Araber mit israelischem Pass "Ich bin Bürger 2. Klasse"

1967, als die Israelis den Sechs-Tage-Triumph gegen die umliegenden arabischen Staaten feierten, ging Marae nur gesenkten Hauptes durch die Straßen. "Was bedeutete diese Euphorie für uns? Der Krieg hat die Dinge auf den Kopf gestellt", beschreibt er vorsichtig die ebenso unerwartete wie vernichtende Niederlage der Araber.

Arabische Frauen in der Gegend um Nazareth. Die Aufnahme ist undatiert, entstand aber vor der Gründung Israels 1948

(Foto: Foto: Scherl)

Marae verließ sein Dorf 1969, um in Prag Medizin zu studieren. Er war der Erste, der studierte, bei seiner Abfahrt geleiteten ihn Freunde und Familie in einem großen Festzug zum Dorfausgang.

Die Kommunistische Partei der Tschechoslowakei finanzierte damals sein Studium, nach neun Jahren kehrte er in sein Heimatdorf zurück, wo er bis heute praktiziert. Alte Schwarzweißfotos zeigen einen nachdenklichen Marae im Rollkragenpullover auf dem Prager Wenzelsplatz, Arm in Arm mit einem Studienkollegen aus Mexiko.

"Als ich in Prag ankam, habe ich gedacht, Gott hat mich in den Himmel geschickt", sagt Marae, der sich mit religiösen Anspielungen sonst zurückhält. "Ich bin nicht sehr gläubig."

Das Haus steht leer, die Kinder sind im Ausland

Arbeit und Familie sind eher Werte, an die er sich hält. Er hat sich in Mashad ein großes Haus gebaut, das nun leer steht, weil alle Kinder seinen Weg beschreiten und im Ausland studieren. "In Israel ist es schwieriger für Araber, aufzusteigen", sagt Marae, und seine jüngste Tochter, die im Sommer nach Deutschland geht, nickt zustimmend.

Bürger zweiter Klasse - Marae steigt auf das Dach seines Hauses, er will einen Beweis führen. "Da drüben liegt Nazareth Illit, die jüdische Stadtneugründung von 1957", sagt er, und deutet auf einen vorgeschobenen Wohnkomplex auf dem Hügel, direkt über dem Dächern Mashads.

"Für diesen Ort wird immer wieder Land unserer Dörfer konfisziert." Nazareth Illit absorbiere immer neue jüdische Immigrantenströme aus dem Osten, während Mashad und die anderen Dörfer nicht mehr wachsen könnten.

Warum bleibt er dann hier? Marae verzieht bei der Frage überrascht das Gesicht. "Warum sollte ich gehen? Ich liebe mein Land. Meine Familie ist hier verwurzelt seit Hunderten von Jahren. Wenn ich sterbe, kommen andere Generationen, und das Leben wird weitergehen." Marae glaubt an eine Zukunft friedlicher Koexistenz der beiden Bevölkerungsgruppen.

"Meine Nation ist nicht besser als irgendeine andere. Aber ich denke, dass mein Volk dasselbe Recht zu leben hat wie alle anderen." Ob er damit die Palästinenser in der Westbank und in Gaza meint, für die er zur Zeit der zweiten Intifada in Nazareth auf die Straße ging, oder die israelischen Araber wie seinesgleichen, sagt er nicht.

Yousef Marae hat sich dazu entschossen, seinen Geburtstag etwas später als der Staat zu feiern, im Herbst, am Geburtstag seiner jüngsten Tochter. Denn ihre Geburt, sagt Marae, sei jedes Jahr wieder "ein wunderbares Geschenk."