Jung ist ein Kumpeltyp, einer, der gerne über Wein und Fußball, die hessische Landespolitik oder Altkanzler Helmut Kohl redet und dabei sehr unterhaltsam sein kann. Der Konservative liebt seine Heimat. Die Familie, der katholische Glaube, die Herkunft, das ist ihm wichtig.

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Als sein Vater früh starb, führte er zunächst mit dem jüngeren Bruder den elterlichen Winzerbetrieb in Erbach, in der Nähe von Wiesbaden, weiter. Hier in den Weinbergen lachen sie auch nicht, wenn Jung im Interview sagt: Es könne nicht schaden, wenn "unsere Kinder wieder mehr singen", weil Lieder "ein Gefühl von Geborgenheit und Heimat vermitteln". Als Bundesverteidigungsminister wirkte Jung dagegen seltsam verkrampft.

Als er 2005 das Amt übernahm, erzählte er bei jeder Gelegenheit, dass er 1968 als junger Soldat den letzten Nato-Alarm erlebte, als die sowjetischen Truppen in der damaligen Tschechoslowakei den Prager Frühling niederwalzten. Irgendwann hatte er die Geschichte so oft wiederholt, dass ihm seine Berater sagten, er sollte das lieber sein lassen.

Im Laufe seiner Amtszeit geriet er wiederholt unter Druck, nicht nur, weil er forderte, von Terroristen entführte Flugzeuge seien im Zweifelsfall abzuschießen. Umstritten war er vor allem wegen seiner Informationspolitik, ob beim Libanon-Einsatz, den Tiefflügen der Tornados über über ein G-8-Protestkamp nahe Heiligendamm oder zuletzt Anfang September, als ein deutscher Oberst in Kundus den Befehl gab, zwei entführte Tanklastzüge bombardieren zu lassen.

Es waren aber auch die Reden, weswegen sie in Berlin über Jung den Kopf schüttelten. Immer wenn den deutschen Soldaten in Afghanistan etwas geschah, musste Jung vor die Mikrophone treten und die richtigen Worte für die Opfer finden. So sehr er persönlich betroffen war, es gelang ihm nur schwer, dies verständlich zu machen. Zu hölzern war seine Sprache, zu auswendig gelernt wirkten die immer gleichen Versatzstücke, die er bei diesen Auftritten herausbrachte. So kam es, dass der Spiegel schrieb, Jung "dilettiere" im Amt. Trotzdem wäre es ein großer Fehler, den Politiker zu unterschätzen.

Verdienste für die Soldaten

Jung ist fest in der Union verankert. Er gilt als bestens vernetzt und genießt bei den Konservativen hohes Ansehen. Er war der Schatten von Koch, aber in dieser Rolle hat er bewiesen, dass er managen und Menschen zusammenführen kann.

Auch wenn manche in ihm nur den tollpatschigen Verteidigungsminister sehen, er hat für die Soldaten auch etwas erreicht: mehr Geld für den Verteidigungsetat, einen höheren Wehrsold, ein Gesetz darüber, dass auch Versehrte in der Bundeswehr nicht ausgemustert werden und weiter arbeiten können.

Nun muss er zeigen, ob er als Arbeitsminister mehr Erfolg hat. Im Haus an der Wilhelmstraße warten sie auf ihren neuen Chef mit gemischten Gefühlen. Das Ministerium ist nicht in der Mehrheit "sozialdemokratisch", aber "sozialstaatlich". Vom Minister erwarten die Mitarbeiter, dass er eine persönliche Nähe zu dem Thema hat. Die muss der Neuling erst noch beweisen. "Über geringe Löhne, Armut und Arbeitslosigkeit zu sprechen, das muss man schon mögen", sagte ein hochrangiger Beamter des Hauses. Aber vielleicht kann Jung dies ja besser, als über tote Soldaten zu reden.

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  1. Immer zu Diensten
  2. Sie lesen jetzt "Die Kinder sollten mehr singen"
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(SZ vom 27.10.2009/jab)