Ein Kommentar von Thorsten Denkler, Berlin

SPD-Chef Beck und Kanzlerin Merkel können nicht mehr zurück. Deshalb wird das Arbeitslosengeld I wohl schon bald länger gezahlt. Den Sozialdemokraten wird das womöglich nichts nützen.

Die Sache ist wohl entschieden. Sollten ältere Arbeitnehmer trotz des Konjunkturhochs arbeitslos werden, wird ihnen in absehbarer Zeit die Bundesagentur für Arbeit das Arbeitslosengeld I für zwei Jahre statt für nur 18 Monate zahlen.

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Nein, nein, es gibt dazu noch keinen offiziellen Beschluss. Noch ist keine abschließende Pressekonferenz angesetzt, auf der die frohe Botschaft verkündet werden kann. Doch inhaltlich gibt es keinen Weg zurück. SPD-Chef Kurt Beck und Kanzlerin Angela Merkel sind sich im Grundsatz einig. Die Auszahldauer für ältere Arbeitslose wird um sechs Monate verlängert. Beck will nicht anders. Er muss die SPD retten. Merkel kann nicht anders. Sie hat einen Parteitagsbeschluss umzusetzen.

Die Wende wird also kommen. Auch wenn sich in den Details noch einiges an Sprengstoff verbirgt. Der öffentliche Druck zur Einigung ist inzwischen einfach zu hoch. Darum werden beide Seiten höllisch aufpassen, dass der Coup glückt. Ein Scheitern des Projekts wäre für SPD und Union ein Desaster. Man kann nicht den Leuten erst den Mund wässrig reden und dann den in Aussicht gestellten Happen kurzerhand in die Tonne drücken.

Die Verlierer stehen damit auch schon fest: Es sind der "Agenda-2010 Verteidiger" Franz Müntefering und die politische Vernunft. Nicht einmal die glühensten Verfechter des Beckschen Vorstoßes würden behaupten, dass eine Verlängerung des Arbeitslosengeldes I auch nur einen Arbeitsplatz mehr schafft oder einen älteren Arbeitslosen wieder zurück in einen Job bringt.

Es geht hier ausschließlich um die subjektiven Gefühle älterer Arbeitnehmer, die fürchten, bei Jobverlust ruckzuck in Hartz IV zu rutschen. Sechs Monate mehr haben da sicher nicht mehr als einen Placeboeffekt, aber der wird ja zuweilen unterschätzt. Es kann gut sein, dass die Abstiegsangst mit diesem Schritt gelindert wird.

Ob sich die SPD damit allerdings einen Gefallen tut, darf bezweifelt werden. In den Umfragen hat sie seit Beginn der Debatte eher noch an Zustimmung verloren. Wenn das so weitergeht, wird Beck nichts anderes übrig bleiben, als nach und nach die Agenda 2010 einzukassieren. Ganz in dem Sinne: Erst die Partei, dann das Land - und zum Schluss die Vernunft.

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