Als "böse, illegal, unauthorisiert und in manchen Fällen sadistisch" hat ein Mitarbeiter des Pentagon das Verhalten einiger Aufseher in dem irakischen Gefängnis bezeichnet. Hundeführer hatten dort mit ihren Tieren zum Vergnügen Jugendliche eingeschüchtert.

Eine Untersuchung der US-Armee wirft Aufsehern im Gefängnis Abu Ghraib vor, gefangene irakische Jugendliche mit Polizeihunden bedroht zu haben - als Teil eines sadistischen Spiels.

Anzeige

Das berichtet die US-Zeitung Washington Post.

Frühere Berichte hatten bereits darauf darauf hingewiesen, dass die Tiere zur Einschüchterung von Häftlingen benutzt wurden.

Die Hundeführer hatten jedoch erklärt, die Methode sei vom Militär-Geheimdienst zugelassen worden.

Nach Informationen der Zeitung haben zwei Militärpolizisten jedoch versucht, sich beim Einschüchtern von Kindern, von denen einige nicht älter als 15 Jahre alt waren, gegenseitig zu übertreffen.

"Es hatte nichts mit Befragungen zu tun. Es waren nur diese Militärpolizisten, die komisch drauf waren", erklärte ein Offizier, der ungenannt bleiben wollte, der Zeitung.

Andere Pentagon-Mitarbeiter berichteten, die Untersuchung zeige, dass der Militärgeheimdienst eine Reihe von Häftlingen heimlich gefangen gehalten und sie vor internationalen Hilfsorganisationen versteckt hatte. Darüber hinaus kam es zu mindestens einer Vergewaltigung eines Gefangenen durch einen Wärter.

"Der Bericht wird zeigen, dass die Handlungen böse, illegal, unauthorisiert und in manchen Fällen sadistisch waren", erklärte ein Angehöriger des Verteidigungsministeriums der Washington Post. "Aber er wird auch zeigen, dass es sich um Einzelfälle handelt, die aufgrund des Versagens der Vorgesetzten nicht bemerkt wurden."

Den Offizieren wird demnach eine unzureichende Beaufsichtigung ihrer Untergebenen zur Last gelegt. Mehr als ein Dutzend Verantwortliche sollen in dem Bericht namentlich genannt werden.

Vorwürfe werden auch gegen den früheren Befehlshaber der US-Truppen im Irak, Generalleutnant Ricardo Sanchez, erhoben.

Sanchez soll Befragungstechniken und andere Militärtaktiken in Afghanistan, auf Guantanamo Bay und im Irak nicht angemessen beaufsichtigt haben.

Hohe Pentagon-Mitarbeiter mitverantwortlich

Ein weiterer Bericht, der im Auftrag von US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld angefertigt wurde, zeigt, dass hohe Mitarbeiter des US-Verteidigungsministeriums für die Misshandlung von Häftlingen in Abu Ghraib und anderen Gefängnissen mitverantwortlich gewesen sind.

So hätten sie beispielsweise nichts gegen überfüllte Haftanstalten unternommen und die Aufsicht an Untergebene abgeschoben, heißt es in dem Dossier, aus dem die Zeitung New York Times am Dienstag unter Berufung auf Quellen im Pentagon berichtete.

Nach Auffassung der vierköpfigen Kommission unter Leitung des früheren US-Verteidigungsministers James Schlesinger hatte es die Gefängnisverwaltung versäumt, die Militärpolizisten, die die irakischen Häftlinge verhörten, entsprechend auszubilden. Diese seien angesichts der steigenden Zahl der irakischen Gefangenen in Abu Ghraib überfordert gewesen.

Brigadegeneralin Janis Karpinski, Leiterin der 800. Militärpolizeibrigade in Abu Ghraib, wird dem Zeitungsbericht zufolge wegen falscher Führung kritisiert. Sie wurde im Mai vom Dienst suspendiert.

Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, der wegen des Folterskandals in Bedrängnis geriet, hatte den Bericht laut New York Times in Auftrag gegeben. Rumsfeld selbst, der folterähnliche Behandlungen von Gefangenen zumindest zeitweilig genehmigt hatte, wird in dem Bericht nicht namentlich erwähnt.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Die Pflicht zur Kür

Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...

(sueddeutsche.de/AP/AFP)