Obwohl ein Arzttrupp sofort Hilfe leistet, kommt ein Soldat der Bundeswehr bei einem Sprengstoffanschlag in Afghanistan ums Leben.
"Es war ja nur eine Frage der Zeit, bis das passieren würde", raunte ein Offizier am Mittwoch im Verteidigungsministerium in Berlin. Ein sichtlich betroffener Minister Franz Josef Jung musste dann bestätigen, dass am Morgen um 9.25 Uhr Ortszeit (6.55 Uhr deutscher Zeit) in Afghanistan ein Soldat der Bundeswehr bei einem Anschlag getötet worden war. Er war das erste Todesopfer in den Streitkräften seit 15 Monaten, das bei einem gewaltsamen Angriff ums Leben kam.
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Ein deutscher ISAF Soldat 2007 in Kabul, Afghanistan. (© Foto: AP)
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Der 29-jährige Hauptfeldwebel der Fallschirmjägerbrigade 263 aus Zweibrücken hatte im Führungsfahrzeug eines aus acht Autos bestehenden Konvois gesessen. Nach Durchqueren einer Furt im Kundus-Fluss, sechs Kilometer südlich des deutschen Feldlagers in der nordafghanischen Stadt, fuhr der leicht gepanzerte Geländewagen in die Sprengfalle. Sie wurde laut Jung per Draht ausgelöst.
Feiger, hinterhältiger Anschlag
Der Hauptfeldwebel wurde so schwer verwundet, dass er kurz darauf starb, obwohl ein Arzttrupp im Konvoi sofort Hilfe leistete. Drei Soldaten wurden nicht lebensgefährlich verletzt und ins Lazarett nach Masar-i-Scharif geflogen.
Jung sprach den Angehörigen der Opfer sein "tief empfundenes Mitgefühl" aus. "Der feige, hinterhältige Anschlag darf uns aber nicht von unserem Auftrag abhalten, in Afghanistan Stabilität und friedliche Entwicklung herzustellen", sagte er.
Jung räumte ein, dass sich die Sicherheitslage in Afghanistan verschärft habe. Deshalb seien auch Fallschirmjäger zur Verstärkung entsandt worden. Zu ihnen gehörten die jetzt von dem Anschlag betroffenen Soldaten. Man tue alles, um den Schutz der Soldaten zu gewährleisten, doch sei man vor derartigen Anschlägen "leider nicht gefeit", sagte Jung.
Erst in der vergangenen Woche war eine Bundeswehr-Patrouille im Nordosten Afghanistans beschossen worden. Deutsche Soldaten wurden bei diesem Zwischenfall nicht verletzt. Vor drei Wochen waren bei einem Angriff auf deutsche Soldaten nahe Kundus drei Männer verwundet worden, zwei von ihnen schwer.
US-Jets töten 90 Zivilisten
Inzwischen bestätigte sich trotz Dementis des US-Militärs, dass US-Jets bei Kämpfen gegen die Taliban 90 Zivilisten getötet haben. Ein UN-Team war in die zerstörten Dörfer in der westlichen Provinz Herat gereist. Es fand "überzeugende Belege" dafür, dass bei den Anti-Taliban-Bombardements 90 Zivilisten, unter ihnen 60 Kinder und 15 Frauen, umgekommen sein.
Dies erklärte ein Sprecher von Unama, der UN-Mission für Afghanistan. Die afghanische Regierung hatte die hohen Opferzahlen zuvor ebenfalls bekanntgegeben. Sie forderte, dass die Einsatzregeln für die Koalitionstruppen so geändert werden, dass Zivilisten der größtmögliche Schutz zukommt.
Das US-Militär als Führer der Afghanistan-Koalition hatte nach anfänglichen Dementis nur eingeräumt, dass bei Gefechten in der Provinz Herat gegen die Taliban fünf Zivilisten ums Leben gekommen seien. Bei den Bombardements seien 30 Taliban-Kämpfer getötet worden. "Wir gehen davon aus, dass die toten Zivilisten zur Familie des ins Visier genommenen und getöteten Militanten Mullah Sadiq gehörten. Sadiq war ein wichtiges Ziel."
Die hohen zivilen Opferzahlen können nicht erstaunen: Die Taliban gehen in den abgelegenen Dörfern des Landes ein und aus. Die Bewohner haben keine Möglichkeit, den Bewaffneten den Zugang zu verwehren. Oft unterstützen sie die Taliban ohnehin. Bei Bombenangriffen der Nato ziehen sich die Aufständischen in die Dörfer zurück und machen die Zivilisten bewusst zu Zielen der Luftangriffe.
Zudem sind die ausländischen Soldaten schlecht mit der Bevölkerung und dem Territorium vertraut. Dies zeigen neue Berichte über die Kämpfe nahe Sarobi in Ostafghanistan. Dort waren vergangene Woche zehn französische Soldaten umgekommen und 21 verletzt worden. Laut der Wochenzeitung Le canard enchaîné war die Patrouille an die Taliban verraten worden; ihr afghanischer Übersetzer hatte sich vor Beginn des Einsatzes abgesetzt.
Vier der Franzosen seien von den Taliban gefangen genommen und hingerichtet worden. Die die Franzosen begleitenden Soldaten der afghanischen Armee seien schon bei Beginn der Gefechte geflüchtet, hieß es laut dpa weiter. Die französische Armeeführung habe diese Details verschwiegen.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(SZ vom 28.08.2008)
Stockender Kita-Ausbau
Eine solche Sprengfalle ist doch nicht feige und hinterhältig, sondern eine ganz normale militärische Handlung. Sowas lernt man auch bei der Bundeswehr, selbst als Wehrdienstleistender hab ich in der Lüneburger Heide Sprengfallen gebastelt.
Etwas anderes finde ich in diesen Zusammehang bemerkenswerter: In einem Land, in dem auf 25 - 30 Millionen Einwohner ca 1500 Ärzte kommen, ist bei einerBundeswehr- Patrouille sofort ein ganzer Arzttrupp zur Stelle.
Wer hilft zum Beispiel den vielen Verletzten bei Überfällen durch US-Kampfjets ? Die haben doch kaum eine Chance!
Den Angehörigen nicht nur der deutschen sondern aller Toten und Verletzten gehört mein ganzes Mitgefühl.
"Obwohl ein Arzttrupp sofort Hilfe leistet, kommt ein Soldat der Bundeswehr bei einem Sprengstoffanschlag in Afghanistan ums Leben."
Da gibt es scheinbar Menschen, die sich kaum vorstellen können, dass ein militärischer Auslandseinsatz tödlich endet und dass auch der größte Ärztetrupp keine Götter in Weiß sind.
Dies ist keine Reality-Show, sondern Reality!
www.carlvonclausewitz.de/vom_kriege_1_1.php
sind die Versuche, in diesem Land so etwas wie "unsere" Gesellschaftsordnung zu installieren, dass ich die Details, wie all die armen Hunde der verschiedenen Armeen geopfert werden, nicht mehr hören kann. Afghanische Übersetzer setzen nicht über, sondern sich selbst ab wenn's auf Patrouille geht, die ruhmreichen Angehörigen der Karzai-Armee verpieseln sich, sobald es knallt, in der Regierung sitzen im besten Fall Korrupte und im schlechtesten Fall Drogenbarone - aber "unsere" (sprich des Westens) Soldaten sollen den Kopf dafür hinhalten. Raus aus dem Land und eine Mauer drumherum gezogen. Und komme mir jetzt keiner mit der Schuld der Amerikaner, die mit ihren zugegeben hirnlosen Bombardierungen de Situation gewiss nicht verbessern. Es gibt einfach strukturelle Antagonismen, die sich nicht überwinden lassen: dann bleibt nur Auslöschung des Gegners (was wir aus Gewissensgründen nicht wollen können), oder Isolierung.
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