Asyl BKA: Flüchtlinge sind eher Opfer als Täter

Brand in einem Gasthaus in Remseck (Baden-Württemberg): Direkt nebenan waren Flüchtlinge untergebracht. Straftaten gegen Asylbewerberunterkünfte haben sich im Vergleich zum gesamten Vorjahr mehr als verdreifacht.

(Foto: dpa)
  • Eine Studie des Bundeskriminalamts zeigt: Trotz der hohen Flüchtlingszahlen haben die Straftaten von "Zuwanderern" nur geringfügig zugenommen.
  • Zudem verüben sie meist nur Delikte geringer Schwere.
  • Stark zugenommen haben hingegen Straftaten, die sich gegen Zuwanderer oder Flüchtlingsunterkünfte richten.
Von Lena Kampf, Köln

Immer wieder wird behauptet, dass mit dem anhaltenden Zuzug von Flüchtlingen ins Land auch die Kriminalität ansteige. Nun hat das Bundeskriminalamt die Auswirkungen der hohen Flüchtlingszahlen auf die registrierten Straftaten erstmals umfassend untersucht - und herausgefunden, dass die Kriminalität allenfalls geringfügig zugenommen hat, während die Zahl der Zuwanderer erheblich angestiegen ist.

Die Polizeibehörde hält fest, dass es eine "stark divergierende Entwicklung der Fallzahlen im Verhältnis zur Entwicklung der Zuwanderungszahlen" gibt. Straftaten gegen Asylbewerber und Flüchtlingsunterkünfte seien dagegen "quantitativ und qualitativ stark angestiegen", heißt es weiter. Untersucht wurde der Zeitraum von Januar bis September dieses Jahres.

In dem Papier macht das BKA allerdings auch deutlich, dass die Bundesländer keine einheitlichen Statistiken führen und die Vergleichbarkeit der Daten somit eingeschränkt sei. Lediglich zwölf Bundesländer haben zum Stichtag Zahlen an das BKA geliefert, es könnten mithin nur "Trendaussagen" abgeleitet werden, "Unschärfen" seien "gegenwärtig unvermeidlich".

Asylbewerber werden in der Kriminalstatistik nicht eigens erfasst, sodass das BKA den Begriff "Zuwanderer" benutzt. Darunter fallen Asylbewerber, Geduldete, Kontingentsflüchtlinge sowie Personen, die sich in Deutschland unerlaubt aufhalten.

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Es gebe "keinen Grund für übertriebene Sorgen um den Anstieg der Kriminalität durch Asylbewerber und Flüchtlinge", sagte Innenminister Thomas de Maizière (CDU)

am Freitag. Wenn Zuwanderer Straftaten begangen hatten, so handelte es sich dabei zumeist um weniger schwere Delikte. Etwa ein Drittel aller Fälle bestand aus kleineren Diebstählen, ein weiteres Drittel waren Vermögens- und Fälschungsdelikte, darunter hauptsächlich Schwarzfahren. Gewaltdelikte wie Raub oder Körperverletzung beliefen sich auf 16 Prozent der Fälle. Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung lagen bei unter einem Prozent.

Ausnahme: Erstaufnahmeeinrichtungen

Unter den Tatverdächtigen seien Serben, Kosovaren und Mazedonier überrepräsentiert.

Die Kriminalität in Erstaufnahmeeinrichtungen hat laut BKA jedoch deutlich zugenommen, Schwerpunkte seien Vermögensdelikte wie Raub sowie Körperverletzungen. Das BKA machte aber auch deutlich, dass die Geschädigten dabei meist selbst Asylbewerber seien.

Insgesamt sei ein Anstieg von Straftaten zu verzeichnen, bei denen Zuwanderer Opfer geworden sind, insbesondere seien Syrer und Afghanen betroffen. Darüber hinaus haben sich Straftaten gegen Asylbewerberunterkünfte im Vergleich zum gesamten Vorjahr bereits mehr als verdreifacht. Übergriffe auf Einrichtungen - darunter Gewaltstraftaten, Sachbeschädigung und Propagandadelikte - belaufen sich bis Anfang November auf mehr als 600.