Anschlagspläne veröffentlicht Israel wirft Türkei doppeltes Spiel vor

Die Türkei als Schutzmacht der Hamas: Nun gibt es schwere Vorwürfe.

(Foto: REUTERS)

Eine Attacke auf ein Fußball-Stadion, Bomben in der Straßenbahn: Israel veröffentlicht die grausamen Pläne einer Hamas-Zelle, die angeblich in Istanbul sitzt. Nun beschuldigt Jerusalem die Türkei, die Terroristen nicht zu bekämpfen.

Von Peter Münch, Tel Aviv

Autobomben, Attentate, Entführungen - es ist eine Liste des Grauens, die der israelische Inlandsgeheimdienst Shin-Beth nun veröffentlicht hat. Die umfänglichen Anschlagspläne, die Israel und das palästinensische Westjordanland in ein Chaos hätten stürzen sollen, werden einer Hamas-Zelle zugeschrieben, die bereits im September ausgehoben worden ist. 34 Männer wurden verhaftet und verhört, die zunächst verhängte Nachrichtensperre ist erst jetzt gelüftet worden.

Besonders pikant: Die Kommandozentrale dieses Terrornetzwerks soll in der Türkei sitzen. Das ohnehin angespannte Verhältnis der beiden einstigen Verbündeten wird dadurch noch einmal neu belastet.

Als Schutzmacht der Hamas hatte sich die Türkei schon im Gaza-Krieg dieses Sommers gezeigt. Präsident Recep Tayyip Erdoğan lässt kaum eine Gelegenheit aus, Israel Kriegsverbrechen vorzuwerfen. Nun schlägt Israel zurück mit der Behauptung, dass von einem "Hamas-Hauptquartier" in Istanbul aus die Terrorzelle aufgebaut und dirigiert worden sei.

Die Türkei wehrt sich gegen die Vorwürfe

"Das ist eine sehr besorgniserregende und ernste Entwicklung", sagte der Minister für Strategische Angelegenheiten, Juval Steinitz. Er wirft der Regierung in Ankara ein doppeltes Spiel vor. "Die Türkei ist ein Mitglied der Nato, die gegen den Terror kämpft", betonte er, "und die Hamas ist eine Terror-Organisation." Gefordert wird nun, dass die Nato und die US-Regierung Druck auf Ankara ausüben.

Aus der Türkei kam am Freitag ein promptes Dementi, allerdings zunächst nur aus diplomatischen Quellen, die anonym bleiben wollten. Von "Lügen und Irreführung" ist die Rede. Die Türkei führe zwar einen Dialog mit der Hamas, würde aber niemals einer Terror-Organisation erlauben, von ihrem Boden aus zu operieren. "Es gibt Elemente in Israel, die alle Bemühungen torpedieren wollen, die Beziehungen zwischen beiden Staaten wieder zu verbessern", zitiert die Nachrichtenseite Ynet einen türkischen Diplomaten.

Netanjahu heizt die Stimmung an

Es ist überdies schon das zweite Mal, dass Israel die Türkei mit Hamas-Plänen in Verbindung bringt. Im August war ein Terror-Plot publik gemacht worden, demzufolge von Istanbul aus ein Staatsstreich gegen Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas vorbereitet worden sei. Auch nun meldet der Shin-Beth, Ziel der geplanten Terror-Serie sei es gewesen, Israel zu einer solch massiven Antwort zu provozieren, die zum Kollaps der in Ramallah regierenden Autonomiebehörde hätte führen sollen.

Beide Seiten fachen die Flammen an

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Die nun vom Geheimdienst veröffentlichten Anschlagspläne sind dazu geeignet, die israelische Öffentlichkeit zu alarmieren. Geplant war demnach eine Terrorattacke auf das "Teddy-Stadion" in Jerusalem, in dem der Erstliga-Fußballclub Beitar spielt, sowie ein Anschlag auf die dortige Straßenbahn.

Im Verhör gaben die Verhafteten an, es seien Überfälle auf Siedlungen und Geiselnahmen in Israel sowie im Ausland trainiert worden. Premier Benjamin Netanjahu lobte die Sicherheitskräfte für die Aufdeckung des Komplotts - und heizte die Spannung weiter an. Es sei entschieden worden, diesen Fahndungserfolg jetzt bekannt zu machen, sagte er, "aber es gibt noch viele weitere, die wir geheim halten".