Er verschanzt sich in seinem Anwesen in Südfrankreich vor der Journalistenmeute - und versucht zu verstehen, was sein Sohn angerichtet hat: Wie der Vater des Attentäters, ein Diplomat im Ruhestand, mit der schrecklichen Tat umgeht. Mit Video.
Es ist ein abgeschiedenes Anwesen in Südwestfrankreich mit Swimmingpool und Blick auf die Pyrenäen. Es liegt am Ende eines langen Weges; Rosenstöcke, Oleander und Lavendel säumen das Eingangstor, das ungewöhnlich hoch ist, so wie auch der Zaun ringsherum. Jens Breivik, der Vater des mutmaßlichen norwegischen Massenmörders, verbringt hier den Sommer mit seiner zweiten Frau.
Vater Breivik: "Anders hätte sich umbringen sollen"
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Der 76-Jährige ist ein pensionierter Diplomat. Er war auf Posten in Weltstädten wie London und Paris und genoss bis Freitagabend den Ruhestand. Dann erschütterte das Blutbad in Norwegen die Welt, und seine isolierte Residenz verwandelte sich in einen von Journalisten belagerten Zufluchtsort. Seitdem verschanzt sich Jens Breivik darin und lässt sich nicht mehr blicken.
Die Einwohner des 600-Seelen-Dorfs hatten ihn auch zuvor nur selten zu Gesicht bekommen. Die Fragen einer norwegischen Zeitung beantwortete er noch, ehe er sich zurückzog. Er habe am Freitagabend online Tageszeitungen gelesen, sagte er, und plötzlich den Namen und das Foto seines Sohnes gesehen. "Das war ein Schock. Ich bin darüber nicht hinweggekommen."
Die Nacht danach sei schrecklich gewesen, erklärte seine zweite Frau Wanda. Sie hatte er kurz nach der Geburt seines Sohnes geheiratet. Im Gegensatz zu ihrem Mann wagte sie sich kurz zu den wartenden Journalisten jenseits des Eingangstors. Bekleidet mit einer Art Baseball-Kappe und einer Strickjacke - es ist ein lausiger Sommer bisher in Frankreich -, versuchte sie, sich und ihrem Gatten mit einer Notlüge Ruhe zu verschaffen. Ihr Mann sei am frühen Morgen ins nahe gelegene Spanien gefahren, schwindelte sie.
Der Diplomat saß in diesem Moment drinnen in der Einsamkeit des Hauses und trauerte im Stillen. Mehrere norwegische Zeitungen bat er per E-Mail, ihn bitte im Augenblick nicht zu stören. Über das Verhältnis zu seinem Sohn gibt es widersprüchliche Aussagen. Er selbst beteuert, auf Wunsch seines Sohns keinen Kontakt mehr mit ihm gehabt zu haben seit dessen 15. oder 16. Lebensjahr. Bis dahin sei Anders ein "ganz gewöhnlicher, vielleicht etwas verschlossener Junge" gewesen.
Über dessen politische Gesinnung habe er nichts gewusst. Seine zweite Frau beteuerte gar, sie habe ihren Stiefsohn nie gesehen oder persönlich kennengelernt. Der mutmaßliche Attentäter schrieb hingegen in seinem "Manifest", es sei der Vater gewesen, der die Bande kappte. Seine leibliche Mutter habe zwar das Sorgerecht erhalten, er habe seinen Vater und seine Stiefmutter aber regelmäßig in Frankreich besucht. Und er fügte hinzu, dass seine leiblichen Eltern der Arbeiterpartei nahestanden, der die Anschläge galten.
Ein Dutzend Gendarmen bewacht nun das Sommerhaus der Norweger am Fuße der Pyrenäen. Anfangs hieß es, die Polizei habe die Residenz durchsucht. Inzwischen bekräftigten die französischen Behörden, es handele sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme, auch wenn es keine Hinweise gebe, dass das Leben des Diplomaten und seiner Frau in Gefahr sei. Kurzzeitig verwirrte noch die Anwesenheit eines uniformierten Mitglieds der Fremdenlegion. Aber der war nur zum Übersetzen da.
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(SZ vom 26.07.2011/jab)
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Solange jemand nicht rechtskräftig verurteilt ist, bleibt er ein "Verdächtiger" oder eben eine "mutmaßlicher" Täter, auch wenn es aufgrund der Umstände keinen Zweifel daran gibt, daß er die Tat begangen hat - es wurden schon genug Unschuldige gelyncht von Leuten, die keinen Zweifel an deren Schuld hatten.
Es war kein Amoklauf, wie man weiß.
Und wenn man das minutiös durchgeplante Massaker begrifflich assoziierend als eine Art Amoklauf beschreiben wollte, so wäre es kein "prototypischer".
Wer auf Basis dieser dürftigen Information über familiäre Verhältnisse spekulieren will, kann das für sich tun.
Es wird wohl zu nichts führen. Und man sollte es daher der Öffentlichkeit und den Angehörigen ersparen. Die sind, wie auch die Angehörigen und Gefährten der Ermordeten, zunächst nicht mehr und nicht weniger als überlebende Opfer der Tat.
Man sollte den Vater in Frieden lassen. Er ist doch nur das Ersatzobjekt für Hobby-Psychologen, weil der Täter selbst ihrer Neugier unzugänglich ist. Niemand kann beurteilen, wieso die Familie auseinander ging oder welche Auswirkungen dies auf den Sohn gehabt haben mag - wenn überhaupt. Das kommt heutzutage zu häufig vor, als dass man daraus allgemeine Schlüsse ziehen könnte. Der Sohn ist 32 Jahre alt und selbst verantwortlich, wenn ihm nicht eine psychische Störung attestiert wird. Der Vater kann einem allenfalls Leid tun. Den Opfern und besonders ihren Angehörigen hilft die Sensationslust der Neugierigen jedenfalls nicht.
...spricht der Artikel vom "mutmaßlichen Massenmörder" Breivik?
ein merkwürdiger Vater, der nie versuchte, seinen Sohn zu sehen, wenn das überhaupt stimmt
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