Angriff in Syrien vor zehn Jahren Israel enthüllt Dokumente zu Militäraktion

  • Die israelische Armee hat Dokumente veröffentlicht, die einen israelischen Militärschlag auf einen Atomreaktor in Syrien im September 2007 belegen.
  • Die Enthüllung des Angriffs kann als Warnung Israels an Iran gelesen werden.
Von Alexandra Föderl-Schmid, Tel Aviv

Zehn Jahre Schweigen und dann auf einen Schlag eine Fülle an Material: Die israelischen Medien überboten sich am Mittwochmorgen mit Eilmeldungen und Berichten. Die israelische Armee hat sich zur Zerstörung einer syrischen Anlage bekannt, die nach ihren Erkenntnissen ein Atomreaktor kurz vor der Fertigstellung war. Die lange geplante Operation "Outside the box" wurde in der Nacht vom 5. auf den 6. September 2007 durchgeführt.

Acht israelische Kampfjets bombardierten den Reaktor in Deir as-Sor 400 Kilometer nordöstlich von Damaskus mit 16 Tonnen Sprengstoff und kehrten ungesehen wieder nach Israel zurück. Nach israelischen Erkenntnissen stand der mit nordkoreanischer Technik mitten in der Wüste und nahe des Flusses Euphrat gebaute Reaktor unmittelbar vor der Fertigstellung.

Die politische Führung Israels hatte sich auf Vorschlag der Armee für eine vergleichsweise kleine Operation und eine lange währende Geheimhaltung entschieden, um Syrien nicht zu einem Gegenschlag oder womöglich einem Krieg zu provozieren. Kurz zuvor hatten Israel und der Libanon Krieg geführt und die Verantwortlichen in der israelischen Armee waren sich nicht sicher, ob die Soldaten für eine erneute militärische Auseinandersetzung gerüstet waren. Tatsächlich versuchte Syrien den Vorfall herunterzuspielen und verzichtete auf eine militärische Reaktion. Die Atomenergiebehörde IAEO fand später Spuren von Radioaktivität.

Der Reaktor in Syrien, Sekunden vor dem Angriff.

(Foto: Israelische Armee)

Der Aktion in Syrien waren intensive Debatten auf politischer Seite vorausgegangen, wie die nun veröffentlichten Dokumente zeigen. Den endgültigen Beweis für die Existenz eines Reaktors hatte aus israelischer Sicht eine Mossad-Aktion in Wien erbracht: Ein syrischer Funktionär hatte während einer Sitzung der Atomenergiebehörde seinen Laptop im Hotelzimmer liegenlassen. Der israelische Geheimdienst verschaffte sich Zugang und konnte damit der militärischen und politischen Führung Bilder als Beweis für die Nutzung der Anlage als Reaktor vorlegen.

Zustimmung erfolgte "schweren Herzens"

Premierminister Ehud Olmert war rasch von der Notwendigkeit der Zerstörung überzeugt, Verteidigungsminister Ehud Barak stellte kritische Fragen an die Armee zu alternativen Plänen und Außenministerin Tsipi Livni stimmte schließlich "schweren Herzens" zu. In der Öffentlichkeit ringen Barak und Olmert, die sich in den vergangenen Wochen vermehrt zu Wort melden, um die Deutungshoheit ihrer jeweiligen Rolle. Barak wird zugetraut, dass er noch einmal in die Politik einsteigen will. In der Opposition saß damals der jetzige Premierminister Benjamin Netanjahu, der eingeweiht war und die Aktion unterstützte.

Dass Israel nach mehr als einem Jahrzehnt die Hintergründe dessen enthüllt, was ohnehin vermutet worden war, hat mit den aktuellen Entwicklungen zu tun. Israel fürchtet, dass sich Iran in Syrien und im Libanon festsetzt. Am 10. Februar war eine in Syrien gestartete iranische Drohne über israelischem Luftraum abgefangen worden. Daraufhin hatte die Luftwaffe Vergeltungsangriffe geflogen, ein israelischer Jet wurde von der syrischen Luftabwehr getroffen und stürzte auf israelischem Gebiet ab.

Israel sieht im iranischen Atomprogramm eine akute Bedrohung und drängt darauf, das 2015 in Wien zwischen Iran und der Gruppe der fünf UN-Vetomächte und Deutschland geschlossene Atomabkommen aufzukündigen. US-Präsident Donald Trump droht auch mit einer Aufkündigung, die Europäer wollen Nachbesserungen erreichen, drängen aber auf die Beibehaltung des Vertrags. Eine Entscheidung darüber könnte im Mai fallen.

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