Angriffe auf Schiiten Zahlreiche Tote bei Selbstmordanschlag in Pakistan

Kurz vor einem internationalen Gipfeltreffen in Islamabad häufen sich die Anschläge in Pakistan: Bei einem Selbstmordattentat sind mindestens 23 Menschen gestorben, Dutzende wurden verletzt. Opfer des Terrors ist vor allem die schiitische Minderheit.

Selbstmordanschlag in Rawalpindi: Polizisten und Sicherheitskräfte untersuchen den Tatort. 

(Foto: AFP)

Ein Selbstmordattentäter hat in der Nacht zum Donnerstag eine schiitische Prozession angegriffen und mindestens 23 Menschen mit in den Tod gerissen. Mehr als Menschen seien bei dem Anschlag in der pakistanischen Garnisonsstadt Rawalpindi nahe Islamabad verletzt worden, sagte ein Polizeisprecher. Unter den Opfern sollen auch Kinder sein.

Zunächst war von 16 Toten und mehr als 30 Verletzten die Rede. Mehrere Schwerverletzte erlagen nach Angaben der Rettungskräfte jedoch später ihren Verwundungen. Unter den 23 Toten befand sich demnach auch der Attentäter. Die radikalislamischen Taliban bekannten sich zu der Tat.

Die Polizei habe den etwa 18 Jahre alten Angreifer zunächst durchsuchen wollen, als er sich der Prozession anschließen wollte, sagte ein Behördensprecher. Dann aber sei der Attentäter an den Polizisten vorbeigerannt und habe seine Sprengstoffweste zur Explosion gebracht, als die Gläubigen gerade eine schiitische Gebetsstätte verlassen hätten. Zudem habe er auch Handgranaten bei sich getragen, die zum Teil explodiert seien. Die Kombination aus Sprengstoff und Granaten habe vermutlich zu den hohen Opferzahlen geführt.

Taliban begründen Anschlag mit Beleidigung des Propheten

Am Mittwoch gab es in Pakistan nach neuen Angaben mindestens fünf Anschläge, bei denen insgesamt mindestens 35 Menschen getötet wurden. Die Taliban bekannten sich zu vier der Attacken. Den Anschlag in Rawalpindi und eine weitere Attacke auf Schiiten in der südlichen Hafenstadt Karachi mit zwei Toten begründete ein Sprecher der Extremisten damit, dass die Schiiten den Propheten beleidigten.

Sunnitische Extremisten wie die Taliban greifen immer wieder Schiiten an. Die Schiiten stellen etwa 20 Prozent der mehr als 180 Millionen Pakistaner. Die Minderheit begeht derzeit den Trauermonat Muharram, der am Wochenende mit dem Trauerfest Aschura endet. Die Gläubigen gedenken des Todes von Imam Hussein, den sie als legitimen Nachfolger seines Großvaters, des Propheten Mohammed, anerkennen

Am Donnerstag findet in der Hauptstadt Islamabad, die an Rawalpindi grenzt, ein Gipfeltreffen der sogenannten Developing-Eight-Staaten zu Wirtschaftsthemen statt, an dem unter anderem Vertreter der Türkei, Ägyptens und des Irans teilnehmen wollen. Wegen der angespannten Sicherheitslage ist Pakistan selten Gastegeber internationaler Treffen.