Angriff auf Gazastreifen Sarkozy und Vatikan kritisieren Israel

Die EU fordert einen sofortigen Waffenstillstand, Israels Nachbarstaaten verurteilen den israelischen Militärschlag im Gazastreifen. Kritik kam auch aus dem Vatikan.

Die Angriffe der israelischen Streitkräfte auf Ziele im von der radikalislamischen Hamas-Miliz kontrollierten Gazastreifen haben gemischte Reaktionen hervorgerufen.

Die Europäische Union forderte einen sofortigen Waffenstillstand gefordert. Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana drückte in Brüssel seine Besorgnis über die Vorfälle aus und forderte die verfeindeten Parteien zu größtmöglicher Zurückhaltung auf.

Kritischer gab sich der französische Staatschef, dessen Land in diesen Tagen die EU-Ratspräsidentschaft an Tschechien abgibt. Präsident Nicolas Sarkozy warf Israel einen unverhältnismäßigen Gewalteinsatz vor.

Die Bombardierung müsse sofort ein Ende haben, ließ Sarkozy in Paris mitteilen. Zugleich verurteilte Sarkozy die Raketenangriffe militanter Palästinenser auf Israel und forderte ein Ende der "unverantwortlichen Provokationen", die zur jetzigen Situation geführt hätten. Es gebe keine militärische Lösung im Gazastreifen, hieß es aus dem Elyséepalast.

Steinmeier warnt vor "Spirale der Gewalt"

Die USA rief Israel zur Zurückhaltung bei ihrem militärischen Vorgehen im Gazastreifen auf, kritisierte zugleich aber auch die radikalislamische Hamas-Bewegung. Israel müsse bei seinem Vorgehen gegen die Hamas "zivile Opfer vermeiden", sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Gordon Johndroe, nach Angaben des TV-Senders CNN auf der Präsidenten-Ranch Crawford im US-Bundesstaat Texas.

Ähnlich äußerte sich Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier. Der SPD-Politiker und Kanzlerkandidat billigte Israel das Recht auf Selbstverteidigung zu, mahnte zugleich aber Rücksichtnahme auf die Zivilbevölkerung an

Steinmeier zeigte sich "sehr besorgt" über die erneute Eskalation im Nahen Osten. "Der Gazastreifen droht erneut in einer Spirale der Gewalt zu versinken", sagte der Minister.

Vatikan beklagt "unschuldige Opfer"

Russland forderte ein sofortiges Ende der Gewalt im Nahen Osten. Moskaus Außenamtssprecher Andrej Nesterenko appellierte an Israel, "die Kampfhandlungen, die bereits zu großen Verlusten und viel Leid unter der friedlichen palästinensischen Bevölkerung geführt haben, zu beenden".

Zugleich rief er die radikalislamische Hamas-Bewegung auf, den Beschuss israelischer Gebiete einzustellen. Nesterenko betonte, dass die Probleme am Verhandlungstisch gelöst werden müssten. Im Frühjahr ist eine internationale Nahost-Konferenz in Moskau geplant.

Der Vatikan verurteilte die israelischen Luftangriffe und beklagte die "zahlreichen unschuldigen Opfer". Vatikansprecher Federico Lombardi äußerte die Befürchtung, dass die Angriffe noch mehr Hass in der Region produzieren würden. "Wir müssen eine andere Lösung finden, auch wenn es unmöglich erscheint", sagte er Radio Vatikan.

Harsche Kritik aus Teheran

Die Länder der Nahost-Region verurteilten die massiven Angriffe Israels auf den Gazastreifen mit unterschiedlicher Schärfe. Ägypten verurteile die Angriffe, die "zu Toten und Verletzten führen, wofür Israel als Besatzungsmacht die Verantwortung trägt", erklärte das Außenministerium in Kairo.

Das arabische Land bot an, das bereits in der Vergangenheit zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas vermittelt hatte, bot weitere diesbezügliche Dienste an. Der ägyptische Präsident Husni Mubarak ordnete an, den geschlossenen Grenzübergang Rafah für die Aufnahme von Verletzten zu öffnen.

Jordanien verlangte eine Dringlichkeitssitzung der Arabischen Liga. In einer Stellungnahme der Regierung in Amman hieß es, das Königreich "fordert Israel dazu auf, seine Militäroperationen und seine Politik der kollektiven Bestrafung von palästinensischen Zivilisten unverzüglich einzustellen". In Amman demonstrierten mehrere hundert Gewerkschafter. Dabei kritisierten sie auch Ägypten, das "mit Israel gemeinsame Sache mache".

Die schärfste Reaktion kamen aus Teheran, dessen Führung als erbittertster Gegner Israels in der Region gilt. "Dieser brutale und unmenschliche Akt des zionistischen Regimes fügt dessen finsteren kriminellen und terroristischen Strafregister ein weiteres Kapitel hinzu", zitierte die Nachrichtenagentur ISNA den iranischen Außenministeriumssprecher Hassan Gaschgavi. Der Sprecher forderte den Weltsicherheitsrat und die Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) auf, unverzüglich einzuschreiten, um die Gewalt zu stoppen.