Anschlag in Hannover 15-Jährige soll im Auftrag des IS Polizisten verletzt haben

  • Deutsche Sicherheitsbehörden prüfen, ob der IS in Deutschland erstmals einen Terroranschlag angeordnet hat.
  • Der Verdacht stützt sich auf der Auswertung von Chat-Protokollen der 15-jährigen hannoverschen Schülerin Safia S.
  • Darin schrieb die Jugendliche einem Glaubensbruder, sie habe in Kontakt mit den Dschihadisten gestanden.
Von Lena Kampf und Georg Mascolo

Deutsche Sicherheitsbehörden prüfen, ob es in Deutschland erstmals zu einem vom sogenannten Islamischen Staat (IS) in Auftrag gegebenen Terroranschlag gekommen ist. Nach Informationen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR begründet sich dieser Verdacht auf eine inzwischen weitgehend abgeschlossene Auswertung von Chat-Protokollen der 15 Jahre alten hannoverschen Schülerin Safia S., die Ende Februar im dortigen Hauptbahnhof einem Bundespolizisten in den Hals stach.

In den Chat-Protokollen schrieb Safia S. einem Glaubensbruder in Hannover, sie habe bei einem Aufenthalt in der Türkei mit "Angestellten" der IS-Regierung in Verbindung gestanden. Statt der von ihr erhofften Weiterreise nach Syrien habe es aber eine "Planänderung" gegeben, die IS-Mitglieder hätten sie aufgefordert, zurück nach Deutschland zu gehen, um eine "Überraschung für die Ungläubigen" zu machen. "Sie haben mir gesagt, es hat einen größeren Nutzen." Es könne "richtig spaßig" werden. Auch von einer "Märtyrer-Operation" ist die Rede. Tatsächlich wurde Safia S. von ihrer Mutter nach Hannover zurückgeholt, kurz darauf beging sie den Mordversuch an dem Polizisten.

Tag der Anschläge von Paris war ihr "Lieblingstag"

Aus den ausgewerteten Chats ergibt sich zudem, dass Safia S. offenbar bereits seit einiger Zeit mit dem IS sympathisierte. So schrieb sie nach den Anschlägen von Paris, dies sei ihr "Lieblingstag" gewesen, "weil unsere Löwen in Paris im Einsatz waren".

Der Fall hat unter deutschen Sicherheitsbehörden erhebliche Unruhe verursacht. Inzwischen wird geprüft, ob der IS deutsche Dschihadisten mit Anschlagsplänen nach Hause zurückschickt. Im Fall von Safia S. hat der Generalbundesanwalt die Ermittlungen übernommen, der Bundesgerichtshof erließ Haftbefehl wegen versuchten Mordes und Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung. Auch gegen ihren Chatpartner wird inzwischen wegen Nichtanzeige eines Verbrechens ermittelt.

Eine Sprecherin des Generalbundesanwalts erklärte auf Anfrage, es gebe "Verdachtsmomente, dass der Tat ein konkreter Auftrag von Verantwortlichen des so genannten Islamischen Staates zugrunde lag". Für eine "abschließende Bewertung" sei es aber noch zu früh. Der Anwalt von Safia S., Mutlu Günal, erklärte, der Verdacht, seine Mandantin habe einen "Auftrag aus Syrien" erhalten, sei "Unsinn, das ist nicht wahr". Safia S. hat dem von ihr niedergestochenen Polizisten bereits vor einiger Zeit einen Entschuldigungsbrief geschrieben.

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