Anschläge in Afghanistan Taliban erschießen Minenräumer

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen besucht deutsche Soldaten in Afghanistan.

(Foto: AP)
  • Die Taliban verstärken ihre Angriffe in Afghanistan: Am Samstag erschießen Kämpfer zwölf Minenräumer.
  • Kurz vor Ende des Nato-Kampfeinsatzes besucht Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen deutsche Soldaten in Afghanistan.
  • Von der Leyen warnt vor einem überstürzten Abzug der Bundeswehr.

Taliban erschießen Minenräumer

Die Anschlagserie der Taliban in Afghanistan reißt nicht ab. Kämpfer der radikalislamischen Organisation erschossen in der Provinz Helmand zwölf Minenräumer, teilte die Polizei mitteilte. Die Männer seien von Motorrädern aus angegriffen worden, teilte die Polizei mit. In der Hauptstadt Kabul bekannten sich die Taliban zu einem Anschlag auf einen ranghohen Mitarbeiter des Obersten Gerichts. Der Mann war am Samstag von Unbekannten erschossen worden, als er sein Haus verließ.

Am selben Tag sind in der Hauptstadt bei einem Anschlag eines Selbstmordattentäters mindestens sechs afghanische Soldaten getötet worden. Der Täter habe die Bombe an der Tür eines Busses gezündet, in dem die Soldaten gesessen hätten, sagte ein Polizeisprecher. Auf Fernsehbildern war das völlig demolierte Wrack des Busses im Westen der Stadt zu sehen. Zu dem Anschlag bekannte sich zunächst niemand.

Freitagabend waren zudem zwei ausländische Soldaten bei einem Bombenanschlag der Taliban auf einen Nato-Konvoi in der Nähe des US-Luftwaffenstützpunkts Bagram nördlich von Kabul getötet worden.

Die Taliban haben in den vergangenen Wochen ihre Angriffe verstärkt. Am Donnerstag starb bei einem Selbstmordanschlag der Islamisten in Kabul ein Deutscher. Am selben Tag kamen sechs afghanische Soldaten in der Hauptstadt bei einem Selbstmordangriff auf ihren Bus ums Leben.

Von der Leyen warnt vor abruptem Abzug

In zweieinhalb Wochen endet der Kampfeinsatzes der Nato-Truppe Isaf nach 13 Jahren. Er wird abgelöst durch die Beratungs- und Ausbildungseinsatz "Resolute Support" (Entschlossene Unterstützung), für den 12 000 ausländische Soldaten am Hindukusch bleiben sollen, unter ihnen bis zu 850 Deutsche.

Wenige Tage vor dem Ende des Kampfeinsatzes warnte Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) vor einem zu abrupten Abzug aus dem Land gewarnt. Die internationale Gemeinschaft habe am Hindukusch viel erreicht, aber die Lage sei noch fragil, sagte von der Leyen auf dem Flug ins nordafghanische Masar-i-Scharif, wo sie am Samstagmorgen zu einem Truppenbesuch eintraf.

Es sei daher richtig, dass nun zum Jahreswechsel dem bisherigen Kampf- ein reiner Ausbildungs- und Beratungseinsatz folge, mit dem die ausländischen Soldaten die afghanischen Sicherheitskräfte weiter begleiteten. Am Ende müsse es der internationalen Gemeinschaft gelingen, aus diesem Folgeeinsatz langsam herauszugleiten und das Land nicht zu schnell zu verlassen, betonte sie.

Irak als warnendes Beispiel

Als warnendes Beispiel gilt der rasche Abzug der US-Truppen aus dem Irak 2011, nachdem sich beide Staaten nicht auf ein Truppenstatut einigen konnten. Drei Jahre später sah sich US-Präsident Barack Obama erneut zur Entsendung von US-Soldaten in das Land gezwungen, das wegen des Vormarsches der Extremistenmiliz "Islamischer Staat" in Chaos und Gewalt zu versinken droht. Auch Deutschland plant, zur Ausbildung von Peschmerga-Kämpfern etwa 100 Bundeswehr-Soldaten in die Kurden-Hauptstadt Erbil im Nordirak zu entsenden.

Verteidigungsministerin hat Anstieg der Anschläge erwartet

In Afghanistan war der jüngste Anstieg der Anschläge nach Angaben der Ministerin zu erwarten. Kurz vor dem Ende des Nato-Kampfeinsatzes testeten die radikalislamischen Taliban die Stärke der einheimischen Sicherheitskräfte aus, zielten aber vor allem auch auf Zivilisten, sagte sie. Die Afghanen seien jedoch entschlossen, die Sicherheitslage stabil zu halten. Bei einem Anschlag auf ein französisches Kulturzentrum in der Hauptstadt Kabul war am Donnerstag ein Deutscher getötet worden.

Deutschland will Afghanistan mit 430 Millionen Euro pro Jahr unterstützen

Zum Höhepunkt des Einsatzes 2011 waren insgesamt 140 000 ausländische Soldaten in Afghanistan stationiert, darunter bis zu 5200 Deutsche. Derzeit sind noch knapp 1300 Bundeswehr-Soldaten vor Ort. Etwa 70 deutsche Soldaten sollen künftig als Berater zum Einsatz kommen - ein Teil von ihnen im Hauptquartier der afghanischen Armee im Norden des Landes, im Camp Schahin bei Masar-i-Scharif, der Rest beim Verteidigungsministerium in Kabul. Die übrigen steuern als Mitarbeiter in den Stäben in Masar und Kabul den Einsatz und halten den Betrieb des Lagers im Norden aufrecht.

Seit Beginn des Einsatzes Ende 2001 sind 55 deutsche Soldaten in Afghanistan ums Leben gekommen. Um einen Rückfall des Landes in die Gewalt zu verhindern, hat Deutschland Afghanistan neben dem Militäreinsatz bis mindestens 2016 pro Jahr 430 Millionen Euro an Hilfsgeldern zugesagt. Deutschland ist damit drittgrößter Geber nach den USA und Japan.

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