Frankreichs Regierung ist empört über die Aufforderung des israelischen Ministerpräsidenten an die französischen Juden, nach Israel auszuwandern. Statt der von Paris geforderten Erklärung kam aus Scharons Büro erneut der Vorwurf, es gebe in Frankreich Antisemitismus.
Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon ist nach seinen umstrittenen Äußerungen über Antisemitismus vorerst in Frankreich nicht willkommen.
Anzeige
Ein Besuch Scharons werde erst erwogen, wenn Israel die Aufforderung des Regierungschefs an die Juden Frankreichs zur raschen Auswanderung nach Israel erkläre, hieß es in einer Stellungnahme des Amtes von Präsident Jacques Chirac in Paris.
Ohnehin kein Besuch geplant
Scharons Aufforderung an die Juden, wegen des Antisemitismus so schnell wie möglich aus Frankreich nach Israel auszuwandern, hatte in Frankreich allgemeine Entrüstung und Protest ausgelöst, bei Politikern aller Parteien wie auch bei jüdischen Organisationen.
Aus Scharons Büro hieß es, in den kommenden Monaten sei ohnehin kein Besuch Scharons in Frankreich geplant gewesen. Der Premier war zuletzt vor drei Jahren nach Paris gereist.
"Äußerung inakzeptabel"
Das französische Außenministerium nannte die Äußerungen Scharons vom Sonntag "inakzeptabel" und hat sich sofort an die Regierung Israels gewandt und um eine Erklärung gebeten.
Verteidigungsministerin Michèle Alliot-Marie sagte, Frankreich habe die strikteste Gesetzgebung gegen Rassismus und Antisemitismus und sei auch das Land, das am deutlichsten antisemitische Gewalttaten verurteile. Der konservative Figaro sprach von einem Affront. Scharon wolle den Pariser Einfluss neutralisieren, "weil Frankreich als das pro-palästinensischste EU-Land angesehen wird". In Frankreich leben etwa 600.000 Juden, die größte Gemeinde außerhalb Israels nach den USA.
Scharon will eine Million Juden nach Israel holen
Ungeachtet der scharfen Kritik an Äußerungen des israelischen Ministerpräsidenten über Antisemitismus in Frankreich beharrt Ariel Scharon auf seiner Aufforderung an die Juden zur Auswanderung nach Israel.
In einer Mitteilung von Scharons Büro hieß es nach Rundfunkberichten vom Dienstag, der Premier sei weiterhin davon überzeugt, dass es in Frankreich Antisemitismus gebe.
Ungeachtet ernsthafter Gegenmaßnahmen der dortigen Regierung dränge er die französischen Juden zur Immigration nach Israel - genau so wie er Juden in aller Welt dazu rate. Es ist seit Jahren Scharons erklärtes Ziel, noch mindestens eine Million Juden nach Israel zu holen.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(dpa)