Ankara Türkei vermutet Linksextremisten hinter Anschlag auf US-Botschaft

Bei einem Bombenanschlag vor der US-Botschaft in der türkischen Hauptstadt Ankara sind zwei Menschen ums Leben gekommen. Es soll sich um den Attentäter und einen Sicherheitsmann handeln. Der Täter soll türkischer Staatsbürger gewesen sein und nach Einschätzung des Innenministers einer linksextremistischen Organisation angehört haben.

Vor der US-Botschaft in der türkischen Hauptstadt Ankara hat ein Selbstmordattentäter eine Bombe gezündet. Dabei kamen nach Angaben der Behörden zwei Menschen ums Leben, darunter der Attentäter sowie ein türkischer Wachposten.

US-Botschafter Francis Ricciardone trat kurz nach dem Anschlag begleitet von Sicherheitskräften aus dem Haupteingang des Botschaftsgebäudes vor Journalisten und bestätigte, dass einer der türkischen Wachleute ums Leben gekommen sei.

Zu der Tat bekannte sich zunächst niemand. Das türkische Innenministerium erklärte, der Attentäter sei vermutlich ein türkischer Staatsbürger gewesen. Es gebe außerdem erste Hinweise, dass der Selbstmordattentäter einer verbotenen linksgerichteten Organisation angehört habe, sagte Innenminister Muammer Güler vor Reportern.

Der staatliche türkische Rundfunksender TRT meldete, der Attentäter sei Mitglied der Revolutionären Volksbefreiungspartei-Front (DHKP-C) gewesen. Die Gruppe, die von der EU, den USA und der Türkei als Terrororganisation eingestuft wird, fordert einen sozialistischen Staat und gilt als entschieden anti-amerikanisch. Auf ihr Konto soll unter anderem ein Angriff auf eine Polizeiwache in Istanbul am 11. September 2012 gehen, dem elften Jahrestag der Anschläge auf das World Trade Center in den USA. Die DHKP-C beklagt einen zu starken Einfluss der US-Außenpolitik in der Türkei.

Die beiden Nato-Staaten USA und Türkei sind seit Jahren enge strategische Verbündete. In den vergangenen Wochen trafen etwa 400 US-Soldaten im Land ein, um gemeinsam mit deutschen und niederländischen Kameraden die Grenze zum Bürgerkriegsland Syrien mit Patriot-Abwehrraketen zu sichern.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan rief zum weltweiten Kampf gegen "terroristische Elemente" auf. Das US-Konsulat in Istanbul mahnte Amerikaner in der Türkei zu besonderer Vorsicht und riet ihnen, sich vorerst von amerikanischen Vertretungen in dem Land fernzuhalten.

Das britische Generalkonsulat in Istanbul empfahl britischen Unternehmen in der Türkei, besonders wachsam zu sein und Sicherheitsvorkehrungen zu treffen.

Das US-Außenministerium teilte mit, gemeinsam mit der türkischen Polizei den Vorfall zu untersuchen. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit US-Vizepräsident Joe Biden in Berlin, sie sei bestürzt über den Vorfall und sprach ihr Beileid aus.

Der Angreifer drang nach türkischen Behördenangaben über einen Seiteneingang in die Botschaft ein und zündete im Inneren des Gebäudes seinen Sprengsatz. Die Eingangspforte wurde aus den Angeln gerissen, Mauerwerk flog durch die Luft, Rauch stieg auf.

Dem Sender CNN-Türk zufolge explodierte der Sprengsatz während der Überprüfung eines Besuchers im Eingangsbereich der Visumsstelle.