Die Anhänger von Bush und Obama streiten, wessen Politik die Umwälzung in Nahost ausgelöst habe. Das ist plumpe Rechthaberei, das Volk ist von sich aus aufgestanden. Und wer helfen will, sollte keine Doktrin schreiben.
In den USA ist zur Zeit eine absurde Debatte zu verfolgen. Sie dreht sich um die Frage, ob der Aufstand in Ägypten, die Erhebung der Massen in der arabischen Welt, am Ende nicht George W. Bush zu verdanken sei. Linke und Rechte schlagen sich Argumente um die Ohren, ob demokratische Ideale nun unter dem Präsidenten Bush oder unter dem Präsidenten Barack Obama effektiver verbreitet wurden.
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Die Völker im Nahen Osten und im Maghreb interessieren sich für ihre Freiheit, nicht für die Doktrinen Washingtons. (© dpa)
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Und weil sich in diesem Jahr der Terror vom 11. September zum zehnten Mal jährt, geht es um nicht weniger als um historische Gerechtigkeit: War es nicht dieser George W. Bush, der mit seinen Kriegen die Saat gelegt hat, die nun aufbricht, sprießt und hoffentlich bald Früchte trägt?
Die plumpe Rechthaberei könnte der Welt egal sein, wenn sich dahinter nicht ein großes Übel offenbarte: Die Ideologen in Washington verpassen die eigentliche Botschaft; ihre chauvinistische Überheblichkeit verstellt ihnen den Blick auf die tatsächliche Bedeutung der Ereignisse in Nahost. Denn die Nachricht aus Tunis, Kairo und nun selbst aus Tripolis und Teheran ist eine ganz andere.
Nirgendwo gehen die Menschen auf die Straße und loben auf ihren Protestschildern die segensreiche Wirkung der Präsidenten Bush oder Obama. Nirgendwo wird die Bush-Doktrin diskutiert, die der Namensgeber als seine außenpolitische Hinterlassenschaft sieht: Freiheit und Hoffnung in die Welt der Unterdrückung zu tragen, und dies notfalls auch mit Waffen zu tun, ehe der Gegner seine Botschaft des Terrors und der Gewalt ein zweites Mal in der westlichen Welt platzieren kann.
Es gibt stattdessen drei Wahrheiten, die den Strategen im Westen nicht schmecken werden, die aber alle demokratischen Regierungen bei genauerer Analyse schätzen sollten. Erstens: Der Westen, George W. Bush und selbst Barack Obama spielen keine Rolle bei den Melonenhändlern, Handy-Verkäufern, Buchhaltern und Ärzten, die auf dem Tahrir-Platz den Abtritt von Hosni Mubarak erzwangen.
Die Masse der arabischen Vernunftmenschen
Dieser Aufstand findet ohne den Westen statt - nicht trotz und auch nicht wegen des Westens. Die Massen begehren gegen erlittene Ungerechtigkeit auf, sie wollen sich aus ihrer Enge befreien, die der Westen aus Furcht vor unkalkulierbaren Alternativen zu den verbündeten Potentaten mitgeschaffen hat. Der Aufstand gelingt also aus eigener Kraft, nichts ist geborgt von fremden Mächten.
Zweitens spielen die Kräfte des radikalen Islam augenscheinlich keine Rolle. Islamisten, radikale Muslimbrüder, Prediger des Hasses haben die Revolution nicht ausgelöst, und sie profitieren auch nicht davon. Vielmehr gewinnt die Masse der arabischen Vernunftmenschen Gesicht und Gestalt. Ägypten diskutiert eine Verfassung, die Vorbildcharakter annehmen wird für die ganze arabische Welt. Die Scharia wird darin keine bedeutende Rolle spielen. Dafür kann die Verfassung so demokratisch werden wie kaum eine andere in der Region.
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Bei einem nicht unerheblichen Teil der Bevölkerung der dritten Welt jedoch, ist die Verarmung schon zu weit fortgeschritten, als dass man auf das Internet als Plattform zugreifen könnte. Sonst könnte sich auch dort eine k o l l e k t i v e Wut über drastisch verschlechterte Lebensbedingungen, vor allem bei Preisen für Lebensmittel artikulieren. Wenn wir zur bedeutendsten Quelle dieser Probleme zurückkehren, sehen wir die Spätwirkung einer gigantischen Umverteilung durch die Akteure an der Wallstreet im Rahmen der Finanzkrise der letzten Jahre, sowie - eine anhaltend rücksichtslose und unverantwortliche Geldpolitik des US-Fed (Stichwort `Helikopter-Ben`).
Hier haben wir ein strukturelles Problem: Die Mehrheit der Menschen hierzulande (und leider auch ein großer Teil der Journalisten) kennt sich nicht aus mit dem institutionellen Gefüge Irans. Jemand der es gewohnt ist ausschließlich schlechtes von Iran zu hören, wird gleich hinter jedem positiv anmutenden Satz über Iran "Regimepropaganda" wittern. Dass die Justiz in Iran tatsächlich institutionell unabhängig sein könnte, wird gar nicht erst in Betracht gezogen. In gewissen Sinne ist sie jedoch sogar mächtiger als in Deutschland das Bundesverfassungsgericht. Letzteres kann Gesetzte erst nachdem sie implementiert wurden zurückpfeifen. Die iranische Justiz prüft die Gesetzte vor ihrer Implementierung auf Verfassungskonformität.
Und was sollte falsch an der Forderung sein, dass man sich zumindest grundsätzlich mit dem schiitischen Islam auskennen sollte, bevor man bestimmte Aspekte einer schiitisch geprägten Islamischen Republik analsysieren können sollte? Würden Sie einem Journalisten eine fundierte Analyse über interne institutionelle Aspekte des Vatikans abnehmen, wenn er nicht den Schimmer einer Ahnung über den Glauben des Katholizismus hat? Er muss ja nicht gleich konvertieren, aber auskennen sollte man sich damit schon.
Bitte differenzieren Sie mehr, dann brauchen Sie nicht auf zu einfache Erklärungsmuster à la "Alles Regimepropaganda" zurückgreifen!
Der Umbruch ist längst geschehen, und zwar nicht in Bahrain und auch nicht in Ägypten sondern In Tunesien.
Sie sind den Weg ins ungewisse gegangen,und haben erkannt dass es sich lohnt für die Freiheit zu kämpfen.Das konnte man aber im vorherein nicht wissen.
Zumal das tunesische Volk bei Weitem nicht die Unterstützung des Westen hatte wie das Ägyptische, eben weil sie die ersten waren und man im Westen Angst vor einem Flächenbrand hatte.Nachdem sich aber an dem Beispiel gezeigt hat dass es sich lohnt, folgen ihnen nun alle anderen arabischen Völker auf diesem Weg in die Freiheit.Und jetzt werden wohl noch andere folgen. Ich kenne Tunesien und die Tunesier.Sie haben immer schon eine vorrangige Stellung unter den Arabern und auch in ganz Afrika genossen.Sie sind unbestritten die gebildetsten unter ihnen,wenn sie auch ein sehr kleines Volk sind.Wir werden nun sehen wie schnell und klar es weiter gehen wird in Tunesien und wie schnell das Land modernisiert wird (obwohl es ja eigentlich schon das modernste der Region ist).Andere werden das dann nach dem Vorbild genauso machen.So war beispielsweise die Revolution in Ägypten selbst bis ins noch so kleinste Detail eine Kopie der Revolution in Tunesien.Und das war auch gut so! So hat sich u.a. das Ägyptische Militär auf die Seite des Volkes gestellt,weil es in Tunesien so vorgemacht wurde.Die Araber und letztendlich auch wir können froh sein,dass die Revolution in Tunis ausgebrochen ist und nicht in anderen Land wo das Militär sicher nicht so zimperlich mit dem Volk umgegangen wäre oder gar einen Krieg angezettelt hätte.Nun bleibt den anderen(Gott sei Dank)nichts anderes übrig als es genauso nach tunesischem Vorbild zu machen.Und wohl auch der Iran wird sich das Vorbild Tun zu Herzen nehmen.
Manchmal schreibt die Geschichte komische aber logische Geschichten.
Vielen scheint die Tragweite dessen,was das kleine Tunesien * für sich,für die Region und für die ganze Welt geleistet hat gar nicht klar.
Ich finde all das sollte nicht unterschlagen werden nur weil das Land scheinbar eine nicht so eine große Lobby hat wie andere größere Länder
Danke Tunesien
Bravo!
*ehemals Karthago,zur Erinnerung Karthago: hat Rom in die Knie gezwungen,also sozusagen die Zivilisation,da ist es nicht verwunderlich dass sie vorangehen und andere hinterher,übrigens stecken auch wir genetisch in ihnen,die Vandalen sind deutscher Abstammung und sind damals nach Tunesien ausgewandert um dort ein deutschesKaiserrei
Der Umbruch ist längst geschehen, und zwar nicht in Bahrain und auch nicht in Kairo (Ägypten) sondern In Tunesien.
Sie sind den Weg ins ungewisse gegangen, und haben dann gesehen dass es sich lohnt für die Freiheit zu kämpfen. Das konnte man aber im vorherein nicht wissen.
Zumal das tunesische Volk bei Weitem nicht die Unterstützung des Westens hatte wie das Ägyptische, eben weil sie die Ersten waren und man im Westen Angst vor einem Flächenbrand hatte. Nachdem sich aber an dem Beispiel Tunesiens gezeigt hat, dass es sich lohnt, folgen ihnen nun alle anderen arabischen Völker auf diesem Weg in die Freiheit. Und jetzt werden wohl noch andere Völker folgen. Ich kenne Tunesien und die Tunesier. Sie haben immer schon eine vorrangige Stellung unter den Arabern und auch in ganz Afrika genossen. Sie sind unbestritten die gebildetsten unter ihnen, wenn sie auch ein sehr kleines Volk sind. Wir werden nun sehen wie schnell und klar es weiter gehen wird in Tunesien und wie schnell das Land modernisiert wird (obwohl es ja eigentlich schon das modernste in der Region war und ist). Andere werden das dann nach dem Vorbild Tunesiens genauso machen. So war beispielsweise die Revolution in Ägypten selbst bis ins noch so kleinste Detail eine Kopie der Revolution in Tunesien. Und das war auch gut so!
So hat sich u.a. das Ägyptische Militär auf die Seite des Volkes gestellt, weil es in Tunesien so vorgemacht wurde. Die Araber und letztendlich auch wir können froh sein, dass die Revolution in Tunis ausgebrochen ist und nicht in anderen Land wo das Militär sicher nicht so zimperlich mit dem Volk umgegangen wäre oder gar einen Krieg angezettelt hätte. Nun bleibt den anderen (Gott sei Dank) nichts anderes übrig als es genauso nach tunesischem Vorbild zu machen. Und wohl auch der Iran wird sich das Vorbild Tunesiens zu Herzen nehmen.
Manchmal schreibt die Geschichte komische aber logische Geschichten.
Vielen scheint die Tragweite dessen, was das kleine Tunesien (*) für sich, für die Region und für die ganze Welt geleistet hat gar nicht klar.
Ich finde all das sollte nicht unterschlagen werden nur weil das Land scheinbar eine nicht so eine große Lobby hat wie andere größere Länder.
Danke Tunesien
Bravo!
*(ehemals Karthago, zur Erinnerung Karthago hat Rom in die Knie gezwungen, also sozusagen die "Zivilisation", da ist es nicht verwunderlich das sie vorangehen und andere hinterher, übrigens stecken auch wir genetisch in ihnen, die Vandalen sind
"Auch Mussawi und Karroubi wollten die Islamische Republik niemals abschaffen - nichts liegt denen ferner (sind ja selber in dieser Republik verwachsen, in höchsten Ämtern)."
Genau das ist noch so ein Punkt. Mousavi ist Vieles, aber sicher kein Oppositioneller im Sinne des deutschen Wortes. Der Mann hat so viel Blut an den Händen, gegen den ist Ahmadinezhad ein Weisenknabe. Der redet bislang immer nur vom Blutvergießen, Mousavi hat es angeordnet.
Dieser Mann ist genauso Teil des Systems wie Ahmadinezhad oder Seyyed Ali. Er sollte Anfangs als demokratisches Feigenblatt dienen, den Unzufriedenen ein Ventil bieten. Als die Machthaber und er merkten, dass die Demonstrationen eine Eigendynamik zu entwickeln begannen, war er schnell nicht mehr zu sehen.
Indem dieser Mann ständig als Opposition verkauft wird, soll ein Pluralismus des Systems vorgegaukelt werden, denn es nicht gibt.
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