Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge Worüber beim Asylpaket II gestritten wird

Wer ohne Eltern auf der Flucht ist, braucht besonderen Schutz: Zwei Jugendliche nahe einem Heim für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bei München.

(Foto: Angelika Bardehle)
  • Zehntausende unbegleitete Flüchtlinge unter 18 Jahren befinden sich in der Obhut der Jugendämter.
  • Die Zahl der allein nach Deutschland kommenden jungen Flüchtlinge wächst stark an.
  • Die Regierung will den Familiennachzug für subsidiär schutzbedürftige Flüchtlinge aussetzen. Doch nun streitet sie über die Frage: Gilt das auch für den Elternnachzug?
Von Constanze von Bullion, Berlin

Wer minderjährig ist und sich ohne Begleitung der Eltern auf die Flucht aus dem Nahen Osten nach Deutschland begibt - oder unterwegs die Familie verliert - der ist spätestens bei seiner Ankunft nicht mehr so, wie gleichaltrige Deutsche in der Regel sind. Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sind meist Menschen mit sehr erwachsenen Sorgen. Die erste lautet: Wie komme ich auf eigene Faust an mein Ziel? Die zweite: Geld.

So erklärt sich unter anderem, warum deutsche Behörden nicht wissen, wie viele unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sich in Deutschland aufhalten. Laut Bundesfamilienministerium befinden sich "rund 59 000" allein geflüchtete Jugendliche in der Obhut von Jugendämtern.

Viele melden sich aber gar nicht erst bei Behörden, weil sie Angst haben, dann nicht ans gewünschte Ziel zu kommen - oder dass sie in der Obhut deutscher Betreuer nicht in der Lage wären, das Geld zu verdienen, das sie ihren Schleppern schulden.

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Und auch bei denjenigen, die registriert sind, bleiben die Zahlen unvollständig. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) zählte letztes Jahr 14 439 allein reisende Minderjährige, die einen Asylantrag stellten. Auch hier aber gilt: Viele Jugendliche rutschen durchs Raster, denn sie stellen zunächst gar keinen Asylantrag.

Der Vergleich mit dem Vorjahr immerhin zeigt, dass die Zahl unbegleiteter junger Flüchtlinge erheblich steigt. 2014 stellten 4398 einen Asylantrag. Die Zahl hat sich 2015 demnach also mehr als verdreifacht.

Begleitet von gesetzlichem Vertreter

Angesichts solcher Zuwachsraten drangen Bundesinnenministerium und Teile der Union darauf, den Status jugendlicher Flüchtlinge einzuschränken. Das Bundesfamilienministerium hielt dagegen. Es setzte durch, dass junge Flüchtlinge bis zum Ende ihrer Ausbildung in Deutschland bleiben dürfen.

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Auch werden 16- und 17-jährige Flüchtlinge ohne Eltern in Asylverfahren nun von einem gesetzlichen Vertreter begleitet. Zuvor mussten sie ab 16 Jahren eigenverantwortlich ihr Asylverfahren durchstehen. Seit November werden sie zudem auf andere Bundesländer verteilt, wenn am Ankunftsort Unterkünfte des Jugendamts fehlen. Sie kommen nicht in Sammelunterkünfte.