Mit Sitzblockaden, Traktoren und Betonpyramiden ist es Demonstranten gelungen, den elften Castor-Transport massiv zu behindern. Erst nach fast 80 Stunden ist der Konvoi in der Nacht ans Ziel gelangt. Die Kosten für die Aktion belaufen sich womöglich auf weit mehr als 20 Millionen Euro.

Begleitet von heftigen Protesten hat der elfte Transport mit hoch radioaktivem Atommüll nach fast 80 Stunden Fahrt das Zwischenlager Gorleben in Niedersachsen erreicht. Die elf Behälter mit Resten alter Brennelemente aus deutschen Atomkraftwerken trafen gegen 0:17 Uhr nach etwa einstündiger Fahrt in Gorleben ein, fast einen Tag später als geplant.

Auch Betonblöcke, an die sich Demonstranten gekettet hatten, konnten letztlich nur für wenige Stunden den Castor-Transport aufhalten (© Foto: Reuters)

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Der jüngste Transport könnte nach einer Schätzung des niedersächsischen Innenministers Uwe Schünemann teurer gewesen sein als erwartet. Er müsse eine Ausweitung der Kosten befürchten, sagte der CDU-Politiker der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. Bisher war von 20 Millionen Euro ausgegangen worden. Zur Begründung sagte Schünemann, der Polizeieinsatz zur Begleitung des Castor-Transports ins Zwischenlager Gorleben sei diesmal aufwendiger und schwieriger als 2006 gewesen.

"Wir sind auf deutlich mehr gewaltbereite Demonstranten gestoßen", erklärte er. Niedersachsen dürfe nicht allein auf den Kosten sitzenbleiben: "Die anderen Länder sollten sich beteiligen", betonte Schünemann. Schließlich erfülle die Polizei mit dem Schutz der Castor-Transporte eine bundesweite Aufgabe. Mit seiner Forderung nach einer Beteiligung der anderen Länder war Niedersachsen 2006 erfolglos geblieben, wie es in dem Bericht weiter hieß.

Nach dem Atommüll-Transport forderten Anti-Atom-Initiativen die Bundesregierung erneut zum Ausstieg aus der Atomenergie auf. Sie kündigten weitere Proteste gegen ein mögliches Endlager für hoch radioaktiven Atommüll im Salzstock Gorleben an. Die Polizei löste zuvor mehrere Blockaden von Kernkraftgegnern auf. Die Beamten beklagten eine hohe Gewaltbereitschaft einiger Protestierender.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) kritisierte die Blockadeaktionen. "Das Besetzen von Gleisen können wir nicht akzeptieren", sagte Gabriel. Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, rügte die vorsichtige Einsatztaktik der Behörden scharf. "Der Staat hat sich von den Atomkraftgegnern peinlich vorführen lassen."

In Grippel hatten sich am Montagnachmittag acht Demonstranten an Betonpyramiden festgebunden. Die Polizei benötigte rund elf Stunden, bis sie am späten Abend die Atomkraftgegner freibekam.

Bei anschließenden Störversuchen von Demonstranten setzte die Polizei Wasserwerfer ein. Vor dem Zwischenlager selbst hatten rund 1000 Demonstranten bis Montagnachmittag die Zufahrt blockiert. Sie hatten dort teilweise seit Samstag campiert. Die Polizei trug die Protestierenden am späten Nachmittag einzeln von der Straße.

Der Transport war am Freitagabend in Frankreich gestartet. Schon in der Nacht zum Montag kam der Zug aufgrund der massiven Proteste von Kernkraftgegnern schon deutlich später als erwartet am Verladebahnhof im niedersächsischen Dannenberg an. In unübersichtlichen Waldstücken war es zu Ausschreitungen gekommen. Drei Atomkraftgegner gelangten auf den fahrenden Zug.

Streit gab es um die Strahlung des Transportes. Bei den offiziellen repräsentativen Messung von insgesamt drei der elf Behälter in Dannenberg seien alle Grenzwerte eingehalten worden, betonte das niedersächsische Umweltministerium.

Dagegen kritisierte Greenpeace unter Hinweis auf eigene Messungen, die erstmals für die Fahrt nach Gorleben verwendeten französischen Atommüll-Behälter TN 85 setzten deutlich mehr Neutronenstrahlung frei als die alten Castor-Behälter. Die Strahlung sei 40 Prozent höher als beim Castor-Transport 2005. Auch die Umweltschutzorganisation ging aber davon aus, dass die Grenzwerte eingehalten werden.

"Lug und Trug"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) müsse einsehen, dass der Salzstock als Endlager nicht durchsetzbar sei, sagte ein Sprecher der Initiative "X-tausendmal quer" am frühen Dienstagmorgen bei Gorleben. Die Atomkraftgegner kritisierten die Pannen im einsturzgefährdeten Atommülllager Asse bei Wolfenbüttel und sprachen von "Lug und Trug".

Die Polizei beklagte eine hohe Gewaltbereitschaft der Demonstranten. Der Gesamteinsatzleiter der Bundespolizei, Thomas Osterroth, sagte, die Atomkraftgegner seien teils mit krimineller Energie vorgegangen, etwa bei Unterhöhlungen von Gleisen. Auch sei mit Signalmunition auf Polizeihubschrauber geschossen worden. Unter den Demonstranten waren nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden auch 800 bis 1000 Autonome, die als besonders gewaltbereit galten.

Der Atommüll-Transport enthält die Reste alter Brennelemente aus deutschen Kernkraftwerken. Der Müll war für die Zwischenlagerung in der Wiederaufarbeitungsanlage La Hague in Frankreich in Container verpackt worden. Der Sonderzug nach Gorleben war von dort am Freitagabend gestartet.

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(dpa/ihe)