Eine russische Zeitung berichtet, der Frachter Arctic Sea habe Waffen an Bord gehabt. Auch Russland schließt keine Variante mehr aus. Die Besatzung bleibt abgeschottet.

Eine Woche nach der Befreiung des finnischen Frachters Arctic Sea verstärkt sich bei den Angehörigen der Besatzung der Unmut über die russischen Behörden. "Es gibt keinerlei Verbindung, niemand von unseren Männern hat angerufen", sagte Lidia Wolowa, die Frau eines Bootsmannes der Agentur Interfax.

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Behandelt wie Verbrecher: Mitglieder der russischen Crew der Arctic Sea werden von dem Frachter an einen unbekannten Ort gebracht. (© Foto: dpa)

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Die Staatsanwaltschaft habe erklärt, dass sich die Crew frei bei ihren Angehörigen melden könnte, "aber das ist nicht der Fall". Die Familien der Seeleute baten in einem Brief den Patriarchen der russisch-orthodoxen Kirche, Kirill, "um Hilfe für unsere Männer, Söhne, Brüder und Väter, die praktisch wie Verbrecher behandelt werden". Die russischen Behörden widersprachen dem.

Elf der 15 russischen Besatzungsmitglieder werden im Moskauer Lefortowo-Gefängnis vernommen, russische Medien vermuten aber auch, sie würden womöglich in einem Hotel oder Sanatorium befragt. Die vier übrigen Mitglieder des Schiffes sind an Bord geblieben; auch zu ihnen gebe es derzeit keine Verbindung, sagte Michail Wojtenko, Chefredakteur des Internetportals Morskoj Bulletin - Sowfracht. Zudem verzögere sich die von den Behörden angekündigte Ankunft des Frachters in Russland.

Die Arctic Sea, die offiziell mit Holz beladen war, hatte nach Informationen der russischen Boulevardzeitung Moskowskij Komsomolez Waffen an Bord. Wem sie gehörten und für wen sie bestimmt waren, sei allerdings nicht bekannt.

Die Zeitung berief sich auf Quellen in den "Machtstrukturen" und bekräftigte deren Verdacht damit, dass an der Befreiungsaktion etwa 40 Spezialkräfte der militärischen Aufklärung beteiligt gewesen seien.

Auch Russland untersucht nun offiziell einen möglichen Waffenschmuggel auf dem Frachter. Vielleicht sei auf dem Schiff nicht nur Holz transportiert worden, sagte der Leiter der Ermittlungsbehörden, Alexander Bastrykin, in einem vorab veröffentlichten Interview der Regierungszeitung Rossijskaja Gaseta.

"Wir schließen keine Varianten aus", sagte er nach Angaben der Agentur Interfax, die Auszüge des Gesprächs veröffentlichte.

Der Frachter, der unter maltesischer Flagge ausgelaufen war, wurde nach Darstellung des Moskauer Verteidigungsministeriums am 24. Juli auf dem Weg von Finnland nach Algerien von acht Piraten überfallen. Diese befinden sich derzeit in russischem Gewahrsam.

Die Moskowskij Komsomolez berichtete, die "Piratengruppe" sei womöglich von Spezialdiensten eines EU-Landes beauftragt worden. Am Dienstag stellte der Anwalt von zweien der Verdächtigen einen Antrag auf Haftbeschwerde. Der Bruder eines der Festgenommenen sagte, "falls diese für irgendetwas schuldig sind, müssen sie auf dem Gebiet der Europäischen Union vor Gericht gestellt werden". Die vermeintlichen Piraten kommen aus Estland, Lettland und Russland.

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(SZ vom 26.08.2009/nien/segi)