Ann Romney beim Republikaner-Parteitag Mein Mann Mitt

Sie backt Pfannkuchen vor TV-Kameras und spricht offen über ihre schwere Erkrankung, die sie mithilfe ihres Mannes besiegt habe. Anders als Mitt erscheint Ann Romney locker, sympathisch, populär. Bei ihrem Auftritt in Tampa will die fünffache Mutter beweisen, dass ihr Mann kein kühler Kapitalist ist, sondern Herz hat. Dafür muss sie tief in die Schatzkiste greifen.

Von Matthias Kolb, Tampa

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Buttermilch-Pfannkuchen, Orangensaft und ein Haufen Enkel in der Küche: So sieht es an einem typischen Sonntagmorgen bei den Romneys in ihrem Ferienhaus in New Hampshire aus. Vor dem Parteitag in Tampa durfte Chris Wallace von Fox News Sunday dem Republikaner Mitt Romney dabei zusehen, wie dieser die Pfannkuchen wendet und von Hemden der Billig-Marke Kirkland schwärmt, die es im Dreierpack bei der Supermarktkette Costco zu kaufen gibt. Die Botschaft: Seht her, unser Alltag ist wie eurer, wir brauchen nicht mal Hausangestellte.

Doch der Star in der geräumigen Küche ist Ann Romney: Sie erzählt, dass sie im Arbeitsbereich extra eine Art Insel eingebaut haben, in der die Enkel mithelfen können. Sie ist die "Dirigentin", und so entgeht ihr nicht, dass Ehemann Mitt zum Kühlschrank schleicht. "Du willst Erdnussbutter auf meine Pfannkuchen streichen? Das ist ein Sakrileg", ruft sie. Sie zückt Ahornsirup und bietet Moderator Wallace zwei Sorten an. Einer sei aus Vermont, der andere aus New Hampshire - der TV-Mann wählt die Variante aus New Hampshire, einem wichtigen Swing State, wie Ann Romney betont.

Die sorgsam inszenierte Episode offenbart die Unterschiede des Ehepaares Romney: Ann wirkt wie eine herzliche Großmutter, die nichts aus der Ruhe bringt, während Multimillionär Mitt auch in der Küche hölzern erscheint. Auf die 63-Jährige wartet eine große Aufgabe: Mit ihrer Rede in Tampa beginnt das Projekt "Amerika, trefft den wahren Mitt Romney". In dieser Woche sollen die Wähler mehr über den Charakter des Mannes erfahren, der Barack Obama besiegen will. Die Republikaner setzen dabei auf die Popularität der "blonden Geheimwaffe" Ann, deren Zustimmungswerte deutlich höher sind als die ihres Manns (auch First Lady Michelle Obama ist beliebter als der US-Präsident).

Während 2008 Cindy McCain erst am letzten Tag des Parteitages unmittelbar vor dessen Rede über ihren Gatten John sprach und darüber viel Aufmerksamkeit verpuffte, tritt Ann bei dem vom Tropensturm Isaac kräftig durcheinander gewirbelten Parteitag sehr früh ans Rednerpult. Niemand kennt den 65-jährigen Romney besser als seine Frau, mit der er seit 1969 verheiratet ist. Ann sei "ein Fenster in seine Seele", meint Berater Alex Castellanos.

Sie wird den Millionen Amerikanern vor den TV-Geräten erzählen, wie sie fünf Kinder groß zogen, sich über die 18 Enkel freuen konnten und welche Schwierigkeiten beide zu überwinden hatten. In einer CNN-Dokumentation berichtete Ann, wie sie einige Stunden lang glauben musste, dass Mitt während seiner Mormonen-Mission in Frankreich bei einem Autounfall ums Leben gekommen sei. Darin schildert sie auch, wie er ihr geholfen habe, Ende 1998 mit der Diagnose "Multiple Sklerose" zurecht zukommen und die Krankheit zu überwinden. Der Multimillionär habe damals ihre Aufgaben übernommen: Er sei einkaufen gegangen, habe gekocht und sei stets an ihrer Seite gewesen.

Ann Romneys Erzählungen aus dem Eheleben sind ein wichtiger Baustein im Versuch der Strategen der Grand Old Party, das vom Obama-Lager zuletzt eingehämmerte Image von Mitt Romney als eiskalten Kapitalisten mit Auslandskonten zu entkräften. Wenn es ihr gelingt, Mitt als liebenden Ehemann und Familienmenschen zu zeichnen, dann könnte dies helfen, den Rückstand Romneys bei den Wählerinnen nicht zu groß werden lassen. Vor den unsäglichen Äußerungen des Republikaners Todd Akin über "legitime Vergewaltigung" hatte der Mormone in dieser Wählergruppe den Abstand auf Obama verkürzen können. Schon der Eindruck "Wenn er eine so tolle Frau hat, kann er gar nicht so schlimm sein" würde Mitt helfen.

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