Interview: Franziska von Kempis

Gewerkschafter Horst Winter, Mitbegründer der Initiative "wir-lassen-uns-nicht-linken.de" über sein liebstes Wahlergebnis und warum es mit der Linken nicht geht.

Horst Winter ist einer der Initiatoren von "wir-lassen-uns-nicht-linken.de", Rentner, und außerdem Mitglied der IG BCE.

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Wir-lassen-uns-nicht linken-Webseite: Die "Inititative für Arbeitsplätze statt Wirtschaftshetze" hat es sich zum Programm gemacht, die Linkspartei attackieren. (© Foto: Screenshot)

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sueddeutsche.de: Herr Winter, warum gibt es die Plattform "www.wir-lassen-uns-nicht-LINKEn.de"?

Horst Winter: Unsere Frage war: Was können wir tun, damit es in Hessen wieder klare Mehrheiten jenseits der Linkspartei gibt? Da kam bei uns die Idee auf, diese Seite zu schalten.

sueddeutsche.de: Wer ist "uns"?

Winter: Wir sind eine Gruppe von zufälligerweise zusammengekommen Gewerkschaftern. Wir haben uns gesagt, na gut, sie haben den Landtag aufgelöst. Was können wir denn jetzt am besten tun, um dem Anspruch der Linken, die Gewerkschaften zu vertreten, entgegenzutreten.

sueddeutsche.de: Was spricht gegen diesen Anspruch?

Winter: Die Parteiprogrammatik der Linken und ihre handelnden Personen. Sie haben einfach nicht im Sinn, die Arbeitsplätze in Hessen sicher zu machen.

sueddeutsche.de: Dann wollen Sie die Linkspartei loswerden?

Winter: Das Ziel von "wir-lassen-uns-nicht-LINKEn" ist, die Linken hier in Hessen aus dem Landtag zu vertreiben.

sueddeutsche.de: Aber Sie sind doch Gewerkschafter. Da müsste es doch Berührungspunkte mit der Linkspartei geben?

Winter: Mit dem derzeitigen Parteiprogramm sicherlich nicht. Das hängt immer von dem Parteiprogramm und den jeweiligen Personen ab. Die linken Kandidaten für den Landtag in Hessen sind ehemalige KPD-Mitglieder, die eine ganz andere Republik wollen. Das kann nicht in unserem Interesse sein.

sueddeutsche.de: Wen sollen die Linkswähler denn dann wählen?

Winter: Eine der demokratischen Parteien. CDU, FDP, SPD oder die Grünen. Alle, aber eben nur nicht die Linken. Deshalb ist unser Aufruf vollkommen neutral und nicht parteipolitisch gefärbt. Auch die Aussage der Linken, wir wären CDU-gesteuert, ist vollkommener Quatsch. Wir kriegen kein Geld von irgendeiner politischen Organisation. Wir bezahlen das aus eigener Tasche, aus privaten Mitteln. Es kostet praktisch nur Freizeit und die Web-Site.

sueddeutsche.de: Haben Sie nicht auch Gegner in den Gewerkschaften?

Winter: Es gibt auch Gewerkschafter, die bei den Linken sind. Es gibt aber eben auch Gewerkschafter, die die Situation komplett anders sehen. Es ist ja üblich, dass in einer Gewerkschaft sowohl CDU- und SPD-Mitglieder wie auch Grüne mit dabei sind - und das ist ja auch gut so.

sueddeutsche.de: Welches Wahlergebnis würden Sie sich denn wünschen?

Winter: Mein persönlicher Wunsch wäre eine rot-grüne Koalition - das Ziel "Koch muss weg" gilt immer noch.

sueddeutsche.de: Wie sind die Reaktionen auf Ihre Initiative?

Winter: Sehr positiv. Heute Morgen waren 70.000 Besucher auf der Seite. Das sind schon stolze Zahlen für diese kurze Laufzeit - die Seite gibt es ja erst seit Dezember. Also können wir schon optimistisch sein, dass es uns vielleicht gelingen wird, genug Leute zu erreichen, die eventuell links gewählt hätten und es nun doch nicht tun werden.

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(sueddeutsche.de/gba)