In der spanischen Haupstadt Madrid haben gestern hunderttausende Menschen aus Protest gegen die Anti-Terrorpolitik der spanischen Regierung protestiert.

Die Demonstranten gingen auf die Straße, um gegen Hafterleichterungen für einen wegen Mordes verurteilten ETA-Aktivisten zu prostieren. Sie forderten den Rücktritt des sozialistischen Ministerpräsidenten José Luis Rodriguez Zapatero, dem sie zu große Nachgiebigkeit gegenüber der baskischen Untergrundorganisation vorwarfen.

Anti-Eta-Demonstration, Reuters

Protest gegen die Anti-Terrorpolitik der spanischen Regierung (© Foto: Reuters)

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Auf Transparenten bezeichneten sie Zapatero als "Verräter". Zu dem Protest hatte die oppositionelle Volkspartei (PP) aufgerufen.

Die von der Partei gestellte Madrider Regionalregierung bezifferte die Zahl der Demonstranten auf 2,1 Millionen. Damit wäre es die größte Demonstration in Spanien seit Jahren gewesen. Das Innenministerium sprach dagegen lediglich von rund 350.000 Teilnehmern.

Vizeregierungschefin María Teresa Fernández de la Vega warf der PP "politische Agitation" vor. Es sei unverantwortlich, die Bevölkerung auf diese Weise gegen die Regierung zu mobilisieren, nur um wieder an die Macht zu kommen. Oppositionsführer Mariano Rajoy sagte, seine Partei habe das Recht, die Menschen aufzurufen, ihren Unmut über Zapatero zu äußern.

Der ETA-Aktivist José Ignacio de Juana Chaos war am 1. März von einem Gefängnis in Madrid ins Baskenland verlegt worden. Dies gilt als erster Schritt zur Verbüßung der Reststrafe in Hausarrest. De Juana Chaos war 1987 wegen 25 Morden verurteilt worden. Bis vor wenigen Tagen befand er sich aus Protest gegen eine neue Haftstrafe im Hungerstreik. Diese wurde dem Basken auferlegt, weil Zeitungsartikel von ihm als terroristische Drohungen interpretiert wurden.

Die Ärzte hatten gewarnt, der 51-Jährige könne jederzeit sterben. Der Terrorist, der nie Reue gezeigt hat, beendete nur Stunden nach der Entscheidung der Regierung seinen Hungerstreik. Derzeit erholt er sich in einem Krankenhaus im Baskenland.

"Während andere Regierungen versuchten, die ETA-Gefangenen im Gefängnis zu behalten, haben wir zum ersten Mal eine Regierung, die darauf hinarbeitet, sie freizulassen", sagte der 30 Jahre alte Anwalt Alvaro Soldevilla, der mit seiner Frau und beiden Kindern an der Demonstration unter dem Motto "Spanien für Freiheit, keine weiteren Zugeständnisse an die ETA" teilnahm. Es war bereits die dritte derartige Kundgebung binnen eines Monats.

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(sueddeutsche.de/AP/dpa)