus CZ in Kanada.
Das wäre doch ein vernünftiger Vorschlag für alle die, die ihre Überzeugungen aktiv leben wollen. Ich bin sicher, es käme soviel zusammen, daß man über die Finanzierbarkeit der Folgekosten einer generellen Einreise-und Niederlassungserlaubnis für jeden, der sich in Richtung Deutschland aufmacht, keine Sorgen mehr zu machen braucht.
Lieber Herr Prantl, wo stellen Sie Ihr Kässchen in den Räumen der SZ auf?
Paging