Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander; auch das stellt der Bericht der Bundesregierung fest. Daraus erwachsen Gefahren für den inneren Zusammenhalt der Gesellschaft. Arm zu sein unter Armen, das könnte man ertragen - so stand es in einem Brief an den Münchner Oberbürgermeister. Arm zu sein unter protzenhaftem Reichtum, das aber sei unerträglich.
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Der vormalige Generalbundesanwalt Kay Nehm hat kurz vor Ende seiner Amtszeit in einem SZ-Interview vor einem "Auseinanderdriften der Gesellschaft" gewarnt, das den inneren Frieden gefährden könne. So ist es. Es gibt Armuts-Indikatoren, die an der Wand des Reichstags zu Berlin warnend leuchten müssten: Die Einkommen rutschen nach unten ab.
Das Gute ist, es kann geholfen werden
Während im Jahr 2005 noch diejenigen als arm galten, die weniger als 938 Euro netto im Monat zur Verfügung hatten, beginnt die Armut heute erst unter 781 Euro. Das liegt daran, dass das Durchschnittseinkommen gesunken ist, welches der Berechnung von Armut europaweit als Richtmaß zugrunde gelegt wird. Dieser Einkommensverfall ist zum Teil hausgemacht - von einer Politik, die ihr Heil in Niedriglöhnen und der Senkung von Sozialleistungen gesucht hat.
Das Übel, dass viele Leute ein schlechtes Leben führen, besteht aber nun nicht darin, dass andere Leute ein reiches Leben führen. Das Übel liegt vor allem darin, dass schlechte Leben schlecht sind. Das Gute ist, dass (auch mittels derer, die ein reiches Leben führen) denjenigen geholfen werden kann, deren Leben schlecht ist.
Und das Gute am Armutsbericht ist, dass er die Diskussion darüber belebt, wie man das anstellen könnte. Dazu finden sich im Grundgesetz und in den Landesverfassungen Richtsätze: "Eigentum verpflichtet" steht im Grundgesetz, und "sein Gebrauch (soll) zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen". Es ist schön, dass man das wieder zitieren darf, ohne für einen Kommunisten gehalten zu werden.
Wegweiser für die weitere Diskussion
Die hessische Verfassung formuliert einen guten Besteuerungsgrundsatz: "Vermögen und Einkommen werden progressiv nach sozialen Gesichtspunkten und unter Berücksichtigung der familiären Lasten besteuert". In der Bayerischen Verfassung heißt es, dass "arbeitsloses Einkommen ... mit Sondersteuern belegt" wird und dass die Erbschaftssteuer "auch dem Zweck dient, die Ansammlung von Riesenvermögen in den Händen einzelner zu verhindern. "Bei der weiteren Diskussion über Erbschafts- und Vermögenssteuer könnte dies ja ein Wegweiser sein.
Der Armuts- und Reichtumsbericht ist ein Bericht zur Lage der Demokratie - weil eine Demokratie, in der immer mehr Menschen am gesellschaftlichen Rand leben, nicht gut funktionieren kann. Und dieser Armutsbericht ist eine Herausforderung für den Sozialstaat: Eine gute Sozialpolitik erschöpft sich nicht in der Fürsorge für die Armen, sondern zielt auf den Abbau der strukturellen Ursachen für deren Armut. Sozialpolitik? Es geht dabei um eine Politik, die dafür sorgt, dass jeder Mensch Bürger sein kann.
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(SZ vom 20.5.2008/ihe)
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Die Hartz IV-Sätze dürfen keinesfalls erhöht werden ! Wie sähe das denn aus , wenn wir in vier , fünf Jahren 5 Millionen Vollzeitarbeitende (oder mehr) hätten , denen noch Hartz IV -Geld gezahlt werden müßte ?!!? Das könnte doch unsere Leistungsträger in ihrem Wohlbefinden beeinträchtigen ..., mit nicht absehbaren Folgen für das Wachstum ! Und wenn dann noch ein nicht vorhersehbarer Konjunktureinbruch hinzu käme ...- nicht auszudenken !
Die Krise in der sich die Demokratie Europa weit befindet resultiert aus der fehlgeleiteten Wirtschafts- und Einwanderungspolitik aber sich nicht aufgrund des Bildungsniveaus oder der Faulheit der Bevölkerung.
Wir leisten uns eines der am höchsten entwickelten Sozialsysteme der Welt. Dieses Sozialsystem wird fast ausschließlich über die Lohnnebenkosten finanziert. Das war bis vor ca. 25 Jahren kein Problem, da die Volkswirtschaft ein halbwegs geschlossenes System (Handesbeschränkungen, Zölle, Abgaben machen ausländische Produkte unattraktiver) war. D.h. die Wertschöpfung erfolgte hauptsächlich im Binnenmarkt und es wurde nur importiert, was hier nicht produziert werden konnte (Simplifiziert, aber hier ist nicht viel Platz). In so einer gesunden Volkswirtschaft reguliert sich die Lohnhöhe über Angebot und Nachfrage von selbst (und es bedarf auch nicht einer Mindestlohndiskussion) und wie man weiß gab es noch nicht einmal das Wort Billigjobs.
Aber der Esel geht solange über das Eis bis es bricht. Unsere Politiker hatten vergessen, woher das Geld stammte, über das sie frei verfügen konnten. Zusätzlich wurde die ursprüngliche Idee der EU langsam und heimlich verändert und damit hielt der neoliberale Globalisierungswahn Einzug.
Es wurden alle Handelsbeschränkungen einseitig fallen gelassen (glaubt nicht, das es so einfach ist nach China etwas zu exportieren und dort auch zu verkaufen) und die Volkswirtschaft in direkte Konkurrenz zu diesen Ländern getrieben, ohne die Finanzierungsgrundlage unseres Sozialsystems zu ändern, bzw. dieses System abzusichern.
Die Auswirkungen sieht man jetzt und es ist ausgesprochen verlogen den Bildungsstand oder die Faulheit der Bevölkerung als Argument für diesen Umstand heran zu ziehen.
Der deutschsprachige Raum hätte, aufgrund seiner Wirtschaftsmacht, noch immer die Möglichkeit diese Fehlentwicklung rückgängig zu machen. Da sich aber hier eine elitäre Politiker und Wirtschaftskaste herausgebildet hat, die die Vereinigten Staaten von Europa (nach Vorbild der USA) schaffen wollen, sollten wir uns daran gewöhnen jedes Jahr die Ansprüche ein bisschen mehr zurück zu drehen.
@KvJ
"Dass die "soziale Frage" heute in anderer Gestalt zurückkehrt, geht aus Prantls Artikel anschaulich hervor. "Arm" vergleicht sich am Umfeld, nicht an den Zuständen in der Dritten Welt. Diese Armut verlangt Solidarität."
Ja, Armut verlangt Solidarität. Um es klar zu sagen: Es MUSS jedem Hilfesuchenden eine Hand hingehalten werden! Aber dem der keine Hilfe SUCHT, dürfen keine Geschenke gemacht werden. Das ist asozial denen gegenüber, die einen Beitrag leisten und sorgt für sozialen Unfrieden. Des weiteren erzieht solches Tun die nächste Generation. Sie wenden sich von der Aktivität ab und der Passivität zu. Der Schaden vervielfältigt sich also.
"Zu beobachten ist jedoch, dass der Verfassungsgrundsatz "Eigentum verpflichtet" immer weniger im Vordergrund des sozialen und politischen Verständnisses in unserer Gesellschaft steht, sondern dass das Schlagwort "Sozialneid" bemüht wird, um den wachsenden sozialen Unterschied auch noch denen anzulasten, die am Rande unserer Gesellschaft leben, es "sozial" nicht geschafft haben (mit der Zuweisung: "selbst schuld!")."
Es ist aber auch zu beobachten, dass das eigene Bemühen bei eben jenen "Armen" in den Hintergrund rückt. Gerne wird dabei alleine die finanzielle Situation als Generalablass herangezogen und die Kritiker als überharte Neo-liberale bezeichnet, weil sie es wagen sich zu einem Fehlverhalten von vermeintlich Schwächeren zu äußern.
"Vorschläge zur Abhilfe der sozialen Schieflage habeb einige Kommentatoren hier vorgetragen. Voraussetzung aller Vorschläge aber ist dafür auch ein Wille und eine Gesinnung, die den sozialen Zusammenhalt einer Gesellschaft als höheren Wert begreift als die Spaltung und Ausgrenzung."
Ein Gedanke geht hier unter: Wer muss sich verpflichtet fühlen? Alle, oder nur die Geber? Es muss einen Konsens geben, der beide, Geber und Nehmer verpflichtet, sonst bedeutet das Ausnutzen und nicht sozialen Zusammenhalt.
er und seinesgleichen im Geiste tragen jahrelang dazu bei , dass der Leistungsgedanke und die Verantwortung für das eigene Tun und Nichttun in unserer Gesellschaft verkümmerten.
Dass man den Leistungsgedanken in der Bildung stetig nivelierte und den Eindruck vermittelte, wenn man nichts hat , braucht man es den Reichen ja nur zu nehmen.
Die daraus folgende Neiddebatte und Neidkultur fügen ein Weiteres dazu bei.
Warum redet man den Leuten ständig eine die gesellschaft sei für alles verantwortlich und der Einzelne sei nicht verantwortlich dafür, einen anständigen Bildungsabschluss zu erzielen.
Frei nach dem Motto, ws ich nicht habe muss ich mir von der Gesellschaft nehmen,
Prantl und die Gestesverwandten der Alt68er sind mitverantwortlich für diese Entwicklung.
sollte wieder die Devise werden. Das hat jahrelang gut funktioniert. Dazu gehört Respekt gegenüber der Leistung anderer. das ist in unserer heutigen Gesellschaft verloren gegangen.
GLOBALISIERUNG ist nicht gottgegeben sondern von Menschenhand gemacht, Deshalb können Menschen diese sogenannte Globalisierung auch menschlich gestalten. Sie müssen es nur wollen.
Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnissse, aber nicht für jedermanns Gier.
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