Der deutsche Luftraum soll schrittweise wieder freigegeben werden. Derweil wird die Kritik an Verkehrsminister Ramsauers Krisenmanagement immer schärfer.

Die Situation im Luftraum über Deutschland normalisiert sich nach tagelangem Stillstand. Der Luftraum über der Bundesrepublik soll an diesem Mittwoch im Laufe des Vormittags wieder freigegeben werden. Die Flughäfen würden sukzessive für An- und Abflüge nach Instrumentenflugregeln geöffnet, teilte die Deutsche Flugsicherung (DFS) mit.

Aschewolke Flugsicherung will deutschen Luftraum freigeben Flugzeug Lufthansa dpa

In den letzten Tagen ein seltenes Bild: Ein Flugzeug hebt in den Himmel über Deutschland ab. Diese Aufnahme entstand am 20. April in Frankfurt. (© Foto: dpa)

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Damit können Flugzeuge an immer mehr deutschen Airports nach Instrumentenflugregeln starten und landen. Es bestehe "eine gute Chance, dass die Lufträume über Deutschland und alle internationalen Verkehrsflughäfen bis zum späten Abend verfügbar bleiben", hieß es weiter.

Bisher soll der deutsche Luftraum wegen der isländischen Aschewolke bis mindestens acht Uhr an diesem Mittwoch für Instrumentenflüge geschlossen bleiben.

Ausgenommen von der Regelung wurden die vier Flughäfen Bremen, Hamburg, Berlin-Tegel und Berlin-Schönefeld - auf ihnen können Piloten damit ab sofort wieder unter normalen Bedingungen starten und landen. Alle anderen Airports können laut DFS weiter nur nach Sichtflugregeln angeflogen und verlassen werden, "wenn die Wetterbedingungen dies zulassen."

Der Flugverkehr in Hamburg und Bremen war bereits am Dienstagabend länger freigegeben worden. Durch die Nachtflugverbote verzögerte sich der "reguläre" Beginn jedoch auf den Mittwochmorgen.

Auch auf den beiden Hauptstadtflughäfen Tegel und Schönefeld fuhren erst ab sechs Uhr die ersten Maschinen auf die Rollfelder. Trotz der Öffnung des Luftraums werden in der Hauptstadt aber rund die Hälfte der Flüge ausfallen.

Der Flughafenbetreiber in Frankfurt am Main rechnete mit einer Ausweitung des Betriebs. Am Dienstag waren 265 Maschinen auf dem größten deutschen Airport gestartet oder gelandet.

Schleppend läuft der Flugverkehr in München an. Nach Angaben eines Sprechers wurden am Dienstag nur 223 Flüge abgewickelt. Das entspreche rund 22 Prozent eines normalen Flugtages.

Lufthansa-Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber rechnet damit, dass die Fluggesellschaft an diesem Mittwoch etwa 500 Flüge durchführen kann. Er sagte am Mittwoch im ZDF-Morgenmagazin: "Die Deutsche Flugsicherung hat bekanntgegeben, dass der Himmel wieder aufgemacht werden soll. Wir werden unser System so weit wie möglich hochfahren."

Mayrhuber forderte angesichts der nationalen Alleingänge wegen der isländischen Vulkanasche, die Regelungen auf europäischer Ebene zu koordinieren. Der Lufthansa-Chef kritisierte den Deutschen Wetterdienst, der sich "sehr stark auf ein Prognosemodell aus England kapriziert" habe. Dieses Modell sei "nicht in Ordnung" gewesen, denn es war keine Wolke zu sehen. "Die Durchmischung war so dünn, dass man davon ausgehen musste, dass es keine Gefahr gibt", sagte Mayrhuber.

In der Nacht landeten wegen des gelockerten Nachtflugverbots noch zwei weitere Maschinen. Am Mittwochmorgen war zunächst nur ein Flugzeug gestartet. Wie es am Mittwoch weitergehe, wisse man noch nicht, sagte der Sprecher.

Freier Luftraum in Großbritannien

Wegen der über Europa hängenden Aschewolke des Vulkans am Eyjafjalla-Gletscher war seit Ende der vorigen Woche der deutsche Luftraum größtenteils gesperrt. Nur durch Sondergenehmigungen konnten Fluglinien in den vergangenen Tagen ihre Maschinen in die Luft schicken. Dazu mussten Piloten auf Sicht fliegen.

Auf dem größten europäischen Drehkreuz in London-Heathrow war der Ansturm bereits in den frühen Morgenstunden groß. Nach der mehrtägigen Sperrung in vielen europäischen Ländern hat der Präsident der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) den Luftraum für sicher erklärt.

Gestrandete Urlauber per Sichtflug nach Hause

"Jetzt wo die Behörden entschieden haben, den Flugverkehr über Europa wieder aufzunehmen, ist es sicher. Wenn ich jetzt über Europa fliegen müsste, würde ich es tun", sagte der Mexikaner Roberto Kobeh González in New York.

Insgesamt waren über Europa am Dienstag rund drei Viertel des Luftraums wieder offen für den Flugverkehr. Dies teilte die europäische Luftsicherheitsbehörde Eurocontrol mit. Polen will seinen Luftraum ab sieben Uhr wieder öffnen.

In Deutschland waren am Dienstag bereits fast 800 Flugzeuge mit Zehntausenden Passagieren gestartet und gelandet. Die Airlines flogen in erster Linie in den Ferienorten gestrandete Urlauber nach Hause. Möglich machte dies die Sonderregel, wonach Piloten auf eigene Verantwortung und nach Sicht ihre Maschinen steuern müssen. Sie fliegen dabei auch durch die Luftschichten mit Asche und nicht darunter hinweg.

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