Antisemitischer Angriff Jude in Berlin-Mitte zusammengeschlagen

  • In der Neujahrsnacht wurde ein 26-jähriger Jude mitten in Berlin von mehreren Männern mit Fausthieben und Tritten angegriffen.
  • Der Zwischenfall hatte mit antisemitischen Sprüchen begonnen, die die Männergruppe in der U-Bahn skandiert hatte. Der Israeli, der seit 12 Jahren in Deutschland lebt, hatte die Männer aufgefordert, dies sein zu lassen und die Szene gefilmt.
  • Das Aussehen der Täter soll südeuropäisch gewesen sein.
Von Oliver Das Gupta

Mitten in Berlin ist es in der Neujahrnacht zu einem gewalttätigen Übergriff auf einen 26-Jährigen jüdischen Glaubens gekommen. Wie die Berliner Polizei mitteilte, soll der Vorfall in den frühen Morgenstunden im Stadtteil Kreuzberg begonnen haben.

Demnach bestieg das Opfer gegen 2.30 Uhr am Bahnhof Hallesches Tor einen Zug der Bahnlinie U6. Im Waggon bemerkte er etwa sieben junge Männer, die "volksverhetzende Gesänge anstimmten". Unter anderem sollen die Sprüche "Fuck Israel" und "Fuck Juden" gefallen sein, sagte ein Polizeisprecher zu SZ.de. Offenbar richteten sich diese Aussagen nicht direkt gegen den 26-Jährigen. Er forderte die Gruppe auf, dies zu unterlassen und filmte die Szene mit seinem Handy.

Die Personen sollen ihn daraufhin bespuckt haben. Am Bahnhof Friedrichsstraße - einem Verkehrsknotenpunkt in Berlin-Mitte - stiegen das Opfer und die anderen Männer aus. Im Bahnhof forderten sie den Mann auf, die Filmaufnahme zu löschen. Doch er weigerte sich. Daraufhin bespuckten sie ihn abermals, traten und schlugen ihn. Die Berliner Polizei spricht von "Faustschlägen gegen den Kopf".

Rettendes Sicherheitspersonal

Als Sicherheitsleute der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) auftauchten, ließen die Täter von ihrem Opfer ab und rannten weg. Der 26-Jährige erlitt Prellungen und eine Platzwunde am Kopf.

Die Männer, die zuschlugen, sollen südeuropäisch ausgesehen haben. Die Berliner Polizei widerspricht Meldungen anderer Medien (wie hier), die einen rechtsextremen Hintergrund der Tat vermuteten.

Der Polizeiliche Staatsschutz beim Landeskriminalamt Berlin hat Ermittlungen aufgenommen. Die Behörden hoffen, die Täter schnell zu finden; es scheine ja Videomaterial genug zu geben, hieß es.

Im August 2012 war es in Berlin-Friedenau zu einem aufsehenerregenden antisemitischen Übergriff gekommen. Damals war ein Rabbiner von Jugendlichen durch Schläge verletzt worden. Der sechsjährigen Tochter des jüdischen Geistlichen, die daneben stand, drohten die Täter mit dem Tod.

Im Juli 2014 war ein jüdischer Rentner in Berlin geschlagen worden. Anlass war wohl ein Davidstern an seiner Mütze.

Ergänzung 15:22 Uhr:

Bei dem verletzten Mann handelt es sich um einen israelischen Staatsbürger, der seit 12 Jahren in Deutschland lebt. Dies teilte die israelische Botschaft in Berlin auf Anfrage von SZ.de mit.

Die diplomatische Vertretung sieht den Übergriff in der Neujahrsnacht als Teil einer Reihe zahlreicher weiterer antisemitischer Vorfälle, die sich in den vergangenen Monaten in Europa ereignet haben. Die Botschaft nennt als Beispiel die antiisraeischen und antisemitischen Ausfälle während des Gaza-Krieges im Sommer 2014. "Antisemitismus richtet sich gegen die Werte der Demokratie. Menschen, die antisemitisch hetzen, nutzen die demokratischen Spielregeln, um die Demokratie zu verletzen", erklärte die israelische Botschaft.