Der Gandhi-Anhänger hatte die Regierung bereits im April mit einem Hungerstreik, dem sich zahlreiche Menschen angeschlossen hatten, zu Verhandlungen über das Gesetz zu Anti-Korruptions-Maßnahmen gezwungen. Der am 4. August von der Regierung ins Parlament eingebrachte Gesetzvorschlag geht Hazare aber nicht weit genug. Einer der vielen Streitpunkte ist, ob auch der Premierminister und Richter unter die Gewalt einer neuen mächtigen Institution fallen sollen, die Korruption verfolgt.

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Korruption beginnt ganz oben, davon sind viele Inder überzeugt. Die Gelder fließen von Politikern und hohen Beamten in die Taschen ihrer Untergebenen. Parteien kaufen Stimmen, in dem Wissen, dass die erfolgreichen Kandidaten durch Missbrauch ihrer Ämter wieder Geld hereinbringen. "Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen Korruption und schlechter Staatsführung. Die Korruption hat die Demokratie unterminiert", sagt BS Batwa von Transparency International Indien.

Auf der Webseite "Ipaidabribe.com" (IchhabeSchmiergeldbezahlt) kann man korrupte Beamte bloßstellen, man postet, wo man wieviel zahlen musste. Mit 13.000 Korruptionsfällen sei die Seite zum weltweit größten Sammelbecken für Opfer geworden, sagt einer der Koordinatoren des Angebots. Jetzt wird ein Showdown zwischen Bevölkerung und Politikern befürchtet. "Ich bin nicht optimistisch. Die Bewegung könnte gewalttätig werden, wenn die Regierung nicht schnell genug reagiert", sagt der Soziologe Shiv Vishvanathan.

Er sagt, dass die Aktivisten es nicht mit den gewieften Politikern aufnehmen können, die alles tun würden, um die Anti-Korruptionsbewegung zu unterdrücken. Wenn jedoch erst einmal mächtige Minister der Korruption überführt und verurteilt werden, könnte dies als Beispiel dienen, hofft Batwa. Am wichtigsten sei jedoch, dass die Menschen beginnen, sich zu weigern, Bestechungsgelder zu zahlen.

Rohit Singh aus Delhi ist einer von ihnen. "Meine Freunde und ich haben geschworen, kein Schmiergeld zu zahlen." Vor kurzem sollte er einen Polizisten bezahlen, um einer Verkehrsstrafe zu entgehen. "Ich habe darauf bestanden, die höhere Strafe zu bezahlen. Der Polizist war verwirrt und konnte nur verlegen lächeln", erzählt der Student.

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(sueddeutsche.de/dpa/Siddharta Kumar/segi)