Anruf bei Diekmann Wulffs Mailboxnachricht veröffentlicht - als Gemälde

Christian Wulff am Telefon (Archivbild, nicht in Katar): Seelenschreie eines Mächtigen?

(Foto: dpa)

Er war auf dem Weg zum Emir und hatte nicht viel Zeit: Lange hat die Öffentlichkeit gerätselt, was genau der damalige Bundespräsident Christian Wulff dem "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann auf die Mailbox sprach. Nun publiziert ein Berliner Künstler die Botschaft als sechsteiligen Bilderzyklus.

Ob Christian Wulff während des Anrufs ahnte, dass er große Kunst fabrizierte? Die Wutnachricht des damaligen Bundespräsidenten auf der Mailbox von Bild-Chefredakteur Kai Diekmann wird nun jedenfalls zum Kunstobjekt.

Verantwortlich dafür ist der Berliner Maler Clemens von Wedel, ein Bekannter Diekmanns. Er setzte Wulffs Worte in einen Zyklus von sechs großen Ölbildern um, wie das Magazin Cicero berichtet. Damit wird erstmals die komplette Botschaft der Öffentlichkeit bekannt - oder zumindest denjenigen, denen die Entzifferung der bunt gepinselten Sätze und das Zusammenfügen der vom Künstler neu geordneten Textpassagen gelingt.

Die Berliner Galerie Denkerei will die Ausstellung nach eigenen Angaben am 12. Dezember eröffnen - dem ersten Jahrestag des Anrufs. Sie trägt den Titel "Seelenschreie eines Mächtigen". Offenbar darf sich auch das Ex-Staatsoberhaupt willkommen fühlen: "Der ehemalige Bundespräsident Wulff ist herzlich zum angezeigten Exerzitium eingeladen", heißt es auf der Homepage der Galerie.

"Ich bin jetzt im Gespräch"

Wulff hatte während einer Reise durch die Golfstaaten erfahren, dass die Bild über einen Privatkredit für sein Einfamilienhaus berichten wollte. Sein Anruf bei Diekmann deswegen landete aber nur auf der Mailbox des Chefredakteurs, auf der er eine Nachricht hinterließ. Die unsouveräne Reaktion trug maßgeblich dazu bei, dass Wulff unter immer größeren Rechtfertigungsdruck geriet. Am 17. Februar 2012 trat er schließlich zurück.

Von Wedel verarbeitet in seinen Bildern den kompletten Wortlaut von Wulffs Nachricht, der bislang noch nicht in Gänze publiziert worden war. Auf einem der Bilder heißt es laut Cicero etwa: "Ich bin jetzt im Gespräch, und dann hab ich hier eine Rede zu halten und bin erst wieder in eineinhalb Stunden in der Lage, dort in der deutschen Botschaft zu sprechen. Ich würde aber gern mit Ihnen sprechen, denn dass man nicht bis Mittwoch wartet, die Dinge bespricht und dann sagt, okay, wir wollen Krieg führen und führen ihn, das finde ich sehr unverantwortlich von Ihrer Mannschaft."

Der Bilderzyklus endet mit den Worten: "Dankeschön, auf Wiederhören, Herr Diekmann."