Praktikanten sollen ordentlich behandelt werden, findet Arbeitsminister Olaf Scholz. Im eigenen Haus sieht es ganz anders aus: Wer bei ihm Ministeriumsluft schnuppert, bekommt einen Händedruck.
Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) ist - theoretisch - ein großer Freund der Praktikanten: Schon im Frühjahr setzte er sich dafür ein, Praktika klar als "Lernverhältnisse" zu definieren und von "Arbeitsverhältnissen" abzugrenzen; eine angemessene Bezahlung wollte er im Bürgerlichen Gesetzbuch festschreiben lassen.
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Arbeitsminister Scholz will seine Praktikanten nicht bezahlen. dpa (© Foto: dpa)
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In seinem eigenen Ministerium erhalten Praktikanten aber keine Vergütung. Kein Widerspruch, erklärt ein Sprecher im Gespräch mit sueddeutsche.de. Zwei Gruppen von Praktikanten seien ganz klar zu unterscheiden: zum einen diejenigen, die bereits ein Hochschulstudium absolviert haben und die Praktika zum Berufseinstieg nutzen. Nur auf diese Gruppe beziehe sich der Scholz'sche Vorstoß.
Ganz anders sehe es bei denen aus, die während des Studiums Büroluft schnuppern wollen - und nur solche Bewerber stellt das Ministerium ein. Bei ihnen sei das Praktikum "integraler Bestandteil des Studiums", so der Ministeriumssprecher. Weil Studenten materiell abgesichert seien, sei es in Ordnung, sie nicht zu bezahlen. Immerhin bekämen die Praktikanten kostenloses Mittagessen und Zuschüsse zur Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs.
"Mit diesem Argument kann man sich schon rauswinden", sagt Frank Schneider von der Praktikantenvereinigung Fairwork dazu. Eine kleine finanzielle Aufwandsentschädigung wäre seiner Meinung nach trotzdem angemessen.
Schließlich wohnt nicht jeder Student in Berlin. Die meisten müssen für ein Praktikum im Ministerium umziehen, eventuell entstehen ihnen Kosten wegen doppelter Haushaltsführung oder einer Fernbeziehung.
So war es auch bei Sarah H., Soziologiestudentin aus Mainz. Auch sie sah für ihre Arbeit keinen Cent. Sie fand ihr Praktikum in der Stabsstelle des Arbeitsministerium trotzdem spannend: "Ich durfte in alle Meetings gehen, einmal sogar nach Brüssel reisen und konnte von Anfang an voll mitarbeiten."
Ihr letzter Satz legt nahe, dass auch das Arbeitsministerium womöglich Probleme hat, Lern- von Arbeitsverhältnissen zu unterscheiden - wie von Minister Scholz gefordert.
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(sueddeutsche.de/gba/jja)
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Sie haben recht!
Allerdings ärgert es mich bei der SPD am meisten, wo sie doch an sich berechtigterweise den Grundsatz der Solidarität immer so betont. Aber: nichts / kaum was dahinter :-(
Das ist sowas von typisch CDU, CSU, Grüne, FDP, Linke ... - Klappe aufreißen, aber dann wird das Gegenteil gemacht!
Das ist sowas von typisch SPD - Klappe aufreißen, aber dann wird das Gegenteil gemacht!
Glaubwürdigkeit=0!
Etwas mehr Recherchearbeit hätte man von der SZ schon erwarten dürfen, dass hat man beim Konkurrenzprodukt, dass zufällig heute fast den selben Artikel veröffentlicht hat besser hinbekommen:
1. Beim BMAS werden die Kosten für die An- und Abreise zum Praktikum erstattet.
2. Ledige Praktikanten haben alle 4 Wochen einen Anspruch auf einen 'Heimaturlaub', dazu wird eine Reisekostenbeihilfe geleistet
3. Anders als im Artikel behauptet werden sehr wohl Gutscheine für die Kantine verteilt.
Diese drei Punkte unterscheiden das BMAS im übrigen von den anderen Bundesministerien (Ausnahme BMZ, hier wird sogar ein kleiner Obulus gezahlt). Insofern laufen auch die Anspielungen zur SPD ins Leere.
Endlich schreibt jemand mal etwas über das Thema des Artikels!
In der Tat liegt hier der Unterschied zwischen ausbildungsrelevanten Praktika, zu denen auch die in Ministerien, internationalen Organisationen usw. gehören, und Scheinpraktika, gegen die sich die Initiative des Arbeitsministeriums wendet.
Paging