Panama Papers Industriekonzern oder Goldmine: Stets tauchen die Namen von Leyla und Arzu auf

So zeigen die geleakten Dokumente zum Beispiel, dass sich die First Family offenbar - ohne dass dies in dem Ausmaß bisher bekannt war - die Kontrolle über eine Goldmine in Westen von Aserbaidschan gesichert hat. Für jene Mine hatte die Regierung in Baku die Abbaurechte an die Azerbaijan International Mineral Resources Operating Company Ltd. vergeben. Ausweislich der Panama Papers gehört dieses Unternehmen offenbar zu 56 Prozent zwei Firmen, die demnach - über drei zwischengeschaltete Briefkastenfirmen - von Leyla und Arzu Alijewa, den beiden Töchtern des Präsidenten, und einem Freund der Familie kontrolliert werden.

Nur die Rolle einer der beiden Firmen, denen die Mehrheit an dem Minenunternehmen gehörte, war bisher bekannt. Die Globex International besitzt elf Prozent des Minenkonzerns, wie ein Verbund investigativer Journalisten, das Organized Crime and Corruption Reporting Project, das auch an dieser Recherche beteiligt war, 2012 aufdeckte. Globex gehörte demnach den Töchtern des Präsidenten und dem Freund der Familie, und zwar über die drei Briefkastenfirmen in Panama.

Die Dokumente aus der Kanzlei Mossack Fonseca zeigen nun, dass diesen drei Offshore-Firmen ganz offenbar auch ein weiteres Unternehmen aus Panama namens Londex Resources S.A. gehört. Über dieses Unternehmen finden sich mehr als 400 Dokumente in den Panama Papers, darunter Rechnungen, Mails und Anweisungen für die Eröffnung eines Bankkontos.

Krieg und Öl: Wie Söldner Briefkastenfirmen nutzen

Privatarmeen schlugen in Afrika Aufstände nieder. Über Offshore-Konstrukte können sie strenge Gesetze umgehen. Von Isabel Pfaff mehr ...

Die Londex Resources besitzt den Unterlagen zufolge 45 Prozent der Anteile an dem Minenunternehmen, dazu kommen die elf Prozent von Globex. Unterm Strich bedeutet dies: Den Töchtern des Präsidenten und dem Freund der Familie gehören demnach, getarnt über ein Netz aus Briefkastenfirmen, 56 Prozent an einem Minenunternehmen, welches von der Regierung die Schürfrechte an der Goldmine erhielt.

Doch es ist nicht das einzige glänzende Geschäft, an dem die beiden Töchter offenbar beteiligt sind, wie die Panama Papers zeigen. So ist die Präsidentenfamilie offenbar schon seit Längerem mit der Ata-Holding verbandelt, einem der größten Industriekonglomerate des Landes. Der Ata-Holding gehören große Teile der aserbaidschanischen Banken, der Telekommunikation, des Bau-, Minen- sowie des Öl- und Gasgewerbes des Landes. Sie besaß im Jahr 2014 - dem letzten Jahr, für das Daten publiziert wurden - ein Vermögen von mehr als 480 Millionen Dollar.

Geschaffen und beherrscht wurde die Ata-Holding einst von Fazil Mammadow, dem aserbaidschanischen Minister für Steuern. Er begann damit einige Monate bevor Alijew seine Amt als Präsident antrat und lud die Alijews anschließend ein, in dieses Unternehmen einzusteigen. Dadurch sicherte sich der Minister und Unternehmer auf Jahre die Freundschaft mit dem Präsidenten und politischen Einfluss.

Nach außen hin war offensichtlich alles darauf ausgelegt, die wahren Besitzverhältnisse zu verschleiern. So zeigen die Panama Papers, dass der Minister über Mossack Fonseca eine Firma namens FM Management Holding Group S.A. gründen und mit Scheindirektoren ausstatten ließ. Danach gründete er den Papieren zufolge eine panamaische Stiftung namens UF Universe Foundation. Solche Stiftungen unterliegen in Panama strikten Verschwiegenheitsregularien. Wer dort unbefugt Informationen über eine Stiftung - zum Beispiel über deren Hintermänner - öffentlich macht, dem drohen hohe Geld- und im schlimmsten Fall sogar Haftstrafen. Auf eine Anfrage antwortete der Minister nicht.

Ermittler werden weltweit aktiv

Die Panama Papers sorgen für ein globales Echo. Die Folgen der Enthüllungen im Überblick. mehr ...

Im Jahr 2005 wurde die Frau des Präsidenten, Mehriban Alijewa, Managerin der Stiftung. Zudem sollten damals die Anteile an der Stiftung neu verteilt werden, wie aus dem Anhang einer als "sehr wichtig" eingestuften E-Mail hervorgeht, die ein Anwalt aus Aserbaidschan im Februar 2005 an Mossack Fonseca geschickt hat. Demnach sollten die beiden Präsidententöchter Leyla und Arzu zu je 15 Prozent beteiligt werden; sie waren damals 19 und 17 Jahre alt.

Auch ihr erst sechsjähriger Bruder Heydar sollte Begünstigter der Stiftung werden, und zwar mit einem Anteil von 20 Prozent; ebenso der Sohn von Fazil Mammadow, dem Gründer der Ata-Holding. Und weil man gerade dabei war: Auch ein ehemaliger Beamter des Steuerministeriums, andere Offizielle und der Vorstandschef der Ata-Holding sollten kleinere Anteile an der Stiftung erhalten, die damals die Ata-Holding kontrollierte.