Bundeskanzlerin Merkel auf Visite in Peking: Die Themen Menschenrechte, Produktpiraterie und der Verdacht der Computerspionage will sie bei ihrem Besuch nicht aussparen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will in Peking neben Wirtschaftsfragen auch strittige Themen wie die Einhaltung der Menschenrechte und die Produktpiraterie ansprechen. Die Beziehungen zur Volksrepublik seien so eng, dass die Probleme im offenen Dialog erörtert werden könnten, sagte die Regierungschefin.
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Blumen bei der Ankunft in Peking: Zu Beginn ihrer Chinareise wird Kanzlerin Merkel Ministerpräsident Wen Jiabao treffen - und will auch kritische Themen anschneiden. (© Foto: dpa)
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Zur Sprache bringen will Merkel auch den Computerspionageverdacht gegen chinesische Experten. Die Bundesregierung bemühe sich gegenüber China um den Schutz geistigen Eigentums, sagte Merkel am Sonntag im ZDF.
Das Magazin Spiegel hatte berichtet, im Auswärtigen Amt, in mehreren Bundesministerien und im Kanzleramt seien auf Computern Spionageprogramme aus China gefunden worden. Dies wurde indirekt von der Regierung bestätigt. Ein Sprecher des Innenministeriums sagte aber, es habe "keine Schäden gegeben".
Die Angriffe mit sogenannten Trojanern, die das unbemerkte Ausspähen der Computer ermöglichen, gingen nach Einschätzung des Verfassungsschutzes auf Hacker der Volksbefreiungsarmee zurück und wären somit dem chinesischen Staat selbst zuzuordnen. Die chinesische Botschaft in Berlin sprach dagegen von einer "verantwortungslosen Spekulation ohne jede Beweisgrundlage".
Merkel wird sich zunächst in China aufhalten und dort Ministerpräsident Wen Jiabao und Präsident Hu Jintao treffen. Am Mittwoch reist sie dann weiter nach Japan. Vor allem in China will die Kanzlerin - auch als amtierende Präsidentin der G-8-Staaten - für ihre Klimaschutzziele werben und sich um eine weitere Verbesserung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und China bemühen.
"Erste Erfolge" sichtbar
Merkel wird begleitet von einer hochrangigen Wirtschaftsdelegation. China ist Deutschlands wichtigster Handelspartner in Asien und könnte die Bundesrepublik noch in diesem Jahr als drittstärkste Wirtschaftsmacht der Welt ablösen.
In Peking will Merkel, wie schon bei ihrem Besuch vor etwas mehr als einem Jahr, ein härteres Vorgehen der chinesischen Führung zum Schutz geistigen Eigentums gegen Produktpiraterie und deutlich höhere Qualitäts- und Sicherheitsstandards anmahnen.
Sie sehe erste Erfolge, dass dies jetzt ernster genommen werde, sagte Merkel dem ZDF. Das Land gilt als ein Hauptproduzent für gefälschte Markenware. Große Rückrufaktionen für in China gefertigtes Spielzeug hatten eine Debatte um Qualität und Sicherheit von Produkten ausgelöst. Der chinesische Wirtschaftsboom ohne Rücksicht auf globale ökologische Folgen und auf Patentrechte hat in Deutschland wiederholt die Frage aufgeworfen, ob es noch sinnvoll ist, China weiter Entwicklungshilfegelder zu zahlen.
Von den Grünen gab es Lob für die Kanzlerin. Vizefraktionschef Jürgen Trittin begrüßte, dass Merkel die Menschenrechte auf andere Art und Weise anspreche als ihre Vorgänger Helmut Kohl (CDU) und Gerhard Schröder (SPD), die China fast nur unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet hätten.
Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte von Merkel, auf konkrete Verbesserungen der Menschenrechtslage zu dringen. Die Generalsekretärin der deutschen Amnesty-Sektion, Barbara Lochbihler, sagte, sie befürchte, dass die Pekinger Regierung vor den Olympischen Spielen Regimekritiker mundtot machen wolle.
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(SZ vom 27.8.2007)
Protest gegen dritte Startbahn
Ich habe nur geschildert, was ich selbst bei einem der größten DAX 30 Unternehmen in Peking gesehen habe. (Was sich mit den Beobachtungen vieler meiner Bekannten deckt.) Auch Ihre Forderung nach der Deutschen Welle passt irgendwie in dieses Bild.
Trotzdem: Falls die Situation woanders anders sein sollte und die dortigen Expats neugierig auf die Situation ihrer chinesischen Kollegen sind und nach einigen Jahren einfache chinesische Konversation beherrschen ist das sicher sehr begrüßenswert und spricht auch für die Personalpolitik solcher Unternehmen. Meine Beobachtungen sind natürlich immer nur ein Ausschnitt der Realität...
Douzitou,
bitte kommen Sie zurück in die Realität!
Chinesisch ist schwer, keiner verlangt, dass ein Manager nach fünf Jahren in China einen achtbeinigen Aufsatz über das Lunyu schreiben kann. Wenn es aber nicht mal für einfache Anweisungen an den Taxifahrer (Hier links abbiegen, Halt!) oder zum Einkaufen (Ich will äpfel.) reicht, stimmt mich das nachdenklich.
Und wenn ich generell keine Lust habe, mich mit meinen chinesischen Kollegen zu unterhalten (meinetwegen auch auf Englisch) werde ich zum Beispiel niemals die sonderbaren Strukturen meines staatlichen Joint-Venture-Partners verstehen können. Das ist dann in der Tat sehr unprofessionell.
Wenn man diese Beitraege hier liest, wird offenkundig, dass der chinesische Geheimdienst- und Propagandaapparat ganze Arbeit geleistet hat: da macht der eine das Chinesischlernen zum Masstab fuer Professionalitaet und der andere vergleicht den Einsatz in Afghanistan mit den 10.000 Exekutionen, die die chinesische Fuehrung duldet und der Dritte vergleicht die Sicherheitsdiskussion in Deutschland mit der chinesischen Auslandsspionage. Vielleicht sollten sie mal ihr zweites Auge oeffnen und sich mit Uiguren, Tibetern, Taiwanesen, Kasachen, Usbeken und Mongolen unterhalten und erfahren, wieiviel Respekt China anderen Voelkern entgegenbringt, spezielle denen, die sie beherschen. Eine Welt unter chinesischer Fuehrung wuerde um ein Vielfaches brutaler als jene, die wir heute kennen. Lassen Sie sich doch nicht einwickeln!
"Die Themen Menschenrechte, Produktpiraterie und der Verdacht der Computerspionage will sie bei ihrem Besuch nicht aussparen."
Da wird Chinas Führung aber geschockt sein und zukünftig ganz kleine Brötchen backen.
Paging