Fahndungserfolg nach der Anschlagsserie in Mumbai: Pakistan hat nach eigenen Angaben sechs Verdächtige festgenommen.
Pakistan hat nach eigenen Angaben sechs mutmaßliche Hintermänner der Anschlagserie im indischen Mumbai Ende November festgenommen. Unter ihnen sei auch der mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge, sagte der pakistanische Innenminister Rehman Malik.
Ziel des Anschlags: Das Hotel Taj Mahal in Mumbai (© Foto: AFP)
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Die pakistanische Regierung hat damit erstmals offiziell eingeräumt, dass die Terroranschläge auf die indische Handelsmetropole "zu einem Teil" auf pakistanischem Boden vorbereitet wurden. Bei den Anschlägen waren 170 Menschen getötet worden. Malik sagte, erste Untersuchungen hätten ergeben, dass einige der Attentäter von der verbotenen pakistanischen Terrororganisation Lashkar-e-Taiba ausgebildet worden seien. Man habe deren Trainingslager ausfindig gemacht und die mutmaßlichen Hintermänner festgenommen. Unter ihnen sei auch Zia-ur Rehman Lakhvi, der Chef der Organisation und Drahtzieher der Anschläge.
Außerdem sei es den Ermittlern gelungen, so Malik weiter, jenen Händler aus Karachi zu finden, der den Terroristen die Gummiboote verschafft hatten, mit denen sie dann am 26. November in Mumbai anlegten. Anschließend teilten sie sich in Gruppen auf, nahmen Gäste zweier Luxushotels und Mitglieder einer jüdischen Gemeinschaft als Geiseln oder töteten sie und schossen dann wahllos auf Zugreisende im Zentralbahnhof. Einer der zehn Attentäter, der 21-jährige Pakistaner Ajmal Amir Kasab, konnte von der indischen Polizei lebend gefasst werden, die anderen wurden erschossen. Seine Aussagen über den Verlauf des Anschlags deckten sich mit den Erkenntnissen, die indische Ermittler auf zwei von den Attentätern genutzten Mobiltelefonen und einem Navigationsgerät fanden.
"Alle Informationen geprüft"
"Wir haben alle Informationen geprüft, die uns Indien zugestellt hat", sagte der pakistanische Innenminister, "das beweist, dass wir aufrichtig sind und entschlossen, den Terrorismus zu bekämpfen. Pakistan fühlt mit dem indischen Volk mit."
So versöhnlich hatte es seit den Anschlägen noch nie geklungen. Die Pakistaner standen unter internationalen Druck, wenigstens das Offensichtliche nicht mehr abzustreiten. Bisher hatte sich die pakistanische Regierung dagegen gesträubt, weil die indische Seite in den vergangenen Wochen die Tonlage ständig verschärft hatte. Premierminister Manmohan Singh etwa sagte unlängst: "Es gibt Beweise, dass die Anschläge von offiziellen Stellen in Pakistan unterstützt worden sind."
Er spielte damit wahrscheinlich auf Pakistans militärischen Geheimdienst Inter Services Intelligence (ISI) an, der einst bei der Gründung von Lashkar-e-Taiba geholfen hatte. Innenminister Palaniappan Chidambaram bezichtigte das Nachbarland, es unternehme überhaupt nichts gegen die Verdächtigen: "Zero".
Ganz werden sich die Spannungen so schnell nicht legen. Malik überreichte Indien nämlich einen Katalog mit 30 Fragen. Eine davon betrifft eine Reihe von Telefonkarten, die Verbindungen nach Europa aufzeigten. So seien die Anschläge unter anderem mit Geld aus Spanien und Italien finanziert worden. Auch hätten Extremisten Sim-Karten österreichischer Telefonanbieter benutzt. "Wie gelangten die Terroristen an diese Sim-Karten?", fragte Malik. Weiter fordert Pakistan eine DNS-Probe des einzigen gefassten Terroristen, dem es den Prozess im eigenen Land machen möchte. Noch immer scheint es in Pakistan Zweifel zu geben an der Identität Kasabs. Zumindest diese Zweifel könnten bald ausgeräumt sein.
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(SZ vom 13.02.2009)
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