Der Sozialwissenschaftler Rolf Rosenbrock kritisiert die Mängel des Bildungspakets für arme Familien und die jahrelange Ignoranz der Politik.
Rolf Rosenbrock leitet die Forschungsgruppe Public Health im Wissenschaftszentrum Berlin. Seit dreißig Jahren setzt er sich für eine Gesundheitspolitik ein, die auf soziale Unterschiede Rücksicht nimmt.
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SZ: Das Bildungspaket soll die Chancen benachteiligter Kinder erhöhen. Warum sind Sie nicht zufrieden damit?
Rosenbrock: Abgesehen davon, dass das Bildungspaket bislang nicht funktioniert - es ist bestenfalls ein sehr kleines Teilchen in einem Puzzle, das viel größer sein müsste. Arme Kinder brauchen mehr als zehn Euro für den Sportverein.
SZ: Was verlangen Sie?
Rosenbrock: Wir brauchen eine Strategie, die auf den Abbau von Armut setzt. Denn wir wissen: Kinder aus armen Familien sind deutlich häufiger krank als ihre wohlhabenden Altersgenossen. Sie leben seltener in einem Netzwerk sicherer Beziehungen und haben weniger Erfolgserlebnisse. Sie erhalten weniger Anregungen, entwickeln weniger eigene Ziele, sind dann schlechter in der Schule. Sie landen später bestenfalls in eher ungesunden Jobs und entwickeln schon ab Kindheit eine Lebensweise, von der wir wissen, dass sie zu mehr Krankheit und zu kürzerem Leben führt.
Einen großen Teil dieser Probleme kann man kompensieren: mit partnerschaftlicher Betreuung um die Geburt durch Familienhebammen, mit systematischem Ausbau der Frühförderung, mit besserer Unterstützung von Elterngruppen, mit starken Anreizen zum frühen Kita-Besuch, einem Ausbau der Kitas zu anregenden Lernräumen. All das ist bekannt und ist Konsens unter Gesundheitswissenschaftlern.
SZ: Sie waren mehr als zehn Jahre lang im Sachverständigenrat für das Gesundheitswesen. Da hätten Sie das von der Bundesregierung verlangen können.
Rosenbrock: Was glauben Sie, was wir getan haben? Sie müssen sich nur anschauen, welche Expertise die Minister der schwarz-gelben Bundesregierung beim Amtsantritt auf ihren Schreibtischen vorfanden. Da lagen 300 Seiten Gutachten des Sachverständigenrats zur Kindergesundheit, in denen genau das gefordert wird. Der Kinder- und Jugendbericht kam zum gleichen Ergebnis. Das Robert-Koch-Institut und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung - die beiden zuständigen Bundesbehörden - haben ein Aktionsprogramm vorgelegt.
Doch was tut Gesundheitsminister Philipp Rösler? Er sagt ein Jahr lang nichts zum Thema Kinder und Jugendliche. Dann regt er eine neue Gebührenposition "Gesundheitsberatung" für Kinderärzte an. Es fällt schwer, so was als Ignoranz abzutun.
SZ: Dem Bund fehlt vielleicht nur das Geld für ambitionierte Politik.
Rosenbrock: Wir brauchen keine Riesensummen. Wir müssen nicht alle Kinder in Deutschland massiv unterstützen. Den meisten geht es besser als je zuvor. Ungefähr achtzig Prozent leben in besseren gesundheitlichen Bedingungen als jede Generation zuvor - ihnen fehlen weder Geld noch Förderung noch elterliche Zuwendung. Sie profitieren davon, dass Deutschland seit sechzig Jahren in Frieden und relativem Wohlstand lebt.
Aber wir wissen, dass das bei zwanzig Prozent nicht so ist. Diese Kinder müssen wir schützen und unterstützen - es gibt Handlungsbedarf bei einer ziemlich klar definierten Gruppe. Hier zu helfen ist viel billiger als eine Kindergelderhöhung´.
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- Kinderarmut RSS
(SZ vom 26.04.2011/mcs)
- Sozialpädagogische Fachkraft (m/w)– Landratsamt München, München
- Fachkraft für Arbeitssicherheit / Gesundheitskoordinator / Sicherheitsbeauftragter (m/w)– Caritasverband der Erzdiözese München und Freising e.V., München
- Referent/in Betriebliches Gesundheitsmanagement– BGHW Berufsgenossenschaft Handel und Warendistribution, Mannheim
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"Einen großen Teil dieser Probleme kann man kompensieren: mit partnerschaftlicher Betreuung um die Geburt durch Familienhebammen, mit systematischem Ausbau der Frühförderung, mit besserer Unterstützung von Elterngruppen, mit starken Anreizen zum frühen Kita-Besuch, einem Ausbau der Kitas zu anregenden Lernräumen. All das ist bekannt und ist Konsens unter Gesundheitswissenschaftlern."
Tja, die Sache mit den Familienhebammen wurde doch, wenn ich mich richtig erinnere, ausgebremst. Schade eigentlich. Der systematische Ausbau der Frühförderung scheitert daran, dass das Personal hierfür nicht vorhanden bis nicht qualifiziert ist (weil es selbst schon zu wenig Frühförderung genossen hat?). Der stärkste Anreiz zum frühen Kita-Besuch wäre wohl genügend Plätze zu schaffen und Eltern nicht weismachen zu wollen, dass Kita nur was ist für förderungswürdige Kinder von doppelt berufstätigen Eltern. Na, und die anregenden Lernräume...ich sage nur "unangeleitete Freispielzeit", Förderung fällt heute aus wegen Burnout der spärlichen Besetzung.
die einzig funktionierende armutsprävention ist ein nicht-chinesisches lohngefüge, bei dem ein qualifizierter beruf zumindest für wohnung und essen einer kleinen familie genügt.
gegenwärtig bewegen wir uns auf die subventionierte armut als institution zu.
bezeichnender weise hört man auch immer öfter, daß sich reiche hierzulande ihrer verantwortung bewußt sein sollen und mehr spenden sollen, wie in den USA.
das wäre dann der nächste schritt zur institutionalisierung, erst jemandem erlauben, daß er sich so viel vom kuchen unter den nagel reißt, daß für die anderen nichts mehr bleibt, dann an sein gewissen apellieren, er solle doch ein paar krümel abgeben (und dann noch als wohltäter dastehen).
siehe die unmöglichkeit die sich im interview aufzeigt. erst läßt man zu, daß immer mehr kinder nicht mehr anständig gebildet und versorg werden. dann zahlt man expertenkommisionen, damit diese festlegen wieviel almosen denn nötig sind.
Und das, was sie zu sagen haben, hat ja auch Hand und Fuß. Was allerdings die Minister(innen) daraus machen, ist an Dilettanz kaum zu überbieten.
Was aber will man von Leuten erwarten, die derartig d.um.me Dinge von sich geben, wie es nicht nur die kleine Schröder tat, nachdem sie bekannt gegeben hatte, sie wäre schwanger? - Sie und ihr Mann hätten dann mit all den Problemen zu tun, denen Partnerschaften vollbeschäftigter Eltern ausgesetzt wären. So kann nur eine sprechen, die schon immer an den reich gefüllten Fleischtöpfen sitzt und gar nicht weiß, wie das Gefühl ist, doppelt zu verdienen und trotzdem jeden Cent dreimal umdrehen zu müssen. - Und ihre stets über sich selbst gerührte Vorgängerin vdL übt sich derweil in Sozialromantik und will uns doch tatsächlich einreden, dass ihr peinlich-läppisches Bildungspaket eine echte Hilfe sein könnte. Sie ist immer noch viel zu arrogant, als dass sie auf Fachleute hören würde. --- Weg mit ihr und ihrer Nachfolgerin. Sie können nichts.
Was man nicht sieht kann man nicht ignorieren. Die Placebopolitik der Regierung ist in bezug auf Armutsprävention unerträglich.
Ich sehe keine Ignoranz der Politik. Minderbefähigte Amtsstubenbewohner haben die Systeme perfektioniert, durch Dienst an der Partei ein überaus auskömmliches Leben führen zu können - und man kann den Beamtenparteien nicht vorwerfen, diese Priorität eine Sekunde aus den Augen verloren zu haben.
Ignorant verhalten sich die Bürger in ihrer nachhaltigen Einfalt, die Gemeinwohlinteressen ausgerechnet pensionsberechtigten Parteisoldaten anzuvertrauen, obwohl die Ergebnisse des Parteibuchfeudalismus doch nun wirklich unübersehbar desaströs sind.
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