Erst schlägt eine Rakete im Amtssitz von Staatschef Karsai ein, dann sterben bei Anschlägen mindestens zwölf Menschen: Zwei Tage vor der Präsidentschaftswahl verstärken die Islamisten ihre Angriffe.

Zwei Tage vor den Wahlen in Afghanistan sind bei Selbstmordanschlägen in der Hauptstadt Kabul und der Provinz Urusgan mindestens zwölf Menschen getötet worden.

Kabul, AFP

Wahlkampf in Kabul: Die Afghanen sind aufgerufen, am Donnertag ihren Präsidenten zu wählen. Um das zu verhindern, haben die Taliban ihre Angriffe verstärkt. (© Foto: AFP)

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Wie die Polizei mitteilte, fuhr ein Attentäter im Osten Kabuls ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug in einen Konvoi der internationalen Truppen. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums sagte, 44 Verletzte seien in Krankenhäuser eingeliefert worden. Mindestens sechs Personen kamen ums Leben. Die meisten Opfer seien afghanische Zivilisten. Unklar war zunächst, ob bei dem Anschlag auch ausländische Soldaten zu Schaden gekommen sind.

Zuvor beschossen Rebellen den Amtssitz von Staatschef Hamid Karsai in Kabul mit einer Rakete. Verletzt worden sei niemand, hieß es aus Polizeikreisen. Das Geschoss verursachte auf dem Gelände des Präsidentenpalastes im Zentrum der afghanischen Hauptstadt allerdings leichten Sachschaden.

Eine zweite Rakete schlug im nahe gelegenen Hauptquartier der Polizei ein. Die Taliban erklärten, sie hätten insgesamt vier Raketen auf Kabul abgefeuert. Sie seien südlich der Stadt abgeschossen worden, erklärte die Polizei. Das Verteidigungsministerium, das in der Nähe des Palastes liegt, bestätigte den Angriff zunächst nicht.

Bei einem weiteren Selbstmordanschlag in der südlichen Provinz Urusgan kamen ebenfalls mindestens sechs Menschen ums Leben, darunter der Attentäter und drei afghanische Soldaten. Nach Polizeiangaben sprengte sich der Täter an einem Kontrollposten der Armee in die Luft.

Die Taliban wollen eine geordnete Präsidentschaftswahl am Donnerstag verhindern. Sie haben zum Boykott aufgerufen und ihre Angriffe zuletzt landesweit verstärkt. Am Samstag waren bei einem Selbstmordanschlag vor dem Hauptquartier der Internationalen Schutztruppe Isaf in Kabul sieben Zivilisten getötet und mehr als 90 weitere Menschen verletzt worden. Am Sonntag drohten die Extremisten erneut mit Anschlägen auf Wahllokale und die ausländische Truppen, um Angst in der Bevölkerung zu schüren.

Die Internationale Schutztruppe Isaf teilte mit, ihre Soldaten würden am Wahltag "offensive Operationen" aussetzen. An diesem Tag werde es nur jene Einsätze geben, die zum Schutz der Bevölkerung notwendig seien. Damit folge man dem Appell der afghanischen Regierung, die zu einem "Tag des Friedens" aufgerufen hat.

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(Reuters/dpa/af/woja/jhh)