Anti-Drogen-Kampf Präsident der Philippinen attackiert Vereinte Nationen

Der 71-jährige Rodrigo Duterte ist seit Ende Juni Präsident der Philippinen.

(Foto: AP)
  • Duterte, der Präsident der Philippinen, droht mit dem Austritt seines Landes aus den Vereinten Nationen, falls sich die UN weiterhin in die inneren Angelegenheiten seines Landes einmischten.
  • Seit seinem Amtsantritt wurden mehr als 600 mutmaßliche Drogendealer umgebracht - ohne Gerichtsurteil.

Der neue philippinische Präsident Rodrigo Duterte hat nach der Kritik der Vereinten Nationen an seinem rigorosen Anti-Drogenkampf mit einem Austritt seines Landes aus der Staatengemeinschaft gedroht. Er wirft den UN und ihren Experten Einmischung in die inneren Angelegenheiten seines Landes vor. "Ich will euch nicht beleidigen, aber vielleicht werden wir einfach entscheiden müssen, uns von den Vereinten Nationen zu trennen", sagte Duterte in seiner Heimatstadt Davao. Der Nachrichtenagentur AFP zufolge sagte er zudem über die UN: "Wenn du so respektlos bist, Hurensohn, dann werde ich dich einfach verlassen."

Seit Dutertes Amtsantritt als Präsident Ende Juni sind nach Polizeiangaben mehr als 600 mutmaßliche Drogendealer getötet worden. Niemand wurde für die Tötungen zur Rechenschaft gezogen, weil sich viele der Verdächtigen angeblich bei der Festnahme wehrten. Menschenrechtler werfen Duterte vor, Todesschwadronen zu dulden. Auch die UN-Beauftragte Agnes Callamard hatte ein Ende der "ungesetzlichen Tötungen" mutmaßlicher Drogenhändler gefordert und Duterte scharf kritisiert, weil er diese hinnehme.

Die UN hätten beim Kampf gegen Hunger und Terrorismus versagt

Der Präsident erhob im Gegenzug schwere Vorwürfe gegen die UN: "Wenn ihr etwas Schlechtes über mich sagen könnt, kann ich zehn Dinge (gegen Euch) dagegen halten." Die Vereinten Nationen hätten ihre Ziele bei der Bekämpfung von Hunger und Terrorismus und der Gewalt in Syrien und im Irak verfehlt, kritisierte er.

Duterte war im Mai unter anderem aufgrund des Wahlkampfversprechens, die Drogenkriminalität radikal zu bekämpfen, mit großer Mehrheit zum Präsidenten der Philippinen gewählt worden. Er schwor, das mehrheitlich katholische Land mit seinen mehr als 100 Millionen Bewohnern innerhalb von sechs Monaten von Drogenkriminalität und Korruption zu befreien. Menschenrechtler werfen ihm vor, indirekt zu Verbrechen aufzurufen. Schon im Wahlkampf hatte der 71-Jährige den Einsatz von Todesschwadronen befürwortet. Bereits während seiner Zeit als Bürgermeister von Davao waren dort Hunderte Kleinkriminelle umgebracht worden, ohne dass je jemand dafür verurteilt wurde.

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