Der Bundespräsident hat die Regierung dazu ermahnt, bei den Sozialreformen sich nicht "schon wieder zurückzulehnen". Deutschlands Erneuerung stünde erst am Anfang.
Wörtlich sagte Horst Köhler: "Die notwendige grundlegende Erneuerung Deutschlands haben wir noch nicht geschafft. Da stehen wir erst am Anfang". Zwar habe sich die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft deutlich verbessert, sagte der Präsident dem Spiegel.
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Horst Köhler (© Foto: AP)
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"Das ist aber kein Grund, sich schon wieder zurückzulehnen", mahnte das Staatsoberhaupt: "Wir schaffen kein Vertrauen, wenn wir zwei Schritte vor und anschließend wieder einen oder zwei zurück machen."
Köhler kündigte an, auch künftig mit klaren Worten an der politischen Debatte in Deutschland teilzunehmen. "Ich finde, die Bürger haben ein Recht, zu wissen, was der Bundespräsident über bestimmte Dinge denkt."
Köhler will kein "Unterschriftenautomat" sein
Er mahnte die Regierung zu größerer Sorgfalt bei der Formulierung neuer Gesetze. Man müsse auch einen Blick auf die Gesetzgebungskultur werfen, "wenn wir uns auf die Suche nach den Ursachen für die Distanz zwischen Bürgern und Politik machen", sagte der Präsident.
Köhler verteidigte seine Entscheidung, zwei Gesetzen der großen Koalition wegen verfassungsrechtlicher Bedenken die Unterschrift zu verweigern.
Der Präsident habe bei neuen Gesetzen nicht nur ein Prüfungsrecht, sondern auch eine Prüfungspflicht.
"Mir geht es um die Treue zum Grundgesetz. Der Bundespräsident ist kein Unterschriftenautomat", sagte Köhler. Gegebenenfalls müsse die Bundesregierung gegen den Bundespräsidenten klagen:
"Im Übrigen ist der Weg nach Karlsruhe offen, auch wenn der Bundespräsident ein Gesetz nicht unterschreibt."
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(dpa)
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Welche "grundlegende Erneuerung", an deren Anfang "wir" erst stünden, meint der Herr Bundespräsident?
Wessen "Vertrauen" möchte Herr Köhler gewinnen?
Auf wessen Seite diese Regierung steht, dies ist dem politischen Beobachter nicht entgangen. Sie ist ein Direktorium, das gegen weite Teile der Bevölkerung regiert und sich von der Industrie die Gesetze schreiben läßt.