Ansprache des Bundespräsidenten Friede, Freude, Eierkuchen

Am Sonntag wird die Ansprache des Bundespräsidenten ausgestrahlt. Doch schon jetzt ist bekannt, was Christian Wulff in der vorab aufgezeichneten Rede zu den Vorwürfen um seinen umstrittenen Privatkredit und den Beziehungen zu befreundeten Unternehmern sagen wird: nichts.

Bundespräsident Christian Wulff wird in seiner Weihnachtsansprache kein einziges Wort zur Kreditaffäre um sein Privathaus und zu den umstrittenen Verbindungen mit befreundeten Unternehmern sagen: Bei der am Mittwochnachmittag im Schloss Bellevue aufgezeichneten Rede habe Wulff vor allem über den Zusammenhalt in der Gesellschaft und in Europa gesprochen. Zudem habe er sein Treffen mit Hinterbliebenen der Neonazi-Mordserie erwähnt und sich für einen verstärkten Kampf gegen Rassismus ausgesprochen; das verlautete aus Teilnehmerkreisen.

Die Weihnachtsansprache des Bundespräsidenten wird stets einige Tage vor dem Fest aufgezeichnet und am ersten Weihnachtstag ausgestrahlt. Zu der Fernsehaufzeichnung waren rund 70 Gäste geladen. Dabei handelte es sich um Ehrenamtliche wie etwa Vertreter der Telefonseelsorge und der Feuerwehr sowie Teilnehmer der ersten Einbürgerungsfeier im Schloss Bellevue in diesem Jahr.

Der Druck auf den Bundespräsidenten war zuvor gewachsen: So ließ Wulff über seinen Anwalt bestätigen, dass der Geschäftsmann Egon Geerkens an den Gesprächen über das Darlehen seiner Ehefrau an den damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten im Jahr 2008 beteiligt war.

Demnach habe der Unternehmer Wulff auch bei der Auswahl des Hauses und den Modalitäten des Kredits beraten. Geerkens sei "aufgrund seines besonderen Sachverstands und der freundschaftlichen Beziehungen eingebunden" gewesen. Der Anwalt bestätigte damit eine Darstellung, über die der Spiegel bereits vor Tagen aufgrund von Geerkens Aussagen berichtet hatte.

Gleichzeitig erhielt Wulff demonstrativ Rückhalt aus der Koalition. Verteidigungsminister Thomas de Maizière sagte der Berliner Zeitung, er habe "volles Vertrauen" in das Staatsoberhaupt. Einen Rücktritt Wulffs schloss de Maizière indirekt aus, der Präsident übe "sein Amt hervorragend" aus. Unterstützung erhielt das Staatsoberhaupt auch von den CSU-Politikerinnen Ilse Aigner und Gerda Hasselfeldt.

Wulff steht in der Kritik, weil er 2010 vor dem Landtag in Hannover versichert hatte, er habe keine geschäftlichen Beziehungen zum Unternehmer Geerkens. Den zinsgünstigen 500.000-Euro-Kredit der Ehefrau erwähnte er nicht. Am Wochenende hatte er zudem offengelegt, dass er als Ministerpräsident mehrfach Urlaub in Feriendomizilen von Unternehmern verbrachte.